Amanshausers Welt: 454 USA / Miami

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Die meisten Menschen verstehen unter „Miami“ das weltberühmte Miami Beach, eine Insel vor der Küste (87.000 Einwohner), auf der Models schon seit Beginn des Jahrhunderts über den Strand spazieren, Hollywood seine Filme wie „Miami Vice“ und „True Lies“ dreht (übrigens wird „CSI Miami“ in Kalifornien angefertigt), über tausend Art-Deco-Gebäude aus den Dreißiger- und Vierzigerjahren stehen ...

Martin Amanshauser
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... und die kubanische Exil-Community ihre berühmten Lokale betreibt wie das Puerto Sagua (700 Collins Avenue) ...

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Tag für Tag vibriert die größte Partymeile Floridas, und flaniert wird nur auf den schmalen Gehsteigen in Strandnähe – die „Reichen und Schönen“, und auch jene, die sich ganz tolle oder ganz bescheuerte Autos leisten können, lassen sie am Ocean Drive perfilieren.

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In Wirklichkeit wohnt die Mehrheit der 3,7 Millionen Einwohner des Einzugsgebiets Miami am Festland, das sich rund um Downtown mit seinem Financial District gruppiert. Hier die katholische Gesu Church (1896 als Holy Name begonnen, 1925 neu gebaut als Gesu), die älteste Kirche der Stadt. Sie wird von Jesuiten betrieben.

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Auf eigener Schiene, mit Gummireifen, fährt der Metromover seit 1986. Zunächst kostete ein Ticket 25 Cent (ab 2002 gratis). Drei Linien, der Inner Loop, der Omni Loop und der Brickell Loop schlingen ihre Kurse umeinander. Mit abenteuerlicher Architektur, leicht erhöht gegenüber den Straßenschluchten, wirkt er wie eine majestätische Kindereisenbahn. Er durchquert Hochhäuser, schmiegt sich an Wände und bewältigt Aufstiege – mit jener Lunaparkhaftigkeit, die führerlose Züge so an sich haben.

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Bis zu den Achtziger Jahren ein verruchter, kaputter Ort wie die meisten US-Innenstädte, hat Miami Downtown sich inzwischen erholt – kubanische Lokale, Studentencafés und vielfarbige „Retail“-Läden geben dem inneren Distrikt um die historische Flagler Street einen freundlichen Anstrich.
In Downtown befinden sich auch die Gerichtsgebäude, vor denen dieser Mann, zu Recht oder Unrecht, unermüdlich ein Unrecht beklagt, das ihm angetan worden sein soll ...

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... während der Künstler Nate Page (innerhalb einer Serie temporär gezeigter Kunst im brach liegenden Öffentlichen Raum, „Fringe Projects“) die Frechheit hatte, das Symbol der amerikanischen Wirtschaft, das Auto, ungespitzt in die Wiese zu rammen ...

Martin Amanshauser
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... und man begegnet auch Plakaten für eine Waffenmesse, die in naher Zukunft ihre Pforten öffnen wird.

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Obamacare funktioniert, das neue System ist beliebt und verhasst wie hierzulande das AMS ...

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... auch bei den Haitianern in Little Haiti, wo die Straßen breit und die Häuser flach sind wie im alten Lateinamerika. Auf diesem Straßenstand schlägt die Verkäuferin mit einem Säbel eine Kokosnuss auf (2 Dollar).

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Little Haiti geht bei der 40. Straße in den sogenannten „Design District“ über, der so überhaupt nichts mit Design zu tun hat. Der Design District ist ein komplettes Missverständnis – promoted als „hipster area“ und „höchste Konzentration von Luxus-Design-Möbel-Showrooms in den USA“ findet sich nur ein sinnloses Spielfeld der finanzstärksten Brands. Die größten Markenfirmen versammeln hier ihre Flagship-Stores in cartoonhafer, letztlich toter Anhäufung.

Martin Amanshauser
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Doch auch ich war in Miami. Ich wohnte mitten in Miami Beach. Und ich grüble heute noch darüber nach, ob ich dieses herrenlose Bild von Vincent Van Gogh, das ich schenkelklopfend fotografierte, nicht doch besser hätte mitnehmen sollen.

Neues Buch! Die besten Martin-Amanshauser-Kolumnen aus dem „Schaufenster“ gibt es jetzt im Picus Verlag unter dem Titel „Typisch Welt, 111 Geschichten zum weiter Reisen“, 20,00 EUR.

www.amanshauser.at

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