In der Arena

Türkei: Das Wrestling der Kamele

Während andernorts Stiere oder Hähne aufeinander losgelassen werden, treten in der Türkei traditionell Kampf-Kamele gegeneinander an – nicht gerade zur Freude von Tierschützern. Eine Reise in die Arena von Selcuk.

Wild schnaubend werfen sich zwei Kamele aufeinander, die zottigen Hälse vorgereckt, die bunten Höcker mit bestickten Überwürfen bedeckt, während ihnen vor Aufregung der Speichel aus den Mäulern läuft. Mit aller Kraft versuchen die beiden braunen Trampeltiere, ihren Gegner niederzuringen, ihm die Beine wegzubeißen und ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Nach kurzem Kampf gelingt es einem der Tiere, seinen Gegner in die Knie zu zwingen und unter dem Rufen der Zuschauer in den Staub der Arena zu werfen. Sieg. 

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Mehr als 2000 Menschen, Männer zumeist, drängen sich um den Wettkampfplatz in Selcuk, nicht weit von der türkischen Ägäisküste entfernt. Sie pflegen eine Tradition, die bis auf die Epoche der Yörük zurückgeht, ein kriegerisches Nomadenvolk, das im 11. Jahrhundert nach Anatolien kam. Der erste offizielle Wettkampf in der Region von Selcuk wurde in den 1830er-Jahren organisiert, doch reicht die Tradition der Kamelkämpfe noch viel weiter zurück.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Zunächst hätten Händler in den Karawansereien Kämpfe zwischen den Kamelen veranstaltet, die sie zum Transport ihrer Waren ans Mittelmeer verwendeten, erzählt der Soziologe Devrim Ertürk von der Universität in Selcuk, der selbst zwei Kamele besitzt. Heute würden während der Wintersaison, wenn die Bauern keine Arbeit auf den Feldern haben, knapp 90 Kämpfe an der Ägäisküste zwischen Antalya im Süden und Canakkale im Nordwesten organisiert.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

In Selcuk sitzen die Zuschauer um kleine Tischchen gruppiert, auf denen sie ihr Picknick ausgebreitet haben. Vor Beginn des Festivals rezitieren alle gemeinsam Verse des Korans, doch zur gebratenen Kamelwurst gibt es trotz des Alkoholverbots im Islam Raki, einen starken Anisschnaps. "Mein Vater und mein Großvater hatten Kamele, es ist eine alte Tradition", sagt Abdullah Altintas, der mit seiner Frau Nilgün gekommen ist. Er selbst habe leider keine Tiere, doch verfolge er alle Kämpfe.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

Tierschutzaktivisten fordern immer wieder ein Ende der Kämpfe, da sie eine Qual für die Kamele seien. Die Organisatoren versichern aber, dass alles zum Schutz der Tiere getan werde. So werde ihnen das Maul zugebunden, damit sie sich nicht beißen können. "Für die Kamelbesitzer sind ihre Kamele sehr wertvoll, sie tun alles, damit ihnen nichts passiert", versichert der Soziologe Ertürk. Viele gäben ihren Tieren gar die Namen ihrer eigenen Kinder.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Am ersten Tag des Festivals gibt es einen Schönheitswettbewerb, zu dem die Kamele geschmückt mit bunten Girlanden, türkischen Flaggen und Überwürfen mit ihrem Namen vor einer Jury antreten. Auch Kara Elmas, zu Deutsch Schwarzer Diamant, war dabei. Sein Besitzer Erol Bilgin präsentiert das Tier stolz und beschreibt es als "ruhig, respektvoll und sensibel". Mit seinem zottigen Liebling ist Bilgin aus der Provinz Mugla weiter südlich angereist.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

Den Schönheitswettbewerb am ersten Tag hat Kara Elmas zwar nicht gewonnen, doch nun hofft Bilgin auf den Wettkampf. "Wir sind von weit her gekommen, daher ist er etwas aufgeregt", erzählt Bilgin. "Er weiß, was ihn erwartet." Insgesamt 124 Kamele treten in Selcuk gegeneinander an. Einen Preis gibt es für den Gewinner nicht, doch für die Besitzer ist es eine Frage der Ehre.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Als Kara Elmas aufgerufen wird, führt Bilgin ihn in der Arena an den Zuschauerrängen entlang, bevor er das Kamel vor seinem Gegner zum Stehen bringt. Als die beiden Trampeltiere losgelassen werden, stürzen sie sich aufeinander und zwingen einander mehrfach in die Knie. Umwerfen können sie sich aber nicht. Patt. Für Bilgin ist es trotzdem ein großer Erfolg. "Ich bin so bewegt, wirklich stolz", sagt er und krault sein Kamel am Hals. "Er hat sich so toll geschlagen, weit besser, als ich erwartet habe."

