Auf Reisen übers Reisen zu lesen?

Drei zeitlose Empfehlungen eines Büchernarren.

Zweifellos bietet uns die zeitgenössische Wunderwelt (oder Dystopie?) der digitalen Zerstreuung viele Anreize, unterwegs nicht zu einem Buch zu greifen. Doch dagegen kann und, meine ich, muss man sich als aufgeklärter Mensch wehren, und ein guter erster Verteidigungsschlag besteht darin, im Urlaub sämtliche Apps der sogenannten sozialen Medien von seinem Telefon zu deinstallieren (denn Gelegenheit macht bekanntlich auch Zeitdiebe).

Nachdem Sie nun vermutlich knapp davorstehen, den hart erarbeiteten und wohl verdienten Sommerurlaub anzutreten, möchte ich Ihnen eine Handvoll jener Bücher übers Reisen empfehlen, die mich besonders geprägt haben. Da wäre zunächst Bruce Chatwins „In Patagonien“, der halb ins Fantastische ragende Bericht der Reise nach Feuerland des jungen Kunstexperten von Sotheby's, der eines Tages beschließt, seinen bequemen Londoner Lebensstil aufzugeben. Seine Komfortzone verließ auch Patrick Leigh Fermor, der 1933 als junger Bursche vom Hoek van Holland aufbrach, um Europa zu durchqueren. Jahre später beschrieb er diese Reise in „Die Zeit der Gaben“; dass er es nicht bis nach Istanbul schaffte, ist völlig egal. Bis nach Afghanistan hingegen gelangten die beiden jungen Schweizer Nicolas Bouvier und Thierry Vernet, die 1953 mit einem Fiat Topolino „in sehr gemächlichem Tempo“, wie Bouvier in seinem Bericht „Die Erfahrung der Welt“ schrieb, über den Balkan, die Türkei und den Iran bis zum Hindukusch fuhren. Was eint all diese Bücher, was fesselt mich an ihnen? Die Neugier, Demut und Ironie, mit der ihre Protagonisten dem Fremden gegenübertreten: So reist es sich richtig, denke ich.

oliver.grimm@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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