Malediven: Paradies ohne Inselkoller

Auf den Malediven bemüht man sich um kitschige Perfektion, die die Gäste in ihren Bann zieht. Trends spielen auch hier eine große Rolle.

Architektur. Das Restaurant Ba’theli ist Fischerbooten nachempfunden.
Architektur. Das Restaurant Ba’theli ist Fischerbooten nachempfunden.
Architektur. Das Restaurant Ba’theli ist Fischerbooten nachempfunden. – (c) Milaidhoo Island

Ahmed Shuhan ist unzufrieden. Konzentriert blickt er auf das Meer, immer wieder gibt er dem Kapitän Anweisungen. Doch die Fische wollen nicht anbeißen. Die Einheimischen auf dem Fischerboot 20  Meter entfernt haben mehr Glück. Mit einem dumpfen Aufprall werden Thunfische im Fünf-Minuten-Takt an der Rute aus dem Meer gezogen und landen in der Mitte auf einem Tisch, wo sie sofort ausgenommen werden. Shuhan, General Manager der Malediven-Insel Milaidhoo im Baa-Atoll, kann es nicht glauben. Man merkt: Dass etwas nicht so läuft, wie er will, ist er nicht gewohnt. Noch am Abend zuvor berichtete er von seinem Vater, seines Zeichens Fischer im Süden der Malediven. Das Fischen liegt auch dem 33-Jährigen im Blut. Selbst wenn er im Tourismus Karriere machte, in der Hauptstadt der Inselgruppe in Malé und auf Sri Lanka ausgebildet wurde. „Irgendwann werde ich das Unternehmen meines Vaters übernehmen", erklärt er. Aber man merkt: So wirklich überzeugt ist er von diesem Plan selbst nicht. Schließlich hat er einen anderen Weg eingeschlagen, und das sehr erfolgreich. Doch seine Anglerehre will er retten. Vor allem vor seinen Gästen. Erst nach drei Stunden und mit Lebendködern, die den Fischern des Nachbarboots abgekauft wurden, heißt es dann endlich: „Petri Dank."

Privatsphäre. Die meisten Gäste verlassen ihre Villen samt Pool nur selten.
Privatsphäre. Die meisten Gäste verlassen ihre Villen samt Pool nur selten.
Privatsphäre. Die meisten Gäste verlassen ihre Villen samt Pool nur selten. – (c) Milaidhoo Island

Das darauffolgende Abendessen war vom Fischglück nicht abhängig. Als Shuhan mit dem Fang endlich zufrieden ist, geht es mit dem Boot zu einer Sandbank zum Dinner. An einer langen Tafel werden hier drei Gänge – die Fische schafften es nicht auf den Grill – serviert, das Kerzenlicht und der Sternenhimmel, der ohne Licht- und Luftverschmutzung sogar den Blick auf die Milchstraße freigibt, sorgen für ein unbezahlbares Ambiente. Auf der einsamen Sandbank kann man übrigens auch übernachten. Auf Wunsch wird hier ein Bett aufgestellt, ein Boot in der Nähe bietet Sanitäranlagen und in der Früh wird man vom Sonnenschein und einem Frühstück im Bett geweckt. Kitschig, zugegeben, aber dafür sind die Malediven schon aufgrund ihrer Rahmenbedingungen – kleine Inseln mit weißem Sand inmitten türkisen Wassers – prädestiniert.

Tanz der Rochen. Unter Wasser geht es mitunter aufregender zu als auf der Insel, nur wenige Gäste laufen einem über den Weg. In den 50 privaten Villen (29 Over-Water Villas, 18 Beach Villas, eine Beach Residence und eine Ocean Residence) mit eigenem Pool bleibt man schließlich gern unter sich. Zumal die Malediven auch eine der beliebtesten Flitterwochen-Destinationen sind. Aber auch Unternehmer entkommen hier der Hektik ihres Alltags. Ein Industriellen-Pärchen verbrachte 45 Tage am Stück auf der Insel. Ein Rekord. Immer wieder verschoben sie ihre Abreise, bis man am Ende sogar ihr Visum verlängern musste.

Doch zurück zu einer der Hauptattraktionen: In der nahe gelegenen Hanifaru Bay, einem von der Unesco geschützten Meeresschutzgebiet, kann man mit Mantarochen schnorcheln. „Es kann sein, dass sie auf euch zukommen, einfach ausweichen. Sie tun nichts", erklärt Tauchlehrer Marc vor dem Sprung in den Indischen Ozean. Als die riesigen Tiere mit einer durchschnittlichen Spannweite von fünf bis fast sieben Metern dann plötzlich auftauchen und schneller und anmutiger als erwartet vorbeischwimmen, hält man gern einen Respektabstand ein. Eine Stunde lang folgen wir einem ganzen Schwarm Mantas, den Anblick der faszinierenden Tiere hat man nicht so schnell über.

Weit weg. Platz ­nehmen und die Seele baumeln lassen. Auf den Malediven fühlt man sich entrückt.
Weit weg. Platz ­nehmen und die Seele baumeln lassen. Auf den Malediven fühlt man sich entrückt.
Weit weg. Platz ­nehmen und die Seele baumeln lassen. Auf den Malediven fühlt man sich entrückt. – (c) Christina Lechner

Langweilig wird auch Tauchlehrer Marc nicht, obwohl viele Mitarbeiter von einer Art Inselkoller berichten. Alle paar Wochen müssen sie das 5,4  Hektar große Eiland verlassen. Und sei es nur für einen Szenewechsel auf eine Nachbarinsel. Tauchlehrer Marc, der Deutsch spricht, stammt aus Namibia. Er ist seit Ende 2016 auf der Insel und möchte auch nicht weg. „Der Mindset ist in Namibia anders als in Europa beispielsweise. In Namibia gibt es auch nicht viel, ich vermisse hier nichts."

