Amanshausers Album: Baumhaus

Ein Baumhaus in Vanuatu: Neue Formen des Tourismus entstehen mit Internetbuchbarkeit.

Baumhaus. Etwa acht Quadratmeter, ein breites Doppelbett, ein Moskitonetz,  WC hinterm Vorhang: die  Volcano Tree Venture Bungalows auf Vanuato im Südpazifik.
Baumhaus. Etwa acht Quadratmeter, ein breites Doppelbett, ein Moskitonetz,  WC hinterm Vorhang: die  Volcano Tree Venture Bungalows auf Vanuato im Südpazifik.
Baumhaus. Etwa acht Quadratmeter, ein breites Doppelbett, ein Moskitonetz, WC hinterm Vorhang: die Volcano Tree Venture Bungalows auf Vanuato im Südpazifik. – (c) Martin Amanshauser

Charlie, 22, ist Hotelmanager – anders gesagt, er hat zwei Baumhäuser gebaut, „letztes Jahr mit meiner Familie", er verbessert sich, „mit meiner Community. Nach Anleitung." Prächtig thronen sie auf Banyan-Bäumen, die aussehen, als wären sie vor vielen Jahrzehnten eigens zu diesem Zweck angepflanzt worden. Zum Eingang des höheren der beiden Bungalows führen 37 steile Holzstufen. Ein Zimmerchen, etwa acht Quadratmeter, ein breites Doppelbett, ein Moskitonetz. Hinter einem
Vorhang ein Wasserklosett zeitgenössischer Bauart, beim Abfluss hilft ein Rohr, Wasser und die Schwerkraft, irgendwie wird das Wasser nach oben gepumpt, irgendwohin führt das Rohr. Als internetbuchbare Unterkunft nennt sich Charlies Projekt „Volcano Tree Venture Bungalows".

Die große Show spielt sich hinter dem scheibenlosen Fenster ab – der freie Blick auf den etwa drei Kilometer entfernten Mount Yasur. Er ist der Hauptgrund, wieso Menschen aus anderen Ländern die kleine Insel Tanna im Kleininselstaat Vanuatu (200.000 Einwohner, 83 Inseln) aufsuchen. Die Luft ist aber klar, viel frischer als in der Hauptstadt Port Vila, kaum 45 Flugminuten und doch eine Welt entfernt. Vom Berg gegenüber steigt untertags eine fahle Wolke in die Höhe. In der Nacht wirft der Lavakessel seinen orangefarbenen Schein über Tanna, flackert, erlischt, kommt wieder. Der Mount Yasur bricht strombolanisch – so der Fachbegriff – etwa 500 Mal täglich aus, die Ausbrüche verursachen alle paar Minuten einen grimmigen Trommelwirbel.

Klar, dieses Geräusch erzeugt der Berg, sagt Charlie in seinem überraschend vielfältigen Englisch, das er sich mit Fleiß und Intelligenz in sechs Schul­jahren und einem prägenden Jahr als Nachwuchsläufer bei einem Bruder in Port Vila zugezogen hat. Er weiß, dass nicht nur das Internet, sondern vor allem der Mount Yasur seine Art des Geldverdienens erst möglich macht – und dass dieser Vulkan, durchgehend aktiv seit 800 Jahren, jederzeit die Macht hat, alle Häuser und Baum­­häuser mit Lava zu überziehen. „Wir haben große Angst vor ihm", sagt er sachlich.

www.amanshauser.at

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Amanshausers Album: Baumhaus

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.