Amanshausers Album: Keine klassische First Lady

Die Kanadierin Eliza Reid ist heute First Lady Islands und engagiert sich für Nachhaltigkeit.

Island. Als Destination bereits an der Oberkante der Belastung – in der Hauptsaison. So versucht man mittlerweile, Touristen ganzjährig an der Insel zu inte­ressieren.
Island. Als Destination bereits an der Oberkante der Belastung – in der Hauptsaison. So versucht man mittlerweile, Touristen ganzjährig an der Insel zu inte­ressieren.
Island. Als Destination bereits an der Oberkante der Belastung – in der Hauptsaison. So versucht man mittlerweile, Touristen ganzjährig an der Insel zu inte­ressieren. – (c) Visit North Iceland

Als Eliza Reid 1976 in Ottawa geboren wurde, dachte niemand, dass sie einmal zur First Lady aufsteigen würde – noch dazu in einem Land, das die meisten Kanadier nie betreten haben, in Island. Es war kein kurzer Weg. 1998 lernte die Historikerin an der Oxforder Universität bei einem Blind Date Guðni Th. Jóhannesson kennen – das Th. steht als gängige Abkürzung für Thoriacius – auch er Historiker (Schwerpunkt: Kabeljaukriege), Stephen-King-Übersetzer und zukünftiger Präsident ohne Parteibuch. Fünf Jahre später zogen sie in seine Heimat.

„Mein Isländisch ist nicht perfekt", schreibt sie im E-Mail-Interview, „ich hab es erst in meinen Zwanzigern gelernt. Aber es ist mittlerweile ziemlich gut, und ich lerne dazu!" Reid begann als Marketing-Lady für eine Reykjavíker Tageszeitung, später schrieb sie für lokale Medien, und das nunmehrige Präsidentenpaar hat auch vier Kinder, geboren zwischen 2007 und 2013. Dass ihr Mann 2016 kandidierte, freute sie: „Es ist ein Privileg, meinem Land zu dienen, und ich genieße es sehr", beschreibt die Autorin ihre Rolle in Diplomatensprache.

Im Unterschied zu klassischen First Ladies beschränkt sich Eliza Reid nicht auf huldvolles Winken oder Dinners nach der Verleihung von Staatspreisen und Ehrennadeln. Die UNO hat sie als „Sonderbotschafterin für Tourismus und nachhaltige Entwicklung" ernannt, um beim Erreichen der 2030er-Ziele mitzuhelfen. Ihr Engagement ist glaubwürdig – welches Land könnte besser Nachhaltigkeit anbieten als die brodelnde Vulkaninsel? „Island hat diese spektakuläre, aber auch fragile Natur. 41 Prozent der Fremdwährung nehmen wir durch Besucher ein", erklärt sie, „wir versuchen, die Leute ganzjährig für alle Regionen unserer Insel zu interessieren." Natürlich auch für den Verzicht auf Wasserflaschen – isländisches Leitungswasser schmeckt wunderbar. Ich hätte Eliza Reid noch zu anderen Dinge befragt, doch Politinterviews sind oft recht schematisch. Auf die Frage, ob sie bereits in Österreich war, antwortete sie knapp: „Yes." Vielleicht kommt sie ja einmal als Staatsgast und verrät mehr.

www.amanshauser.at

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