Grado – Sommerfrische wie damals

Vom Flair der Donaumonarchie, dem Reiz des „Sandbads“ und starken Frauen: Unterhaltsam erforscht das Buch „Gusto auf Grado“ die Geschichte des Seebads.

Noch immer gehört Grado zu den beliebtesten Urlaubszielen der Österreicher.
Noch immer gehört Grado zu den beliebtesten Urlaubszielen der Österreicher.
Noch immer gehört Grado zu den beliebtesten Urlaubszielen der Österreicher. – (c) imago/Westend61 (imago stock&people)

Wien. Die „Neue Freie Presse“ wusste schon in der Anfangszeit des noch kleinen Badeortes an der Adria, dass Grado eine große Zukunft für Erholungssuchende aus Wien hat: Wer ans Meer wolle, für den „ist unser heimatliches Seebad Grado wie geschaffen“, schrieb die Zeitung im Jahr 1894. „Großartige Badeanstalten“, ein „einzigartiger Dünenstrand“ sowie „die Fluth mit ihrem belebenden Salzathem“ – das mache die Vorzüge Grados aus. Nur zwei Jahrzehnte später war das Seebad zu einem der beliebtesten Sommerfrische-Orte der Donaumonarchie geworden: 14.200 Gäste hatten im Jahr 1914 das Seebad besucht – bis im Juli der Krieg ausbrach.

Noch immer hat Grado dieses Flair der untergegangenen Monarchie, den Charme eines Seebades aus der Habsburgerzeit mit alten Villen und bunten Kabanen. Und noch immer gehört Grado zu den beliebtesten Urlaubszielen der Österreicher, die ab dem Frühsommer in dem einstigen Fischerstädtchen die ersten Sonnenstrahlen genießen. Das Autorenduo Andreas Schwarz und Martha Brinek, selbst begeisterte Grado-Urlauber, hat sich auf Spurensuche begeben und erzählt im Buch „Gusto auf Grado“ Geschichten, Anekdoten und Details. Andreas Schwarz, der viele Jahre als Ressortleiter der Innen- und Außenpolitik der „Presse“ tätig war, und Martha Brinek, Sprecherin im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, haben mit vielen Grado-Begeisterten gesprochen, aber auch die Geschichte der traditionsreichen Hotels und deren schrulliger Eigentümer recherchiert.

Der erste Absatz des ersten Kapitels ist dem mittlerweile verstorbenen Burgtheater-Schauspieler Peter Matić gewidmet, der seit Kindheitstagen immer wieder begeistert nach Grado reiste. Der Kärntner Schriftsteller Egyd Gstättner kommt zu Wort, der völlig vergessene Akteure der Gradeser Hotellerieszene der Jahrhundertwende aus der Versenkung holte, wie Josef Maria Auchentaller, Künstler der Wiener Secession: Er gab seine Karriere in Wien an der Seite von Klimt und Hoffmann auf und beugte sich dem Wunsch seiner Gattin, die sich ein Hotel in Grado in den Kopf gesetzt hatte.

Immer wieder waren es starke, unbeugsame Frauen, die die Geschichte des Seebades wesentlich prägten: Emma Auchentaller mit ihrer Pension Fortino; die Schwestern Lo und Mitzi – die Bucklige und die Hinkende –, die die Villa Bianchi zum Sommerziel für Adel und Bürgertum machten, oder Hanni Schöffmann, die Gastwirtstochter vom Ossiacher See, die es mit ihrem Mann an die Adria verschlug und die das ehrwürdige Hotel Villa Reale gründete.

Verbuddelt im Sand

„Gusto auf Grado“ bleibt aber nicht in der Zeit der Donaumonarchie hängen, auch wenn diese untrennbar mit Geschichte und Architektur des Seebads verbunden ist. Nach den harten Zeiten der beiden Weltkriege wurde Grado rasch wieder populär. Pier Paolo Pasolini drehte in der Lagune den Film „Medea“ mit Maria Callas in der Hauptrolle. In den 1970er- Jahren war das „Sandbad“ populär. Man ließ sich im 65 Grad heißen Sand für sechs bis zwölf Minuten verbuddeln, um so Schmerzen nach Verkehrsunfällen oder Sportverletzungen zu kurieren. Besonders italienische Fußballstars sprachen auf diese Therapie im „Saint Tropez der Oberen Adria“ an.

Den Abschluss des schön gemachten Buches bildet ein Rezeptteil: Die Chefin der legendären Villa Reale – dort, wo einst Hanni Schöffmann den Kochlöffel geschwungen und vor allem Süßspeisen gezaubert hat – hat einige Geheimnisse aus dem Kochbuch ihrer Oma preisgegeben. (zoe)

Andreas Schwarz, Martha Brinek: „Gusto auf Grado“ Amalthea Verlag, 256 Seiten, 15 Euro
Andreas Schwarz, Martha Brinek: „Gusto auf Grado“ Amalthea Verlag, 256 Seiten, 15 Euro
Andreas Schwarz, Martha Brinek: „Gusto auf Grado“ Amalthea Verlag, 256 Seiten, 15 Euro – (c) Beigestellt

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Grado – Sommerfrische wie damals

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.