Abu Dhabi: Glamour und Geschichte in der Wüstenmetropole

Knapp sechs Flugstunden von Österreich entfernt erwartet Urlauber eine einzigartige Mischung aus Kultur, Unterhaltung und Sportmöglichkeiten. Alles im Überfluss. Alles in Hochglanz. Wer hat, der hat.

Die charakteristische Kuppel des Louvre Abu Dhabi.
Die charakteristische Kuppel des Louvre Abu Dhabi.
Die charakteristische Kuppel des Louvre Abu Dhabi. – (c) REUTERS (HAMAD I MOHAMMED)

Wer beinahe unbegrenzte Mittel zur Verfügung hat, kann seinen Urlaubern beinahe unbegrenzte Möglichkeiten bieten. Urlaubern, die es sich leisten können und wollen. Wie in den anderen Emiraten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) werden auch in Abu Dhabi die Ölreserven irgendwann aufgebraucht sein, spätestens dann soll in der 1,2-Millionen-Einwohner-Hauptstadt (inklusive Gastarbeiter, permanent leben dort 420.000 Menschen) der Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen wer- den. Ein Ziel, dem praktisch alles untergeordnet wird und wobei Geld keine Rolle zu spielen scheint.

Das aktuellste und vielleicht prunkvollste Symbol für dieses Unterfangen ist der Louvre Abu Dhabi, ein Ableger des gleichnamigen Museums in Paris. Seit vergangener Woche werden dort Werke von niemand Geringerem als Rembrandt und Vermeer gezeigt. Die Ausstellung mit dem Titel „Rembrandt, Vermeer und das Goldene Zeitalter der Niederlande: Meisterwerke aus der Leiden Collection und dem Louvre“ wird noch bis 18. Mai zu sehen sein. Im November 2017 wurde der Louvre Abu Dhabi nach mehr als zehn Jahren Plan- und Bauzeit vom französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, und Abu Dhabis Kronprinzen, Mohammed bin Zayed al-Nahyan, eröffnet.

Der Louvre von innen.
Der Louvre von innen.
Der Louvre von innen. – (c) Reuters

Das von Stararchitekt Jean Nouvel entworfene Museum auf der Insel Saadiyat beherbergt unter einer spektakulären Kuppel die erste Ausstellung mit universellem Anspruch in der arabischen Welt. Auf mehr als 6000 Quadratmetern wird hier die Geschichte der Menschheit erzählt. Der Louvre Abu Dhabi mischt Werke aus unterschiedlichen Kulturkreisen und ordnet die Kunst chronologisch unter Aspekten wie Zivilisation, Handel oder Religion an. Auf diese Weise sollen Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Teilen der Welt gezeigt werden. Für einen aufmerksamen Rundgang sollte man sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen.

Beitrag auch aus Österreich

Die Gesamtkosten des Kunsttempels belaufen sich auf mehr als 1,5Milliarden Euro. Um den Namen des Louvre 30 Jahre lang tragen zu dürfen, bezahlt das Emirat mehr als 400 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Hunderte Millionen für Expertise und Leihgaben von Kunstwerken französischer Museen über die nächsten zehn Jahre. Mehr als 580 Millionen Euro fielen für das Gebäude an.

Der mehrsprachige Multimedia-Guide sowie eine App für Smartphones und Tablets wurde von dem österreichischen Unternehmen Nous entwickelt. Die Kuppel hat Waagner-Biró gebaut. Mit 180 Metern Durchmesser entspricht die offene, aus Stahlprofilen gefertigte Konstruktion der Größe von fünf Fußballfeldern.

Die Investitionen haben sich gelohnt. Im ersten Jahr nach seiner Eröffnung lockte der Louvre Abu Dhabi mehr als eine Million Besucher an. Damit wurden die selbst gesteckten Erwartungen übertroffen. 60 Prozent der Besucher kamen demnach aus dem Ausland. Rund 2,4 Millionen Touristen besuchen Abu Dhabi jährlich, diese Zahl soll nicht nur der Louvre Abu Dhabi steigern. Das Emirat hat in den vergangenen Jahren massiv in Kultur investiert. Weitere fünf Museen sind derzeit in Planung.

Darüber hinaus widmet sich die Stadt auch mehr und mehr der klassischen Musik. Seit 14 Jahren werden etwa im Rahmen des Abu-Dhabi-Festivals internationaleSymphonieorchester oder Ballett- und Solokünstler in das schwerreiche Emirat eingeladen. Auch Familien mit Kindern und Kinobegeisterte sollen auf ihre Kosten kommen. Mitte vergangenen Jahres hat etwa der 15 Hektar große Themenpark Warner Bros. World mit sechs Themenwelten eröffnet.

Strecke durch Hotel

Seit 2009 lockt zudem die Formel 1 mit dem Grand Prix auf dem Yas-Marina-Kurs inklusive Ferrari-Themenpark Touristen an. Die von Architekt Hermann Tilke designte Strecke ist 5,55 Kilometer lang und führt durch ein Hotel, nämlich durch das Yas am Hafen von Yas Island, einer vorgelagerten Insel der Hauptstadt. Ebenso ungewöhnlich ist ein Tunnel am Ende der Boxengasse.

