Amanshausers Album 107: Villa Tranquilini

Am Rand der Buckligen Welt bemüht sich ein studierter Chemiker und Musiker um biologischen Anbau und stylishe Unterkunft.

Adelsberger und Gergely von Gut Guntrams mit einer Flasche Apfelsaft
Adelsberger und Gergely von Gut Guntrams mit einer Flasche Apfelsaft
Adelsberger und Gergely von Gut Guntrams mit einer Flasche Apfelsaft – Franz Zwickl

Der Großvater von Stefan Gergely war Architekt und Baumeister. 1917 erwarb er das Gut Guntrams, einen Landsitz am Rande des Steinfelds und der Buckligen Welt. „Die Mehrheit unserer Gäste kommt aus dem Wiener Raum“, erklärt Gergely, Jahrgang 1950, der das Gut vor sieben Jahren nach dem Tode seiner Mutter übernommen hat, „manche sind auf dem Weg nach Italien. Wir sagen ihnen: Brauchts gar nicht weiterfahren.“

In der Tat könnte die Villa Tranquilini (keine Werbezeichnung, sondern der originale Mädchennamen seiner italienischen Großmutter!) in der Toscana stehen. Sie ist äußerst tranquilo, im Vorgarten steht sogar eine steinerne Badewanne aus Malaysia. „Wir haben die Villa behutsam revitalisiert. Früher wohnten hier die Familie. Im hinteren Zimmer hab ich die Sommer meiner Kindheit verbracht.“ Weniger italienisch, eher designerstylish, sind die schwebenden Gartenlofts – seit vergangenen Juli in Betrieb, außen eine helle Vollholzkonstruktion, vorne Glasfront, innen Nussholz, mit Blick auf die Gärten einer biologischen Landwirtschaft: Weintrauben, Marillen und achtzig verschiedene Sorten Äpfel.

Gergely tüftelt, probiert aus, doch im Großen weiß er genau, was er tut. Der einstige Wissenschaftsjournalist ist diplomiert in organischer Chemie (natürlich hat er sich einen Alchemiekeller eingerichtet) und auf dem Violoncello. In Wien trat er bereits als Betreiber des Schlossquadrats hervor. „Zuerst war ich der klassische Zinsgeier“, lächelt er, „dann wurde ich Gastwirt, jetzt bin ich Landwirt.“ Der Mann wirkt, als wäre ihm keine Minute seines Lebens langweilig gewesen. Delegieren kann er auch: Gut Guntrams wird von Betreiber Reinhard Adelsberger gemanagt und bewirtschaftet. Der alte Chef vertraut dem jungen, der überall anpackt, wo es nötig ist.

Anpacken ist an vielen Stellen nötig: Da gibt es die Orangerie, ein futuristisches Glashaus, in dem Orangen, Zitronen und Limetten wachsen (unter anderem für die hauseigene Limoncello-Produktion), die Streuobstwiesen, im Hintergrund der Käfig mit den Hühnern, durch engmaschige Gitter vor Greifvögeln und Füchsen geschützt, die Bienenstöcke, betreut von einer Imkerin, der Kristallgarten mit Steinbrocken aus der halben Welt, und sogar drei Olivenbäume, die im Winter eingehaust und per Wärmeschlange beheizt werden.

Der Garten liefert das Rohmaterial für naturtrübe Apfelsäfte, Rhabarbersirups, fruchtige Geleewürfel, Zitrus-, Hagebutten- und Wildfurchtmarmeladen – käuflich im Hofladen des Restaurants „Veranda“ (Freitag bis Sonntag geöffnet). Photovoltaik sorgt für einen strombetriebenen Traktor, „wir machen hier silent farming“, sagt Stefan Gergely, der auf dem 4 Hektar großen Gut ungemähte Wiesenstreifen stehen lässt, in denen sich Grashüpfer, Bienen und Schmetterlinge tummeln. Unten an der Schwarza will er in Zukunft ein Artenschutzprojekt ins Leben rufen. Gergely wird nachdenklich, wenn er davon spricht: „Momentan komm ich mit meinem Schmetterlingsprojekt nicht weiter!“

www.amanshauser.at, NEU: Martin Amanshauser, „Es ist unangenehm im Sonnensystem", Kremayr & Scheriau 2019.

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