Zu Fuß und per Boot

Ans Meer schlendern, in den Gassen flanieren, in der Lagune gondeln. Grado ist ein Urlaubsziel der kurzen Wege.

Gezeichnet von Salzwasser, mit dicken Netzen an Deck: Fischerboote am Kanal Richtung Lagune.
Gezeichnet von Salzwasser, mit dicken Netzen an Deck: Fischerboote am Kanal Richtung Lagune.
Gezeichnet von Salzwasser, mit dicken Netzen an Deck: Fischerboote am Kanal Richtung Lagune. – (c) FVG/ Grado

Im Feinkostladen steht eine Confettura Austriaca, eine österreichische Marmelade im Regal, der Schnapsbrenner in Aquileia bietet einen kaiserlichen Grappa mit dem Konterfei von Franz Joseph feil, im nahen Brazzano di Cormòns wird jeden August dessen Geburtstag gefeiert: Schwingt da ein wenig Nostalgie mit, Sehnsucht nach vermeintlich guten alten Zeiten? Die Beziehung Grados zu den Österreichern ist eine lange und innige, speziell was die Sommerfrische betrifft. Und diese Beziehung pflegen die Österreicher genauso. Nicht nur wegen der endlosen und sauber rausgeputzten Strände, die ganz sanft ins Meer führen (ideal für Familien), was Grado außerdem so reizvoll macht, ist die sehr spezielle Lage.

Als einziger der bestens etablierten Adria-Urlaubsorte zwischen Venedig und Triest bietet er Insel-Feeling, ist über einen schmalen, gut fünf Kilometer langen Damm erreichbar, der auf dem Weg von der Autobahn zum Ziel kurz hinter Aquileia die Lagune von Grado quert. Und: Man kann das Auto stehen lassen, man braucht kein Taxi, kaum einen Bus, es geht sich alles zu Fuß aus.

Spazieren an den Strand, in die Stadt

Wer in Grado logiert, hat zum Beispiel maximal ein paar Gehminuten zum Strand, der sich von der Spiaggia Principale bis nach Grado Pineta ausbreitet, mit einem Zuschlag auf der Westseite in Form der Spiaggia Costa Azzurra. Neuerdings ist das Strandleben noch vielfältiger: mit Settimo Cielo, wo Fischspezialitäten und friulanische Weine serviert werden, mit dem Baby Beach und dem Lido di Fido, dem Strandabschnitt für Hundebesitzer. Fürs standesgemäße Flanieren nach dem Tag am Strand muss auch keiner weit gehen. Die Fußgängerzone zwischen Piazza San Marco und Piazza Duca d'Aosta teilt sich ziemlich gerecht in zwei Teile auf: einen Bereich mit konventionellen Einkaufspromenaden, gut bestückt mit Boutiquen, Souvenirläden, Eisständen und Café-Bars und einen Abschnitt hinter der Basilica di Santa Eufemia. Die engen, dunklen Gassen dort wirken venezianisch (ohne Kanäle), man passiert historische Häuser, sieht winzige Plätze mit Kunstgeschäften und Bars mit Wohnzimmeratmosphäre. Auf der weiten Piazza Duca d'Aosta ist dann wieder Adria-Urlaubsfeeling angesagt, da eine Pizzeria, hier eine Gelateria, dort die schlichte Halle mit dem Mercato Coperto di Grado, wo sich auf den Regalen regionale Produkte stapeln − Aceto, Grappa, Prosciutto.

Eine andere Seite Grados versteckt sich ein kleines Stück nördlich, jenseits der Piazza XXVI Maggio, entlang des schmalen Kanals Richtung Lagune. Auf beiden Seiten liegen Fischerboote, gezeichnet vom Salzwasser und mit dicken Netzen an Deck. Ganz hinten hat die Kooperative der Fischer von Grado ihren Sitz, sie betreibt das Fischrestaurant Zero Miglia nebenan – ein beliebtes Ziel vieler, die gern etwas mehr für gute Fischgerichte ausgeben.

Über die Via Trieste kommt man dann zur Spitze der Landzunge Grados, sie mündet in den Jachthafen und grenzt an die Spiaggia Azzurra. Von dort ist es nur ein kurzer Abstecher zum Banco d'Orio, einer unbewirtschafteten Sandbank in der Lagune mit einem endlos langen Strand, vor allem bei Einheimischen beliebt – und nur mit dem Boot erreichbar.

Zu feinem Essen schippern

Die Lagune (auch jene von Marano) ist ein faszinierendes Kontrastprogramm zum Strand-Urlaubsleben. Die vielen Sandbänke und die kleinen Inseln mit den Casoni, alten Hütten, wirken wie eine archaische Welt. Einst Schutzhütten für die Fischer, sind die Casoni heute meist private Freizeitsitze und oft auch Ziel organisierter Ausflüge, bei denen klassisch aufgekocht wird, zum Beispiel Boreto. Früher bereiteten die Fischer aus den Resten des Fangs die Mahlzeit zu, sie wird mit Knoblauch, Öl, Weißweinessig und Pfeffer in einem großen Topf geschmort und und mit Polenta aus weißem Mais aufgetischt. Ein einfaches Gericht, das für die Qualitäten von Grados Küche steht: frisch und authentisch, regional. Ein anderer guter Platz, um typische Gerichte zu verkosten, ist die Insel Barbana östlich des Damms. Ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur wegen Idyll und Historie, sondern auch wegen diverser Ristorante, die für ihre tollen Fischgericht bekannt sind. Von Grado aus gibt es gute Schiffsverbindungen, man erkennt die Insel gut am hellen Turm der Wallfahrtskirche Santa Maria di Barbana und am Kloster des Franziskanerordens nebenan.

Mit dem Rad zu den Römern

Und sollen die Kreise um Grado doch einmal etwas weiter gezogen werden, braucht es auch kein Auto, die Radwege entlang der Lagune und nordwärts bis Aquileia und Palmanova sind gut in Schuss. Die Ausgrabungen der alten Römerstadt Aquileia zum Beispiel lassen sich radelnd gut erreichen, mit einem Stopp in der feinen Pasticceria Mosaico ein ideales Ziel für nicht ganz so sonnige Tage. Ein anderer lohnenswerter Ausflug, neu auf der Landkarte, ist Al Granaio, wenige Kilometer östlich von Grado in San Lorenzio di Fiumicello gelegen. Dort haben Marco und Romina Marsoni, die viele Jahre in Grado ein Ristorante führten und eigentlich aus Venedig kommen, einen alten Bauernhof gediegen restauriert und einen bezaubernden Ort geschaffen. Ihre Küche ist ein kreativer Mix aus Tradition und Moderne, mit Gemüse und Kräutern aus eigenem Anbau. Verkostungstipp: die lokale Spezialität Toc' in Braide, eine Vorspeise aus Polenta mit einer Creme aus Käse, am besten friulanischem Montasio. Eine ideale Belohnung für hungrige Radler.

www.grado.it, www.turismofvg.it/Ort/Grado

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2019)

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