Est. 2016

In L. A. kauft man Cannabis zwischen feinen Boutiquen auf der Mainstreet. Ausweis nicht vergessen!

Wenn man am Strand von Venice entlangläuft, dringt man durch die gleichen Duftschwaden wie an einem Sommerabend am Wiener Donaukanal: Es riecht nach Cannabis. Einziger Unterschied: Wer in Kalifornien die Rauchware entflammt, tut das seit 2016 legal. Vorbehaltlich, dass vielleicht Rauchen an sich verboten ist, wie in vielen US-Bundesstaaten öffentlich ja schon fast überall. Aber Kiffen steht Erwachsenen ab 21 so frei wie das Feierabend-Bud. „I did not inhale“, windete sich Bill Clinton noch aus der Affäre, als man ihm den Joint aus Teenie-Tagen vorhielt.

Also darf die Ware auch verkauft werden. Wie sieht die Ami-Version holländischer Coffeeshops aus? Die Kette heißt MedMen und wirbt in Hochglanzmagazinen. Was früher in Hinterhöfen oder bei Freunden von Freunden gedealt wurde, wird in hellen, freundlichen Filialen feilgeboten, jene in Venice liegt auf der Hauptstraße. Leider scheitern wir am Eingang, der Ausweis genügt nicht. Der Mann an der Tür legt ein gutes Wort bei der Chefin ein, sie prüft das fürs Joggen eingesteckte Dokument – kein Freischwimmer, aber nicht viel besser – gewissenhaft. „Sorry“, kommt sie zurück, „wir haben strenge Auflagen, wir müssen genau sein.“ Wäre auch dumm, sich das Geschäft zu verhageln.

Staatlich konzessioniertes Cannabis ist im Sunny State ein 7-Mrd.-Dollar-Business. Eine Studie aus Colorado, nach der seit der Legalisierung nicht mehr gekifft wird als zuvor, bremst die Gegner. Es ist Goldgräberzeit. Ein Ende des Versteckspiels und aus dem Untergrund gehobene Steuermillionen auch bei uns? Grün ist die Hoffnung.

timo.voelker@diepresse.com

Nächste Woche: Karl Gaulhofer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2018)

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