Staunender Zufall

Von einem unglaublich bizarren Erlebnis in einem Herrenklo auf Fidschi.

Es war an einem südpazifisch schwülen Septembernachmittag vor vielen Jahren. Ich stand im Herrenklo einer Hotelbar in Suva, der, wie ich fand, potthässlichen Hauptstadt der Fidschiinseln, draußen Nieselregen, der Asphalt schmierig, alle Gebäude taubengrau und der Himmel auch, also hatte ich mit meiner Begleiterin, einer stämmigen Kanadierin, in dieser Bar Zuflucht in Drinks gesucht und stehe nun halt am Klo.

Ein Typ kommt herein und stellt sich neben mich ans Pissoir. Er riecht nach Rauch und sagt irgendetwas auf Englisch, da ist ein deutscher Unterton. Ich schau ihn an. Schau ihn an. Schau ihn noch einmal an, traue meinen Augen kaum und sage: „Ich kenn sie. Sie sind Steirer. Ihre Frau auch. Sie leben in Australien.“Ich kannte sogar seinen Namen und sprach ihn aus. Der Typ war total baff. Ich aber auch! Also gingen wir einen trinken. Wurde noch wild.

Die Sache war ungelogen so: Im Sommer des Jahres zuvor hatte ich, Jusstudent, als Praktikant an der österreichischen Botschaft in Canberra (Australien) gearbeitet. Dabei sandte ich unter anderem stapelweise Pässe, die Auswanderer abgegeben hatten, nachdem sie Aussies oder Kiwis geworden waren, heim an die jeweils zuständigen Ämter.

Zwei Pässe fielen mir besonders auf: Sie waren zusammengeheftet, und die Leute, ein Mann und eine Frau mit schlichten markanten Namen, waren fast die einzigen Steirer (die Pässe gingen meist nach Wien oder Salzburg). So hatte sich das in irgendeinem Neuron im Kopf versteckt – und sprang jäh ins Licht, an jenem schwülen Tag im Klo jener Bar auf Fidschi, wo ich im Zuge einer Weltreise herumhing.

Das war 1992. Bis heute kam mir kein bizarrerer Zufall mehr unter. Ihnen schon?

wolfgang.greber@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2019)

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