Naxos, die Größte unter den Kykladen

Auf der Insel Naxos steht das Wesentliche felsenfest: Portara und Pyrgos, Kouros und Marmorberge. Schroffer der Norden, sanfter und weitläufiger die Sandstrände im Süden, kantig die Architektur.

Die Badeplätze im Süden, hier Pirgaki: ewig lange Sandstrände.
Die Badeplätze im Süden, hier Pirgaki: ewig lange Sandstrände.
Die Badeplätze im Süden, hier Pirgaki: ewig lange Sandstrände. – Tom Busch

Der Wind fährt leise durch die Blätter. In Melanes ist alles grün. Eine nahe Quelle versorgt die Erde mit Wasser. Tafeln zeigen, dass hier einst ein Aquädukt das kostbare Wasser über elf Kilometer bis zum größten Ort von Naxos geleitet hat. Schlendert man weiter, vom Garten von Flerio auf die Macchia-Hügel, durch die Tore für die Ziegen und deren heiteres Gebimmel hindurch, steht man bald vor einer überwältigenden Aussicht: Berge ziehen sich ins Bild, darunter erstrecken sich Felder mit viel Gebüsch und manch Olivenbaum. Auf der rötlichen Erde hat sich ein Kouros ausgestreckt. Seine Füße hat er neben sich abgestellt. Er ist unvollendet, was seinem Stolz aber keinen Abbruch tut. Der Sieben-Tonnen-Koloss ist der Kouros von Farangi, erschaffen in den antiken Steinbrüchen von Melanes (siehe Bericht unten), in denen einst auch ein Neun-Meter-Koloss aus dem Stein gehauen wurde. Archäologen fanden Hinweise, dass hier Marmor schon im dritten Jahrtausend vor Christus entnommen wurde.

Wenn man nun den Blick von den nackten Gestalten wieder erhebt, hinauf zu den Bergen, dann hat man es direkt vor sich, das kostbarste Gestein der Antike: gigantische Quader, die stufenförmig am Berghang kleben, wie gleich gegenüber bei Kinidaros, wo heute noch abgebaut wird. Vorbei an den Steinbrüchen führt die Straße weiter durch das Bergdorf Moni, hinauf zur Drosiani. Wieder legt sich heitere Ruhe über die Szenerie. Unter Pinien dösen Katzen. Am Aufgang zur Kirche haben Frauen aus dem Dorf Selbstgehäkeltes zum Verkauf ausgebreitet. Die kleine Kirche ist die Reise wert. Das ursprünglich wirkende Ensemble, zum Teil aus unverputzten Lesesteinen errichtet, deckt mit seinen vier Bauten alle Epochen vom sechsten bis ins zwölfte Jahrhundert ab. Gilt Naxos mit seinen freskenreichen Kirchen als byzantinische Pinakothek der Ägäis, stellt die Panagia Drosiani das Meisterwerk dar. Ihre Malereien wie die Christus-Bildnisse in der Kuppel gehören zu den bedeutendsten in ganz Griechenland.

Die gebirgige Gegend im Norden
Die gebirgige Gegend im Norden
Die gebirgige Gegend im Norden – Tom Busch

80 Tonnen Präsenz

Der Straße nordwärts folgend reist man auf einer der schönsten Routen auf der größten Insel der Kykladen. Weiße Dörfer liegen in den Einschnitten der bis zu 1000 Meter hoch reichenden Gebirge, wie hingetupft immer wieder kleine Kirchen als Akzent. Mitunter ragt ein Pyrgos über die Landschaft auf – venezianische Wohntürme des späten Mittelalters. Die robusten Landsitze der Adelsfamilien, die sich nach der Eroberung durch den Venezianer Marco Sanudo auf der Insel niederließen, gleichen Wehrtürmen. Angekommen im Küstenort Apollonas öffnet sich der Blick auf die Ägäis. Doch wendet man sich zurück und klettert über Steinstufen die Anhöhe hinauf, stößt man auf den dritten Mann: den Kouros von Apollonas. Offen unter freiem Himmel, halb am Hang aufragend und das Haupt erhoben. Und das seit mehr als 2000Jahren! Der größte Kouros von Naxos misst über zehn Meter und an die 80 Tonnen, Imposanz, die sprachlos macht. Still in der Zeit liegt er hier.

