Amanshausers Album: Kampfgewicht

35 - Ein bisschen verzweifelt suchen Fluglinien nach Einnahmequellen. Reine Kundenverärgerung?

Uzbekistan Airways und Hawaiian Airlines wollten von ihren Passagieren wissen, wie viel sie ­wiegen – die Begründung lautete, man wolle den Kerosinverbrauch exakter berechnen können.
Uzbekistan Airways und Hawaiian Airlines wollten von ihren Passagieren wissen, wie viel sie ­wiegen – die Begründung lautete, man wolle den Kerosinverbrauch exakter berechnen können.
(c) imago/Action Pictures

Die Europäische Flugsicherheitsbehörde legt das Gewicht von Fluggästen mit 84,6 kg (männlich) bzw. 66,6 kg (weiblich) fest – in den USA rechnen die Airlines hingegen mit 95,0 kg pro Passagier inklusive Kleidung und Handgepäck. Oft hört man von der Begehrlichkeit der Fluglinien, „mehr über ihre Gäste zu erfahren“. Klingt bedrohlich, oder? Doch wieso wollen sie gerade das Gewicht kennen? Wer würde eine gertenschlanke Dame oder einen bulimischen Jüngling auf eine Waage zwingen wollen, so wie Pferdefleisch vor dem Verkauf?

Ab 130 Kilo Kampfgewicht. Die Samoa Air in der Südsee begann 2013 als erste Linie (bis zu ihrem Konkurs 2015) mit einem „Pay as you weigh“-System, und sie bot auch XL-Sitze für Menschen ab 130 Kilo Kampfgewicht an. Zu den Ausrede-Sprachregelungen der Passagierabwieger-Avantgarde (u. a. Uzbekistan ­Airways und Hawaiian Airlines) für ihr Experiment gehörte die „exaktere Berechnung des Kerosinverbrauchs“.

Geht es um Sicherheit? Man könnte sich ja auch einen Flug der japanischen Sumo-Ringer-Meisterriege vorstellen, deren Kampfmannschaftsmitglieder allesamt auf A-Sitzen eingecheckt werden, was die Maschine, so sie es überhaupt bis nach oben schafft, früher oder später unweigerlich nach links abschmieren lässt, bis zur Kollision mit dem Mount Fuji. Doch sorgt zum Glück die Statistik des Zufalls für gerechte Verteilung der Körper. Geht es also doch darum – in Form einer „fat tax“, auf Kosten der Adipösen – Ticketpreise zu „variieren“, also unauffällig zu erhöhen?

Momentan wiegen die Nachteile schwer: Lange und Dicke werden wie Pudding in Liliputaner-Sitze gepresst, Beinfreiheit null. Kurze und Dünne sitzen womöglich neben solchen Sitzskulpturen. Und wenn ich als Dünner nur 70 Prozent meines Sitzes benützen darf, da Teile des Nachbarn zu mir herüberrinnen, möchte ich dann 100 Prozent zahlen?

Jüngst startete die Finnair auf dem Flughafen Helsinki ein Pilotprojekt. Passagiere können sich freiwillig und auf anonymer Basis mit ihrem Handgepäck wiegen lassen – selbstverständlich bekleidet. Weil wenn sie uns nackt sehen wollen, dürfen sie ja eh in diese Körperscanner schauen.

www.amanshauser.at

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Amanshausers Album: Kampfgewicht

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.