Amanshausers Album: Null Zahnhygiene

33 – Wieso Wattestäbchen? Wieso Duschhauben? Wieso Nagelfeile? Wieso keine Zahnbürste?

Vanity-Set. Dass ein Duschgel, ein Shampoo und eine Feile vorhanden sind, davon kann man in der durchschnittlichen Hotellerie ausgehen. Doch warum gibt‘s keine Zahnpasta?
Vanity-Set. Dass ein Duschgel, ein Shampoo und eine Feile vorhanden sind, davon kann man in der durchschnittlichen Hotellerie ausgehen. Doch warum gibt‘s keine Zahnpasta?
Vanity-Set. Dass ein Duschgel, ein Shampoo und eine Feile vorhanden sind, davon kann man in der durchschnittlichen Hotellerie ausgehen. Doch warum gibt‘s keine Zahnpasta? – (c) imago stock&people

Leserinnen und Leser dieser Kolumne kennen mich als Reisenden, der an der schlechten Angewohnheit leidet, beim Einpacken meist eine essenzielle Sache zu vergessen. Mir fehlen die Sonnencreme, der Insektenspray... und leider gelegentlich auch das Zahnputzzeug. Ich hatte geplant, dieses Phänomen irgendwann in meine Psychotherapie einzubringen, denn es mag den Teil eines viel größeren Problems darstellen – doch einerseits hält mich die vorläufige Geringfügigkeit des Schadens davon ab, andererseits die Tatsache, dass viele sagen: „Mir geht es wie dir!“

Trotzdem war ich neulich im Algarve, Portugal, recht deprimiert, als ich abends in einem außerstädtischen Viersternhotel mit ungeputzten Zähnen dastand – Zahnpasta hatte ich dabei, Bürste nicht. Ich versuchte, den Bürstenjob per Finger zu erledigen, aber das ist nicht das gleiche. Ich nahm an, dass auch andere Menschen in dieser Zwangslage steckten. Ein Abend ohne Zahnbürste macht die Betroffenen echt unglücklich. Europäische Hotelbadezimmer sind toll ausgestattet, was Duschgels & Co betrifft, doch Zahnputzzeug – in (sagen wir) China ganz wie Kondome absoluter Standard – ist nicht vorgesehen. An jenem Abend baute ich voller Melancholie ein Moderne-Kunst-Gebilde aus Wattestäbchen, fertigte Selfies im Duschhäubchen an, fing im Kosmetikspiegel meinen verzweifelten Blick auf und beging einen erfolglosen Suizidversuch mit der Nagelfeile.

Morgens legte ich dem Rezeptionisten meine Zwangslage dar. Der nickte, fand jedoch in seinen Schubladen auch kein Zahnputz-Set. Versprochen wurde sofort, eines aufs Zimmer zu liefern. Versprochen, gebrochen. Erst ein Supermarkt im nächsten Städtchen sollte mich erlösen. Im Kriterienkatalog der Hotelklassifizierung, also zumindest im österreichischen (basierend auf dem deutschen, ähnelnd den vergleichbaren Regelwerken in Europa) sind bei Viersternhotels Pflicht: Wattestäbchen, Feile, Kosmetikspiegel, Duschhaube. Bei fünf Sternen: frische Blumen, Sekt, ein kleines Präsent! Übel! Null Zahnhygiene, null Familienplanung. Könnte man ändern. Jetzt echt.

www.amanshauser.at

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