Hängematte, Zikadenmusik, Griller mit Fisch

Ein altes, einfaches Fischerhäuschen in einer einsamen Bucht, abgeschnitten von den Segnungen des Tourismus. Die Besitzer verwandelten den Platz im Südosten der Insel Brač in ein Robinson-artiges Idyll.

Roman Schleser

Eigentlich sollte man einen Ort wie diesen gar nicht verraten: die Studena Bucht im Süden der dalmatinischen Insel Brač. Sie ist abgelegen, keine Straße, kein Weg führt hin, und meistens ist sie menschenleer. Schon beim Ankommen mit dem Transportboot der Vermieter merkt man, dass man hier besondere Ferien erleben wird. Robinson-Ferien eben.

Das ehemalige Fischerhaus von Kole Ursics Vater ist eines der einzigen drei kleinen Gebäude in der ganzen Bucht. Vor einigen Jahren hatten Kole und seine Frau, Irena, es Schritt für Schritt renoviert, modernisiert und so gestaltet, dass es nun für Urlauber, die weitgehend Einsamkeit und Ruhe im Selbstversorgermodus suchen, ein perfekter Ort ist, den man mieten kann. Viel braucht der Gast nicht: In dem kleinen Haus gibt es eine Wohnküche mit Propangasherd, ein hübsches Schlafzimmer, ein neu gefliestes Bad mit Warmwasser und einer Komfortdusche. Ja, es gibt auch W-LAN (doch man braucht es nicht). Rund ums Haus haben die Ursics mehrere Steinterrassen angelegt, Plätze für Schatten wie für ganztags Sonne. Stunden verbringt man in der Hängematte, den gepolsterten Liegestühle und -sesseln. Im großen Außenkamin liegt reichlich geschnittenes Brennholz bereit – für die Grillerei, die man am großzügigen Essplatz verspeist. Der Bootssteg wurde vor Kurzem so erweitert, dass er nun auch als Badeterrasse genutzt werden kann.

Kleine Ausflüge mit dem Boot

Am Steg liegt ein kleines Boot (zu mieten) mit einem sechs PS starken Außenbordmotor im Wasser, es wäre ein Katzensprung in den nächsten Ort, wenn man sich von hier loseisen könnte: Sumartin liegt drei Kilometer von der Bucht-Robinsonade entfernt, hat 350 Einwohner und kaum Touristen, bietet aber alles an Lebens- und Grundversorgungsmittel, die man für die Urlaubszeit benötigt. Und weil man schon einmal mit dem Boot unterwegs ist, fährt man auch weitere Buchten ab – und wird dort zum Beispiel eine Konoba mit ihren typisch kroatischen Gerichten entdecken. Falls man sein Auto in Sumartin abgestellt hat, lassen sich weitere Kreise ziehen, etwa zu einer Verkostung auf einem der Weingüter, oder vielleicht zum touristischen Hotspot von Brač, dem Zlatni Rat (Goldenen Horn) in Bol im Süden, einer Landzunge aus Sand, die weit ins Meer hineinragt und sich je nach Strömung verändert.

Aber die meiste Zeit bleibt man gern bei dem kleinen Haus, der Hängematte und dem Steg mit dem schaukelnden Boot. Der große Luxus von Koles altem Fischerhaus ist ja die Lage, die Sicht auf und in die Bucht, das türkis-blau schimmernde Meerwasser. Selten stört etwas die Ruhe, abgesehen vom Zirpen der Zikaden, die von neun Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang Musik machen.

Es kann auch schon einmal ein Partyschiff weit draußen auf der breiten Meeresstraße vorbeituckern oder eine organisierte Segel-Community zum Baden in der Bucht ankern. Doch der Trubel dauert nur zwei, drei Stunden, dann drehen die Boote wieder ab, und Stille macht sich wieder breit. Über Nacht ankern meist ein oder zwei Segel- oder Motorjachten, was bei der Größe der Bucht überhaupt nicht stört, manchmal bleibt auch kein einziges Boot da.

Rund ums Haus herrscht pure Natur: Schmetterlinge, schimmernde Käfer, dampfende Macchia. Steigt man durch das weglose Dickicht 20 Minuten steil bergauf, wartet dort oben ein Felsweg, von dem sich ein wunderbarer Ausblick über die ganze Studena-Bucht bietet. Anschließend erreicht man eine Schotterstraße, die dann bald in eine feste Straße mündet – so kann man Sumartin in rund eineinhalb Stunden Fußmarsch erreichen. Oder: könnte, weil man lieber wieder umdreht, in die magische Ruhe des Hauses.

Brač im kleinen

Vor Ort: In Sumartin legt die Fähre von Makarska an. Hier gibt es auch Infrastruktur. Die Südseite der Insel ist gebirgig und relativ ungegliedert. In einer der wenigen Buchten, der Uvala Studena, liegt das kleine, schön adaptierte Fischerhaus von Kole Ursic und seiner Frau, Irena.

robinson-studena.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2019)

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