Amanshausers Album: Echte Fidschi-Freundlichkeit

90 - Auf Fidschi wird „Bula" oft anstrengend. Doch die Freundlichkeit funktioniert auch ohne. Teil zwei.

Freundlich. Guides wie Mary labern nicht  wegen „Bula“ herum.
Freundlich. Guides wie Mary labern nicht  wegen „Bula“ herum.
Freundlich. Guides wie Mary labern nicht wegen „Bula“ herum. NEU. Martin Amanshauser: „Es ist unangenehm im Sonnensystem“, Kremayr & Scheriau, 2019. – (c) Martin Amanshauser

Auf Fidschi kann das vielfach ausgeschlachtete Begrüßungswort „Bula" zu Verwicklungen führen. Im Visitor-Center des Biausevu-Wasserfalls rufen ein alter und ein junger Mann „Bula!", scharf und kurz, als würden sie salutieren. Ich zahle circa zwölf Euro Eintritt, der Alte erklärt, das Geld sei „für die Dorfkinder und die Schule". Ihn interessiert, Kontrollblick, der Inhalt meiner Geldbörse. Ob er meine zwei Banknoten aus Thailand behalten darf? Einen davon gern, sage ich, den anderen will ich für die Kinder behalten. Doch da hat der Alte sich „seine" zwei Banknoten schon herausstibitzt. Und gibt sie tatsächlich nicht mehr her. Der Junge geniert sich sichtlich für ihn.

Sie stellen mir Mary vor, meinen Guide. Sie soll mich zum Wasserfall führen, 45 Minuten. Ich erkundige mich, ob Mary vom Eintrittsgeld bezahlt wird. Der Alte stockt. Typische Westlerfrage. Sagt dann „of course", während ich Marys Kopfbewegung entnehme, es ist nicht of course. Der Alte fügt hinzu, dass ich Mary eh ein Trinkgeld geben darf, das stünde mir frei.

Mary, Gummischlapfen und kurze Hosen, geht rasant voran. Bis zum Wasserfall müssen wir neun Mal den Bach durchwaten. Sie ist der Glücksfall eines Guides, dreht sich nur für Wichtiges um, einmal zeigt sie mir einen Strauch mit Zitronenblättern, einmal einen Frosch. Von hinten betrachte ich ihre starken Waden, bewundere deren Trittsicherheit im Wasser. Oben beim Wasserfall deutet Mary auf den Naturpool, ich dürfe schwimmen, solange ich möchte. Sie legt sich rücklings auf eine Holzbank und schließt die Augen.

Ich lasse mir die Biausevu-Wassermassen auf den Kopf donnern und beobachte, wie ein paar Spanier neben mir fast ertrinken. Auch auf dem Rückweg geht Mary voran. Einmal dreht sie sich um und stellt ihre einzige Frage: „Are you married?" Am Ende freut sie sich über das Trinkgeld, labert nicht auf Männerart rum, wie viel sie davon in der Schule abgeben wird. Ich sage ihr, dass ich ihren Stil echt mag. Mary nickt freundlich und geht. Hat sie überhaupt je „Bula" gesagt? Echte Fidschi-Freundlichkeit funktioniert auch ohne Bula.

www.amanshauser.at

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