Amanshausers Album: Trip Advisor

38 - Trip Advisor zeigt uns vor allem eines: was wir auf der Reise dringend auslassen sollten.

Meistbewertete Sehenswürdigkeiten sind Ziele, für die es viel Geduld braucht: Barcelona, und die Sagrada Família im Speziellen, wird von Besuchermassen heimgesucht.
Meistbewertete Sehenswürdigkeiten sind Ziele, für die es viel Geduld braucht: Barcelona, und die Sagrada Família im Speziellen, wird von Besuchermassen heimgesucht.
(c) imago/suedraumfoto

Die Internetseite Trip Advisor hat längst den Status von Wikipedia erreicht. Kaum ein Reisender kommt ohne sie aus. Laut ihrer Jahresbilanz trägt die Website inzwischen eine halbe Milliarde Bewertungen zu mehr als 7,3 Millionen Unterkünften, Airlines, Attraktionen und Lokalen in sich. Aktivste Rezensenten sind übrigens die Japaner, am öftesten bewertet wird London.

Eine mir vertraute Sehenswürdigkeit liegt in ihrer Kategorie mit 30.000 Bewertungen vorn, klar, dass man dringend von ihr abraten muss: die Sagrada Família in Barcelona. 2015, bei meinem letzten Besuch, wand sich die Menschenschlange einmal rund um die Kirche. Ich aß gegenüber eine Tortilla und blickte nachdenklich von außen auf Gaudís Werk. Auch in die Bäckerei Pastéis de Belém in Lissabon würde ich gern wieder rein, doch sicher nicht mehr im 21. Jahrhundert. Unter allen Trip Advisor-Lokalen liegt sie mit 10.000 Erfahrungsberichten in Führung. In Deutschland führt das Hofbräuhaus. Ferner erfuhr ich, dass ich das Hard Rock Hotel in Punta Cana (meiste Bewertungen weltweit) niemals buchen soll. Fällt mir leicht, da ich mich von „Hard Rock“-Institutionen instinktiv fernhalte.

Vor zwei Jahren kam Trip Advisor in Verruf, nachdem italienische Journalisten ein Ristorante namens La Scaletta in Moniga del Garda erfunden hatten, das in wenigen Wochen mit nur zehn (durchwegs enthusiastischen) Rezensionen prompt an die Spitze der lokalen Restaurantliste geriet. Zehn Minuten nach der Aufdeckung
des Hoax löschte die Bewertungsseite den erfundenen Eintrag. Peinlich? Mich empören solche Ungenauigkeiten gar nicht. Ein Internetmonster wie
Trip Advisor kann ja unmöglich den Überblick über seine Schäfchen behalten. Und wäre nicht jeder User, der das Herumgeposte der Mitkonsumenten wörtlich nimmt, ein hoffnungsloser Idiot? Das Problem liegt eher am monopolistischen Status der Seite. Ich brauche sie, aber ich wünsche ihr Konkurrenz.

Das Land mit den wenigsten Bewertungen auf Trip Advisor ist übrigens Eritrea. Nur neun Stück! Nichts wie hin!

amanshauser.at

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