Reisen: Riesennüsse auf Granit

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„Das ist ja wie Wandern in Schottland“, motzt ein Reisender aus Deutschland. Regen ist nicht unbedingt das Erste, was einem einfällt, denkt man an die Seychellen. Schönes Wasser, ja. Aber diese Wassermassen, obwohl die Regenzeit im Inselstaat am Äquator noch gar nicht begonnen hat? Zum Glück friert man nicht, denn kühler als 27 oder 28 Grad ist es selten auf den Inseln im Indischen Ozean, und Wirbelstürme gibt es hier auch nicht.

Text von Stefan Weißenborn

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Eine Augenweide ist die Szenerie auf dem Weg zur Anse Major (hier von oben), einer legendären Bucht auf der Hauptinsel Mahé, auch bei verhangenem Himmel. „Ein Stündchen“ dauere es bis dorthin, hatte es im Hotel Coral Strand am langen Strand von Beau Vallon geheißen. Nach einer halben Stunde auf der Küstenstraße zu Fuß hatte eine Einheimische in einem Bushäuschen die gleiche Auskunft gegeben, weitere zwanzig Minuten später die gleichen Worte von einem Mitarbeiter eines Resorts am Wegesrand: „ein Stündchen“.

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Nach eher zweieinhalb Stündchen und einer pittoresken Etappe durch Tunnel von Granitblöcken und Palmenwald ist das erste Ziel dieser Reise ins verloren geglaubte Paradies in Sicht. Der Vorhang aus Bindfäden hat sich ein wenig gelichtet. Wie eine Mondsichel schmiegt sich die Anse Major (Anse ist das kreolische Wort für Strand) in die Bucht. Also ab ins Wasser, nasser kann es schließlich nicht werden.

Gerald Larose (STB)
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Der Ozean umhüllt einen wie ein wärmender Mantel.
Wasser ist so eine Besonderheit auf den Seychellen, unabhängig von Wetterkapriolen und Ozean. Zum Beispiel das Trinkwasser. Allein auf Praslin, der zweitgrößten Insel der Seychellen, gibt es mehrere Trinkwasserquellen.

Gerald Larose (STB)
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Im bekannten Vallée de Mai, Heimat der bekannten Coco-de-Mer-Palme mit ihren Riesennüssen, wird es in Flaschen mit dem Etikett „Eden Springs“ abgefüllt, eine andere lokale Marke ist „Source de Pasquère“. Aber auch das Leitungswasser sei genießbar, versichert der Concierge im Savoy. 

Gerald Larose (STB)
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Dass Leitungswasser in den Tropen genießbar ist, ist ungewöhnlich. Und dass fast alle Seychellois Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist in Afrika, wozu die Seychellen zählen, alles andere als selbstverständlich. Aber dieses Stück Afrika ist sowieso anders, allein, weit über den Indischen Ozean verstreut.

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Das Meer macht den größten Teil der Fläche des Staates Seychellen aus, die Landfläche von 454 Quadratkilometern könnte man mehr als 2000-mal auf dem Areal unterbringen. Anders als in anderen Gegenden gelten die Fischbestände als nicht überfischt und sogar intakt. Fischerei mit Treibnetzen ist verboten.

Gerald Larose (STB)
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Das Land war 1993 eines der ersten, das den Umweltschutz in die Verfassung aufnahm. Offenbar mit Erfolg: Internationale Fangflotten kreuzen nach Auskunft von Einheimischen nicht zwischen Mahé und dem Inselaußenposten Aldabra, Heimat der gleichnamigen Riesenschildkröte, die auf den Hauptinseln nur in Gehegen bestaunt werden kann.

Gerald Larose (STB)
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Auf dem Rückweg von einem solchen Gehege im Jardin du Roi oberhalb einer Bucht auf Mahé, wo zig Flughunde wie anderswo die Möwen kreisen, treffen wir auf Simon. Neben anderen Fischern steht er an der Küstenstraße im Örtchen Cascade und bietet seinen Tagesfang feil.

Gerald Larose (STB)
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Mit hellblauen Augen lugt er unter einem Schlapphut hervor und bewegt beim Sprechen nur die Lippen. Keine Kopfbewegung, keine Gesten. Mit der Harpune hat er am Morgen einen mittelgroßen Hammerhai aus dem Wasser geholt. „Meine Arbeit ist gefährlich“, sagt Simon, „aber noch ist mir nichts passiert.“ Noch an Bord schlachtete und filetierte er das Tier. Nun liegen brotlaibgroße Stücke zu seinen Füßen, die er für 25 Rupien das Kilo verkauft. Das sind nicht einmal zwei Euro.

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Auch auf den Seychellen ist der Hai ein Synonym für Furcht. Heißt man nicht gerade Simon oder ist Taucher und hat schon eine friedfertige und von gegenseitiger Neugier geprägte Begegnung mit dem Raubfisch erlebt, kann einen die Panik packen, die von Zwischenfällen wie auf Praslin im Jahr 2011 genährt wird, als ein Bräutigam in den Flitterwochen am Strand Anse Lazio von einem Hai attackiert wurde.

Gerald Larose (STB)
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Er nahm den Arm des Bräutigams mit dem Ring mit – es hieß, es sei ein weißer Hai gewesen. Niemand weiß, warum er so nah an den Strand gekommen war. Der Brite überlebte die Attacke nicht. Die Blutungen waren zu stark. Daraufhin zog man einen feinmaschigen Unterwasserzaun um den Strand. In dem abgegrenzten Bereich planschen die meisten Badenden an diesem Tag wie Scherenschnitte im gleißenden Gegenlicht in der Brandung.

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Im Wasser lauern auf den Seychellen die größten Gefahren? Die Frage quittiert Junia wortlos und mit einem bedeutungsschwangeren Lächeln. War das vielleicht ein Ja? Über dem Wasser wachsen zwar einige Giftpflanzen, die dem paradiesischen Apfel nacheifern, aber Landraubtiere? Fehlanzeige.

Gerald Larose (STB)
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Auch Schlangen oder Insekten trachten den Menschen nicht nach dem Leben, Malaria kommt nicht mehr vor, und Dengue-Fieber gibt seit Jahren nicht mehr. Nicht zuletzt ist die Kriminalitätsrate für afrikanische Verhältnisse unschlagbar niedrig, nicht einmal Bettler gibt es. Nur die Sandflöhe können nerven.

Gerald Larose (STB)
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Auf einen Blick

Anreise: Ab 25. Oktober fliegt Austrian mit dem neuen Winterflugprogramm jeden Mittwoch nonstop von Wien nach Mahé und jeweils donnerstags zurück. www.austrian.com

Einreise: keine Visumpflicht. Ein Reisepass, der mindestens bis zum Tag der Abreise gültig ist, genügt. Zudem muss das Ticket für die Rück- oder Weiterreise vorliegen.

Inselhüpfen: Ab Victoria besteht zum Beispiel nach Praslin eine Fährverbindung (eine Stunde) mit Cat Cocos (www.catcocos.com), von dort geht es weiter nach La Digue (15 min). Weiter entfernte Inseln, wie Bird Island, werden auch per Charterflügen bedient, die man in den Hotels arrangieren kann.

Auskunft: Tourism Board Seychellen, www.seychelles.travel

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