(c) REUTERS (Murad Sezer)
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Wild schnaubend werfen sich zwei Kamele aufeinander, die zottigen Hälse vorgereckt, die bunten Höcker mit bestickten Überwürfen bedeckt, während ihnen vor Aufregung der Speichel aus den Mäulern läuft. Mit aller Kraft versuchen die beiden braunen Trampeltiere, ihren Gegner niederzuringen, ihm die Beine wegzubeißen und ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Nach kurzem Kampf gelingt es einem der Tiere, seinen Gegner in die Knie zu zwingen und unter dem Rufen der Zuschauer in den Staub der Arena zu werfen. Sieg. 

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Mehr als 2000 Menschen, Männer zumeist, drängen sich um den Wettkampfplatz in Selcuk, nicht weit von der türkischen Ägäisküste entfernt. Sie pflegen eine Tradition, die bis auf die Epoche der Yörük zurückgeht, ein kriegerisches Nomadenvolk, das im 11. Jahrhundert nach Anatolien kam. Der erste offizielle Wettkampf in der Region von Selcuk wurde in den 1830er-Jahren organisiert, doch reicht die Tradition der Kamelkämpfe noch viel weiter zurück.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Zunächst hätten Händler in den Karawansereien Kämpfe zwischen den Kamelen veranstaltet, die sie zum Transport ihrer Waren ans Mittelmeer verwendeten, erzählt der Soziologe Devrim Ertürk von der Universität in Selcuk, der selbst zwei Kamele besitzt. Heute würden während der Wintersaison, wenn die Bauern keine Arbeit auf den Feldern haben, knapp 90 Kämpfe an der Ägäisküste zwischen Antalya im Süden und Canakkale im Nordwesten organisiert.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

In Selcuk sitzen die Zuschauer um kleine Tischchen gruppiert, auf denen sie ihr Picknick ausgebreitet haben. Vor Beginn des Festivals rezitieren alle gemeinsam Verse des Korans, doch zur gebratenen Kamelwurst gibt es trotz des Alkoholverbots im Islam Raki, einen starken Anisschnaps. "Mein Vater und mein Großvater hatten Kamele, es ist eine alte Tradition", sagt Abdullah Altintas, der mit seiner Frau Nilgün gekommen ist. Er selbst habe leider keine Tiere, doch verfolge er alle Kämpfe.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

Tierschutzaktivisten fordern immer wieder ein Ende der Kämpfe, da sie eine Qual für die Kamele seien. Die Organisatoren versichern aber, dass alles zum Schutz der Tiere getan werde. So werde ihnen das Maul zugebunden, damit sie sich nicht beißen können. "Für die Kamelbesitzer sind ihre Kamele sehr wertvoll, sie tun alles, damit ihnen nichts passiert", versichert der Soziologe Ertürk. Viele gäben ihren Tieren gar die Namen ihrer eigenen Kinder.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Am ersten Tag des Festivals gibt es einen Schönheitswettbewerb, zu dem die Kamele geschmückt mit bunten Girlanden, türkischen Flaggen und Überwürfen mit ihrem Namen vor einer Jury antreten. Auch Kara Elmas, zu Deutsch Schwarzer Diamant, war dabei. Sein Besitzer Erol Bilgin präsentiert das Tier stolz und beschreibt es als "ruhig, respektvoll und sensibel". Mit seinem zottigen Liebling ist Bilgin aus der Provinz Mugla weiter südlich angereist.

(c) REUTERS (Murad Sezer)

Den Schönheitswettbewerb am ersten Tag hat Kara Elmas zwar nicht gewonnen, doch nun hofft Bilgin auf den Wettkampf. "Wir sind von weit her gekommen, daher ist er etwas aufgeregt", erzählt Bilgin. "Er weiß, was ihn erwartet." Insgesamt 124 Kamele treten in Selcuk gegeneinander an. Einen Preis gibt es für den Gewinner nicht, doch für die Besitzer ist es eine Frage der Ehre.

(c) Getty Images (Chris McGrath)

Als Kara Elmas aufgerufen wird, führt Bilgin ihn in der Arena an den Zuschauerrängen entlang, bevor er das Kamel vor seinem Gegner zum Stehen bringt. Als die beiden Trampeltiere losgelassen werden, stürzen sie sich aufeinander und zwingen einander mehrfach in die Knie. Umwerfen können sie sich aber nicht. Patt. Für Bilgin ist es trotzdem ein großer Erfolg. "Ich bin so bewegt, wirklich stolz", sagt er und krault sein Kamel am Hals. "Er hat sich so toll geschlagen, weit besser, als ich erwartet habe."

(c) REUTERS (Murad Sezer)
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