Kalifornien: Tacos, Meer und Sonnenstunden in San Diego

Die Hafenstadt im Süden eignet sich als Alternative für Entdecker des US-Bundesstaats – mit reichem kulturellen Erbe, meilenlangen Stränden, angenehmem Klima, frischer Baja-Cali-Küche und schnellem Weg nach Mexiko.

Downtown und Point Loma mit dem Cabrillo National Monument.
Downtown und Point Loma mit dem Cabrillo National Monument.
Downtown und Point Loma mit dem Cabrillo National Monument. – James Blank

San Diegos natürlichste Attraktion stinkt. Und zwar gewaltig. Der Tour Guide, der einen durch den Stau zu den Children's Pools manövriert hat, kratzt sich am Kopf. Man wisse nicht, sagt er, ob der Gestank von den Ausscheidungen der Möwen komme, die hier über den Köpfen der Besucher kreisen, oder von der Attraktion selbst, die sich vor einem halb auf dem warmen Fels, halb im kühlen Pazifik fläzt: die Dutzenden von Seelöwen und Robben, die mit ihrem lauten, ziemlich unputzigen Geschrei die ganze Kulisse noch ein wenig unglaublicher machen. Immerhin kennt man diese Tiere aus dem Zoo – hier, an der Küste von La Jolla, steht man keine vier Meter von ihnen entfernt.

Der Gestank an den Klippen von La Jolla macht einem so sonnigen Gemüt wie dem dieser südkalifornischen Stadt freilich nichts aus. San Diego erfüllt die Bilder, die der gemeine Kalifornien-Tourist üblicherweise in den „Golden State“ importiert. Schon die Ankunft auf dem Lindbergh Field, dem internationalen Flughafen der Stadt, ist unerhört entspannt: fünf Minuten Fahrzeit nach Downtown. Neben einem glitzert der Pazifik. San Diego ist kein Los Angeles, kein San Francisco. Es ist ziemlich allürenfrei: einfach eine kalifornische Stadt, mit langen Sandstränden, kitschigen Sonnenuntergängen, herrlichem Avocadotoast und zahllosen Mikro-Brauereien.

Nahe dran an Baja California

Auf den zweiten Blick ist San Diego natürlich weitaus mehr. Eine halbe Stunde braucht man von hier nach Tijuana, der mexikanischen Grenzstadt, Anfang von Baja California (nach Los Angeles, im Norden gelegen, fährt man indes zweieinhalb, nach San Francisco neun Stunden). In San Diego ist man im Süden, die Stadt selbst ist von einer langen hispanischen Geschichte geprägt. Hier – am Point Loma, einer Halbinsel, die parallel zu Downtown schmal in den Pazifik hinausragt – betrat erstmals eine europäische Expedition den Boden der nordamerikanischen Westküste. Nach dem zuständigen General, einem Portugiesen namens João Rodrigues Cabrilho, unterwegs im Dienste der Spanier, ist heute ein National Monument samt Park am Point Loma benannt.

Nebenan, am Fort Rosecrans, schauen Abertausende weiße Steine hinaus auf die tiefblaue Weite des Pazifiks. Auf dem Nationalfriedhof liegen US-amerikanische Veteranen begraben. Ein eindrucksvolles Bild. Und einer der vielen Hinweise auf San Diegos Rolle als Militärbasis. Die Stadt ist der Haupthafen der Pazifikflotte der US-amerikanischen Navy. Wer in eines der Ausflugsboote am Anlegeplatz in Downtown steigt, kann auf verschiedenen Touren die Schiffe bestaunen, die das Militär hier anlegen lässt. Tatsächlich besuchen kann man ein ausgemustertes Schiff, die USS Midway, die ebenfalls gleich am Kai von Downtown liegt: Die Midway war der älteste Flugzeugträger der Navy, von 1945 bis 2002 im Dienst, heute sind auf ihr rund 30 Flugzeuge geparkt.

Ein besonders konservatives Bild gibt San Diego trotz Militärpräsenz nicht ab. Der vegane Sushi-Laden an der 30. Straße im sich in der Gentrifizierung befindlichen Hipster-Viertel North Park ist voll, man wählt hier zwischen „Chicken“- und „Ham“-Maki. Das Viertel ist beliebt bei jungen Familien; die einst in der Vorstadt erbauten Häuschen im betont ruralen „Craftsman“-Stil finden sich heute weit mehr im Herzen der Stadt wieder – und sind begehrte Immobilien. Die Restaurants geben sich freundlich, natürlich, lässig, gutes Craft Beer findet sich an jeder Ecke, und der Balboa Park – San Diegos grüne Lunge – ist gleich nebenan.

Der Park ist nicht nur eine riesige Fläche mit tropischem Gelände, eingepflanzt in die Häuserschluchten einer amerikanischen Großstadt, sondern auch eine Art grüne Museumsinsel. Ein außergewöhnliches Konstrukt, das in den 1910er-Jahren für eine große Ausstellung errichtet wurde, die Gebäude der Museen und der botanischen Gärten reich verziert, eine geträumte Welt des Historismus, eingebettet in Palmen und Farne. Wiederum gleich nebenan liegt übrigens der berühmte Zoo der Stadt, der einen in ein ähnlich pralles Grün entführt (und für den sich ob seiner Größe tatsächlich eine private Tour lohnt).

Körperschau und Fisch-Tacos

Nun ist San Diego aber vor allem eine Stadt am Pazifik. Und das reicht vielen Reisenden auch schon, die quer durch die USA fahren, um sich in einem der Häuser an den Stränden der Stadt einzumieten und freie Tage zu genießen. Auf dem Broadwalk des Mission Beach führen die Schönen, die Sportlichen und die Exzentrischen ihre Körper spazieren, während ein paar Meter neben ihnen die Wellen des Ozeans über den Sand schwappen. Der weniger Körperbewusste beißt eine Straße weiter im Taco Surf von Pacific Beach in einen Fisch-Taco, den Inbegriff der Baja-Cali-Küche, und fühlt sich erfrischt von den zitrussauren Noten der Salsas und der mollig-sanften Buttrigkeit des Fischs. Wer es eleganter, weniger wirbelig mag, nimmt die sich durch die grünen Hügel windenden Straßen Richtung La Jolla, des „Juwels“ der Stadt, wo man in alteingesessenen Nobelhotels bei Cocktails und Dinners gen Sonnenuntergang schmachten kann.

Unprätentiöser geht es da im Barrio Logan zu. Die kalifornisch-mexikanisch geprägte Nachbarschaft rings um den Chicano Park nimmt heute dank ihres Einsatzes für die Bürgerrechte einen Platz in des US-amerikanischen Geschichte ein. Bunt bemalte Wände und Gebäude zeugen auch heute, 50 Jahre danach, noch davon. Dazwischen kann man Galerien besuchen und in kleinen Läden wie Simón Limón einkaufen, die Arbeiten junger lokaler Designer anbieten – und zwischenzeitlich die Sonne genießen, bei einem Taco, versteht sich.

Unterwegs in San Diego

Anreise: Lufthansa fliegt ab Frankfurt/M. direkt nach San Diego.

Übernachtung: etwa im neuen Hotel Intercontinental direkt am Kai, ideal gelegen in der sympathisch-ruhigen Downtown. Klassischen Luxus gibt es in La Jolla, am Mission Beach kann man in Miet-Apartments den Pazifik erste Reihe fußfrei genießen.

Compliance: Die Reise erfolgte auf Einladung der San Diego Tourism Authority, www.sandiego.org.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2019)

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