Perfekte Illusion. Entrückt von der Realität fühlt man sich dann aber doch selbst bei einem kurzen Urlaub auf der Insel. Die kitschige Inselwelt schluckt ihre Besucher im Ganzen. Selbst die sandigen Fußwege auf der Insel und Böden der Restaurants werden mehrmals täglich gekehrt und von Fußspuren und Palmenzweigen gesäubert. Wohin das Auge blickt, alles ist schön, gepflegt, kurzum perfekt. Zwar ist man scheinbar weit weg von allem, doch Trends werden hier ebenso schnell übernommen wie anderswo. Und wenn es sich nur um Cold Brew Coffee zum Frühstück handelt. Ökotourismus ist ebenfalls en vogue, Plastikstrohhalme gibt es längst nicht, auch Plastikwasserflaschen sucht man vergeblich, bei jedem Ausflug schleppen die Mitarbeiter unzählige Wasserflaschen aus Glas auf das Boot. Die Mitarbeiter der Insel sind entweder zu Fuß oder in elektronischen Golfcarts unterwegs.

Instagram-Insel. Auch bei der Bewerbung der Insel setzt man mittlerweile auf Social Media. Marketingleiterin Bhavna bekommt täglich an die 30 E-Mails sogenannter Influencer, die für einen Gratisurlaub die Werbetrommel im Social Web rühren wollen. Der Markt ist unüberschaubar, mittlerweile arbeitet man nur noch mit Influencern zusammen, die durch Agenturen vertreten werden und vorausgewählt werden. Doch das zahlt sich aus. „Bei einem russischen Popstar mit sechs Millionen Followern haben wir nahezu sofort das Return of Investment gesehen", erklärt Bhavna. Followerzahlen allein sind aber nicht ausschlaggebend. Es gebe auch Personen mit kleiner Zielgruppe, die dafür aber genau die richtige sei. Denn die exklusive Insel sucht auch dementsprechende Klientel. Viele Deutsche zählen zu den Gästen, gefolgt von Briten, Russen, Gästen aus dem arabischen Raum, Koreanern und Japanern. Gruppen nimmt man keine auf.

Kulinarik. Garudhiya, Mashuni oder Chapati. Auch Kochkurse werden ange­boten.
Kulinarik. Garudhiya, Mashuni oder Chapati. Auch Kochkurse werden ange­boten.
Kulinarik. Garudhiya, Mashuni oder Chapati. Auch Kochkurse werden ange­boten. – (c) Christina Lechner

Der Tourismus auf den Malediven hat sich seit 1972, als die ersten europäischen Reisegruppen auf die Inseln kamen, stark verändert. Die ersten Übernachtungsmöglichkeiten waren Zelte, eine Übernachtung kostetet 15 Dollar, der Transfer 15 Cent. In den Jahrzehnten danach hat sich alles professionalisiert, erheblich verteuert und das islamische Land positiv verändert, ist sich Ahmed Shuhan sicher. „Der Tourismus hat auch den Geist der Menschen geöffnet." Schon allein, weil viele der Mitarbeiter eine Ausbildung in anderen Ländern machen.

Dass sich das Leben der Einheimischen stark von dem auf den Resortinseln unterscheidet, wird klar, als wir den Rückweg statt mit einem Wasserflugzeug mit einer kleinen Maschine über die Nachbarinsel antreten. Farbe blättert von den wenigen Geschäftslokalen, die Häuser der Menschen erinnern mehr an Hütten, davor spielen Kinder, Hühner laufen frei herum, während die Erwachsenen die Abenddämmerung auf Plastikstühlen genießen. Gelbe Fahnen flattern im Wind. Es handelt sich um Wahlwerbung für die Präsidentschaftswahl. Wenige Tage später sollte sich Oppositionskandidat Ibrahim Mohamed Solih gegen den autoritär agierenden Amtsinhaber Abdulla Yameen durchsetzen.

Die Autorin reiste auf Einladung von Trauminsel Reisen und Milaidhoo Island Maldives auf die Malediven.

Anreise: Das 5-Sterne-Boutique-Resort ist eine halbe Stunde via Wasserflugzeug vom internationalen Flughafen Malé entfernt.

Lage: Milaidhoo Island ist 5,4   Hektar groß und liegt im Baa-Atoll in der Nähe des Unesco-Biosphären-Reservats Hanifaru Bay. Seit November 2016 werden hier Gäste empfangen.

Unterkunft: Die Insel verfügt über 50 Villen. 29 über dem Wasser, 18 am Strand. Darüber hinaus gibt es eine Beach Residence mit 380 Quadratmetern und eine Ocean Residence mit 310 Quadratmetern.

Ausstattung: Die Insel verfügt über drei Restaurants und zwei Bars sowie ein Spa.

Beratung:
Fundierte Beratung stellt der Reiseanbieter Trauminsel Reisen zur Verfügung. Je nach Budget und Jahreszeit, aber auch nach Vorlieben wie Strand, Restaurants oder Kochkulturen werden die Urlauber bestmöglich beraten.

Preisbeispiel:

7 Nächte in einer Water Pool Villa ab 4.490 € pro Person inkl. Halbpension und Transfer mit dem Wasserflugzeug ab/bis Male.

7 Nächte in einer Beach Pool Villa ab 4.756 € pro Person inkl. Halbpension und Transfer mit dem Wasserflugzeug ab/bis Male.

Malediven: Milhaidoo Island

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