Apropos Hotel – wenig überraschend wird in Abu Dhabi kaum eine Unterkunft unter fünf Sternen angeboten. Eines der neuesten Resorts, in dem auch noch Schnäppchen möglich sind, ist die Anlage Saadiyat Rotana Resort & Villas am langen Sandstrand von Saadiyat Island. Das Hotel mit sieben Restaurants beherbergt 327 Zimmer und Suiten sowie 13 Strandvillen. Im Februar kosten sieben Nächte inklusive Halbpension, Flug mit der nationalen Airline Etihad Airways rund 1300Euro pro Person im Doppelzimmer. Übrigens: Die Auswahl an alkoholischen Getränken ist enorm, und sie werden in allen Restaurants und Hotels ausgeschenkt.

Die Skyline der Stadt mit dem Wolkenkratzer Burj Mohammed Bin Rashid
Die Skyline der Stadt mit dem Wolkenkratzer Burj Mohammed Bin Rashid
Die Skyline der Stadt mit dem Wolkenkratzer Burj Mohammed Bin Rashid. – (c) REUTERS (HAMAD I MOHAMMED)

Gigantische Moschee

Zu den Touristenmagneten zählt unter anderem die Scheich-Zayid-Moschee, das größte islamische Gotteshaus der Emirate, in dem auch Papst Franziskus bei seinem jüngsten Besuch empfangen wurde. Allein das Grundstück übertrifft die Fläche des Vatikanstaats um ein Viertel. 41.000 Menschen können darin gleichzeitig beten. Und auch, wenn das Stadtbild von Moscheen geprägt ist, sind in Abu Dhabi christliche Gotteshäuser zu finden: 1965 wurde etwa die erste Josefskirche – damals noch auf einem Grundstück direkt an der Meeresküste – geweiht; Mitte der 1980er-Jahre entstand der Neubau der bestehenden Kathedrale.

Neben den Moscheen sind es natürlich die Hochhäuser, die für die Unverwechselbarkeit der Skyline Abu Dhabis verantwortlich sind. Mit ihrer extravaganten Architektur gehört die City inzwischen zu den modernsten Städten der Welt. Der prächtigste Wolkenkratzer ist wohl das Burj Mohammed Bin Rashid mit seiner schlanken Silhouette und dem stark gekrümmten Dach. Es ist das höchste Gebäude Abu Dhabis mit einer Höhe von 381 Metern. Auf den 88 Etagen sind hauptsächlich Apartments untergebracht.

Die Scheich-Zayid-Moschee.
Die Scheich-Zayid-Moschee.
Die Scheich-Zayid-Moschee. – (c) REUTERS (TONY GENTILE)

Delfine und Kajaktouren

Das Kontrastprogramm zur Skyline mit glitzernden Wolkenkratzern sind die Mangroven von Abu Dhabi. In den fischreichen Gewässern können diverse Wassersportarten wie etwa Kajaktouren, Wasser- und Jetski ausgeübt werden. Mit etwas Glück sieht man sogar Delfine oder eine der seltenen Manatis: die Seekühe, die eigentlich viel weiter draußen im Arabischen Golf zu Hause sind.

Besucher können wegen des subtropischen Klimas ganzjährig mit Sonnenschein rechnen. Regenfälle sind selten und beschränken sich zumeist auf die Bergregionen. Die Temperaturen schwanken bis zu 20 Grad im Winter und 45 Grad im Sommer.

Die vielleicht beeindruckendste Naturattraktion, die sich Besucher nicht entgehen lassen sollten, ist die „Gartenstadt“ al-Ain – eine Oase inmitten der Wüste am Hang des Hadjar-Gebirges, umgeben von Dattelpalmen. Hier empfiehlt sich unter anderem eine Fahrt zum Berggipfel Dschabal Hafit, einem der höchsten Berge der Vereinigten Emirate. Und ein Besuch des Kamelmarkts. Al-Ain, die zweitgrößte Stadt Abu Dhabis, wurde im Übrigen von der Unesco 2011 auf die Liste des besonders schützenswerten Welterbes gesetzt. Früher war die Stadt eine wichtige Oase auf der Karawanenroute von den Emiraten in den Oman.

UNTERWEGS IN ABU DHABI

Sights: Louvre Abu Dhabi: 6000m² großes, reich bestücktes Museum. Scheich-Zayid-Moschee: größte Moschee der VAE für max. 41.000 Betende. Yas-Marina-Kurs mit Ferrari-Themenpark (die Strecke führt sogar durch ein Hotel).

Hotel: Saadiyat Rotana Resort & Villas (direkt am Strand). www.rotana.com

Flug: Etihad Airlines. www.etihad.com

Info: Department of Culture & Tourism– Abu Dhabi. www.tcaabudhabi.ae

Compliance: Diese Reise erfolgte auf Einladung des Department of Culture & Tourism – Abu Dhabi, Saadiyat Rotana Resort & Villas und Etihad Airways.

Museum der Superlative: Ein Louvre für Abu Dhabi

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2019)

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