Amanshausers Album: Busfahrer

29 - Es gibt ganz unterschiedliche Busfahrertypen. Der schlimmste ist Blechschmidt.

Busfahrer vom Typ Blechschmidt können sich auf der Insel Fehmarn und sogar auf einem ­Parkplatz verfahren – das schafft nur einer wie er.
Busfahrer vom Typ Blechschmidt können sich auf der Insel Fehmarn und sogar auf einem ­Parkplatz verfahren – das schafft nur einer wie er.
(c) BilderBox

Argwöhnisch beobachte ich Fahrer von Touristenbussen. Grundsätzlich  – mein Leben hängt schließlich von ihnen ab. Die meisten sind zurückhaltend-freundlich, manche mehr wie Schlagzeuger, denen der Ruf vorauseilt, nicht allzu hell zu sein, andere verschrobene Intellektuelle, wieder andere Vorbilder an Verlässlichkeit. Neben den Rasern, die ich fürchte – nie werde ich diesen Marokkaner vergessen, während dessen Fahrt ich mit dem Leben abschloss, für seine Begriffe fuhr dieser Geistesgestörte normal! –, gibt es auch die Virtuosen, die sinnloserweise rückwärts eine Einbahnstraße mit 20 Prozent Steigung hinunterfahren, nur damit die Fahrgäste am Eingang des Restaurants aussteigen.

Regelmäßig taucht ein Sondertypus auf, es gibt ihn auf allen Kontinenten. Nennen wir ihn Blechschmidt. Er reicht einem schon beim Einstieg grinsend die Hand: „Blechschmidt. . . Zu Goldschmidt hat’s nicht ganz gereicht!“ Er sagt dauernd, er sei „nur“ der Chauffeur. Er ist aber, unausrottbarerweise, Reiseführer und Lebensspezialist zugleich.
Blechschmidt ist immer der Erste und der Letzte. Er hält den Damen die Türen auf. Alles an seiner Körperhaltung signalisiert, wie inbrünstig er sie aufhält. Blechschmidt sitzt nicht am Katzentisch, er beteiligt sich am Gruppenessen, als wäre er der Kaiser.

Leider verschweigt Blechschmidt auch nichts aus seinem Lebenslauf. Man erfährt, wievielstellig die Summe war, „damals noch D-Mark“, die der Konzern ihm als Abfindung hinblättern musste. Es sei ein kurzes Gespräch gewesen, und man habe sich im gegenseitigen Einverständnis getrennt, „im Jahr Neunzehnhundert-schlag-mich-tot“.

Er ist ein schlechter Buschauffeur. Er verfährt sich dauernd und erklärt dann wortreich, wieso. Blechschmidt kann sich sogar auf der Insel Fehmarn verfahren oder am Parkplatz des Hotels. Wenn er den Weg schließlich hat, sagt er: „Sehen Sie, mein guter Orientierungssinn!“ Blechschmidt findet nicht einmal aus Metz hinaus. „Ach Gott, sprechen Sie nicht von Metz, Metz ist so eng.“ Bei Blechschmidt wünsche ich mir den geistesgestörten Marokkaner zurück.

www.amanshauser.at

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