Gedankenverloren führt die Reise weiter. Wieder sitzt ein Pyrgos auf einem Hügel in der bergigen Landschaft, 200 Meter über der nördlichen Westküste: der Pyrgos Agias, ein dreigeschoßiger Wach- und Wehrturm aus dem 17. Jahrhundert. Auch Naxos Küstenland manifestiert den Eindruck des schroffen Charakters des nördlichen Inselteils – gerade im Vergleich mit der in Sichtweite liegenden, sanften Hügeligkeit von Paros mit seinen abgerundeten Häuserlinien. Nein, Naxos zeigt gerade Kanten, von den Wehrzinnen bis zu den Hausdächern. Naxos macht eben nicht viele Worte. Pyrgos, Kouros und Marmorberge. Das Wesentliche steht fest. Felsenfest.

Genau wie das Eingangstor zur Stadt. Das Tempeltor erhebt sich auf der Halbinsel seitlich des Haupthafens der Stadt. Die Portara besteht aus zwei tonnenschweren Marmorträgern und einem kolossalen Türsturz und war im sechsten Jahrhundert vor Christus als Tor für den Tempel des Apollon vorgesehen. In ihrer Unvollendung ist die Portara das charaktervollste Wahrzeichen von Naxos. Gegenüber thront die von den Venezianern errichtete Burganlage auf dem Stadthügel. Darunter zieht sich die Chora mit ihren engen Gassen, Tavernen und Shops. Bis zur Hafenpromenade hinunter reichen Gastronomie und Geschäftigkeit.

Mitten in Chora
Mitten in Chora
Mitten in Chora – Tom Busch

Gute Küche, stylishe Bauten

In den Süden von Naxos geht es über einen Damm, der die große Hafenbucht vom Naturpark Limnothalassa trennt. Surfer lassen die Boards über die flachen Uferwellen fliegen. Bald ist der erste, lange Sandstrand in Sicht: der Agios Prokopios, der zum nächsten nach Agia Anna weiterleitet. Maria Kapris ist hier aufgewachsen und seit Generationen hier verwurzelt. Die Kapris sind auf Naxos gut bekannt: Die Familie aus Agia Anna führt eines der ältesten Restaurants, die Taverne Gorgona, die ihr Vater zigmal umgebaut und dabei jedes Mal erweitert hat. Nun können hier drei Hochzeiten zur selben Zeit stattfinden – griechische Hochzeiten mit über 1000 Gästen. Gereicht wird authentische, regionale Küche. Die fruchtbare Insel bringt reichlich Obst, Gemüse und Getreide hervor, vor allem gute Tomaten, Gurken und Bergkäse, Kefalotiri und Graviera.

Den Innovationsgeist ihres Vaters hat Maria vererbt bekommen: Nahe beim Agios Prokopios führt sie das neue Designhighlight von Naxos, ein exzellent konzipiertes Boutiquehotel, das die reiche Natur der Insel im Ambiente widerspiegelt. Getreideähren und Weinlaub kontrastieren das Kykladenweiß. Olivenbäume erheben sich über Marmorkies. Das Blau des Dachpools fließt ins Ägäisblau ein. Dazu der Blick auf einen der schönsten Strände der Insel: Agios Prokopios zieht sich mit seinem weißen Sand einen Kilometer lang. Und er bildet nur den Auftakt zu einer endlosen Reihe traumhafter Sandstrände, die bis ganz in den Süden hinunter reichen. Hier ist nichts mehr schroff, nichts karg, sondern von weichem Sand und einem Seewasser, das mit seiner Transparenz den Badenden einhüllt. Dass Naxos eine weiche Seite hat, wird in seinem Süden deutlich, wo die Ägäis sich in sanften Kurven ans Land legt – und die Insel verführerisch macht.

NAXOS-TIPPS

Hinkommen: Seajets laufen Naxos in der Hochsaison mehrmals täglich an. Die schnelle Fährverbindung mit Piräus, Mykonos, Santorin und anderen Kykladeninseln. www.seajets.gr

Wohnen: Perfekt als Ausgangspunkt für Ausflüge liegt das neue Boutiquehotel 18 Grapes oberhalb des Prachtstrands Agios Prokopios. Edel konzipiertes Suitenhotel, Hide-away für Interior-Design-Fans. Acht Suiten mit Meerblick, mit Jacuzzi oder privaten Pools sind in Weiß gehalten. 18 Luxussuiten, Frühstück am Pool, Pool-Rooftop-Bar, Inhouse-Dining, Concierge-Service. www.18grapes.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2019)

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