Amanshausers Album: "Schaffner sein, des war einmal was"

47 - Ab den 1970er-Jahren fuhr man schaffnerlos, im 21. Jahrhundert fährt man fahrerlos durch Wien.

In den vergangenen Jahrzehnten dachte man noch, dass ohne Fahrer am Führerstand nichts geht. Doch die U5 soll ganz ohne sie unterwegs sein.
In den vergangenen Jahrzehnten dachte man noch, dass ohne Fahrer am Führerstand nichts geht. Doch die U5 soll ganz ohne sie unterwegs sein.
In den vergangenen Jahrzehnten dachte man noch, dass ohne Fahrer am Führerstand nichts geht. Doch die U5 soll ganz ohne sie unterwegs sein. – Imago

Als ich in den 1990er-Jahren nach Wien kam, gab es auf den roten Straßenbahnen keine Werbung aber an der Außenseite der Waggons blau-weiße Aufkleber: "Schaffnerlos". Dies zeigte an, dass man da drin keinen Fahrschein mehr von lebendigen, entlohnten Mitarbeitern erhielt. Zwei weitere Jahrzehnte noch fuhren Garnituren mit Schaffnerhocker durch die Stadt. Es war ebenso verboten wie populär, sich auf den verwaisten Platz des ausgestorbenen Berufs zu setzen.

Ursprünglich hatte eine männliche Dreieinigkeit den öffentlichen Verkehr regiert: Fahrer Schaffner Kontrolleur oder, wie es in Wien hieß, Kontrollor. Letzterer trat auf, um Stichproben zu machen, er kontrollierte die Qualität des Systems, also nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Schaffner, zu deren Aufgabenbereich es ja zählte, alle Passagiere mit Billetts zu versehen. Ab 2024 soll das erste öffentliche Verkehrsmittel ohne Fahrer an Bord abfahren. "Schaffner sein, des war einmal was, die Zeit ist vorbei, heut fahrt man schaffnerlos", sang Wolfgang Ambros.

1978 bald kann man "Fahrer" in den Song einsetzen, die nächste untergehende Berufsgruppe. Die Dreieinigkeit ist weg, die U-Bahn-Linie U5 wird ja keine Schaffner an Bord haben, und Kontrolleure ebenfalls kaum, im 21. Jahrhundert wird in Planquadrat- Aktionen außerhalb der Garnituren kontrolliert.

Mit der Abschaffung des Fahrers vollzieht sich der letzte Schritt zum Futurismus, den man Gegenwart nennt. Die Verkehrsbetriebe haben sich aus ihren eigenen Fahrzeugen, so sie noch ihnen gehören (Cross-Border-Leasing), vollständig zurückgezogen. Sind wir Fahrgäste dann allein? Nicht im Geringsten! Auf Bahnsteigen und in Stationen hoppelt ja schon jetzt eine Horde Securitys herum, einige von ihnen merkwürdige Vögel Problemlöser, die ihre eigenen Probleme durch die Stadt zu tragen scheinen. Vor einigen Jahren versicherten die Wiener Linien allerdings, dass auch in fahrerlosen U5-Zügen Mitarbeiter mitfahren werden. Ein Gewerkschafter fragte daraufhin lapidar: "Ja, aber warum macht man's dann überhaupt?"

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