Irland: Nur nicht zu nahe an den Rand!

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Happy Hooker heißt das Boot mit leichter Rostnote, das 50 Touristen nach Inis Mór, der größten der drei Aran-Inseln (hier im Bild), bringen wird. Happy Hooker lässt sich übersetzen mit „fröhlichem alten Kahn“, wahlweise auch mit „lustiger Nutte“. Nun ja. Noch ist es harmlos für eine Reise mit achtjährigem Sohn, der kaum Englisch spricht. „Wo fliegen wir hin?“, will er vor der Abreise wissen. „Nach Irland“, antwortet Papa, auf Englisch spreche sich das „Eierländ“ aus. Tim: „Was, ,Eierland‘?“

Text von Geraldine Friedrich

 

Chris Hill Photographic
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An sich ist gegen längere Bootsfahrten, auch mit Kind, nichts einzuwenden. Doch während der Fahrt schaukelt der „fröhliche alte Kahn“ wie besoffen. Weil ihn die Wellen seitlich treffen. Was Achtjährige nicht weiter stört, ist für Erwachsene nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. „Am besten tief atmen und auf den Horizont schauen“, rät Tony, der anderthalb Stunden durchlächelt.

Hier sieht man den Horizont allerdings aus der Warte der Insel Inis Meáin.

Chris Hill Photographic
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Der 49-Jährige stammt aus Dublin und arbeitet auf der Fähre: „Diese Insel ist für mich die schönste“ – und zeigt auf den weiten Sandstrand. Er gehört zur ersten der drei Inseln. „Inis Oirr, man nennt sie auch die goldene, weil der Sand in der Sonne leuchtet.“ (im Bild) Dort fänden sich Überreste aus der Bronzezeit, dem frühen Christentum, dem Mittelalter und sogar von Napoleon, erzählt er. Während die Fähre an der mit 150 Bewohnern kleinsten der drei Inseln kurz anlegt, entdeckt Tim einen Delfin im Hafenbecken, ganz ohne teure Delfin-Watching-Tour.

 

Fáilte Ireland
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Die meisten zieht es nach Inis Mór, denn die Hauptinsel mit rund 850 Einwohnern beheimatet spektakuläre Sights wie das 3000 Jahre alte Steinfort Dún Aonghasa. Es besteht aus mehreren steinernen Verteidigungsringen und ragt am höchsten Punkt der Insel auf. Seine halbrunde innere Mauer endet am Abgrund. 

Imago
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Ein Schritt weiter, und es geht steil in den Atlantik. Ein Geländer gibt es nicht, es würde den mythischen Ort entzaubern. Weniger mythisch ist es zu beobachten, wie Besucher möglichst nah am Abgrund das vermeintlich ideale Selfie schießen.

Imago
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Die Kargheit der Insel und ihrer einst so harten Lebensbedingungen erschließen sich erst per Querfeldeinwanderung. Jedes Feld ist von einer per Hand errichteten Trockensteinmauer umgeben. Sie sollen die Erde aus Sand und Seetang halten, sonst würde der Wind sie verwehen. Keine Mauer hat einen Eingang, hinein gelangt nur, wer darüberklettert.

Imago
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So wie Mícheál Ó Domhnaill, der noch im fortgeschrittenen Alter seine Kartoffeln hegt und pflegt. Damit das Überqueren der Mauer nicht ganz so schwierig ist, hat man längere Steine wie eine Treppe in die Trockenmauer eingefügt. Selbstredend, dass diese Bauwerke einem kletterfreudigen Buben Spaß bereiten.

 

Chris Hill Photographic 2007
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Ursprünglich existierte auf der Insel kein fruchtbarer Boden, heute reicht die dünne Schicht immerhin für Kartoffeln, Kohl, Rüben, Zucchini. Kein Baum weit oder breit, hier herrschen nackte Felsen, durch die sich nur die überlebensstarken Pflanzen ihren Weg bahnen. „Es ist üblich hier, dass die Leute mehrere Jobs haben“, erklärt Fionnuala Ó Flaherty, die aus Galway stammt und ihren Mann, Cyril, beim Jobben auf den Aran-Inseln kennengelernt hat.

Fáilte Ireland
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Die Zeichenlehrerin, die an der lokalen Schule arbeitet, führt auch über die Insel und vermietet mit ihrem Mann ein Ferienhaus, der wiederum als Maler, Landwirt und sogar Teilzeit in der Bodencrew des lokalen Flughafens tätig ist. Es geht über Felsen, die Schraffuren und Spalten aufweisen, als wären sie mit dem Lineal gezogen, doch es ist tatsächlich ein Ergebnis andauernden Winds und starker Brandung. „Bitte nicht so nah an den Klippenrand.

Chris Hill Photographic 2007
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Hier rollen immer wieder Monsterwellen an, die euch umreißen und ins Meer spülen können!“, ruft Fionnuala Vater und Sohn zu, die fasziniert von der Brandung sich bis auf ein, zwei Meter an den Klippenrand wagen. Beide drehen nach ihrer Intervention nur widerwillig ab.

Imago
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Am Ende der begehbaren Strecke stehen wir vor einem Pool, der rechteckig wie ausgesägt vor uns liegt. Er heißt The Worm Hole und dient einmal im Jahr als Tauchbecken für abenteuerlustige Turmspringer, die sich beim Red Bull Cliff Diving in die Tiefe stürzen.

Im Bild: Steven LoBue (USA) beim Red Bull Cliff Diving World Series in Inis Mor, 2017. 

David Martínez Moreno / Red Bull Content Pool
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Wieder zu Hause, schaut sich Tim mit Papa YouTube-Videos an: Eines zeigt Athleten, wie sie im Juni 2017 per Dreifachsalto ins Wurmloch springen. Das zweite stammt vom April 2015: Es zeigt die Touristin Apu Gupta aus Kalkutta, die auf einem hohen Felsen neben besagtem Wurmloch steht und filmt – bis plötzlich eine Riesenwelle auf sie zurollt und direkt vor ihr bricht.

Im Bild: Rhiannan Iffland aus Australien beim Sprung ins Wurmloch.

Dean Treml/Red Bull Content Pool
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Als sie merkt, dass sie in Gefahr ist, und wegrennen will, ist es zu spät: Die Monsterwelle spült sie vom Felsen, sie stürzt in die Tiefe. Touristen beobachten den Unfall aus sicherer Entfernung und schaffen es, die 21-Jährige in einer waghalsigen Aktion zu retten. Fazit: Dann doch lieber ein paar Meter tiefer im Inneren „Eierlands“ wandern, auch wenn's vielleicht nicht so zischt und brodelt.

Romina Amato/Red Bull Content Pool
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Tipps auf einen Blick

Unterwegs: Fünfstündige geführte Tour. www.aranwalkingtours.com

Alternative: Per Ponykutsche über die Insel. www.aranponytrap.com

Unterkunft außerhalb Galway: Große Familienzimmer bietet die Oranmore Lodge. Zwar kein landestypisches B&B, dafür aber mit Schlechtwetteroption: Hallenbad samt Kleinkindbecken. www.oranmorelodge.ie

Anreise: Nach Dublin mit Air Lingus (www.airlingus.com), weiter mit Auto (www.billiger-mietwagen.de), schließlich Fähre ab Doolin (www.doolinferries.com).

Verpflegung: Solides Essen in den Pubs. Gutes Pubfood, auch als Kinderteller etwa im Keogh's of Kinvara direkt am Wild Atlantic Way von Doolin nach Galway. www.facebook.com/keoghsofkinvara

Info: www.ireland.com, www.wildatlanticway.com

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