Sternderl schauen: Orte ohne Lichtverschmutzung

50 Jahre nach der Mondlandung sind Reisende in anderen Sphären unterwegs, erkunden irdische Mondlandschaften, Sterneschauplätze und das All.

La Silla in Chile
La Silla in Chile
La Silla in Chile – (c) APA/AFP (MARTIN BERNETTI)

In der sehr klaren, sehr ruhigen Luft, der intensiven Sonneneinstrahlung und der ungetrübten Dunkelheit der Berge beziehungsweise der Wüste befinden sich mit dem chilenischen La Silla (Bild oben) und dem Paranal Observatorium zwei der bedeutendsten astronomischen Beobachtungsstationen. An zweiterem steht unter anderem ein Very Large Telescope, mit dem viele bahnbrechende Beobachtungen gelangen, etwa die ersten Nachweise eines Exoplaneten, es wurden Schwarze Löcher, Braune Zwerge und fernste Sternenhaufen aufgespürt.

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Längst ist die Wissenschaft extragalaktisch unterwegs, längst hat sich die Astronomie in viele wissenschaftliche Einzeldisziplinen entwickelt. Weitere Riesenteleskope befinden sich etwa am Mount Graham in Arizona, am Roque de los Muchachos auf der kanarischen Insel La Palma oder am Mauna Kea auf Hawaii. Erd­ähnliches zu finden ist immer eine Aufgabe. Die Untersuchung von 1000 Himmelskörpern ergab vor Kurzem: Es sind keine Aliens da draußen. Jedenfalls keine solchen wie wir.

Gute Sicht

Insel Lanzarote
Insel Lanzarote
Insel Lanzarote – (c) Josep Castells/Unsplash
Um Sterne zu beobachten und tiefer in die Milchstraße zu schauen, braucht es Orte ohne Lichtverschmutzung, ein klares Firmament. Plätze wie auf der kargen Insel Lanzarote oder Teneriffa, wo sich unweit des 3718 Meter hohen Pico del Teide ein Observatorium befindet. Mit freiem Auge wird man da einiges am nächtlichen Himmel sehen können, doch erst mit großen Fernrohren erschließt sich unsere Nachbarschaft über die Allernächsten wie Mond und Merkur hinaus.

Sollte man nicht so weit reisen wollen: Ein guter Beobachtungsplatz in Österreich tut es auch, richtiges Equipment vorausgesetzt, gemütliche Campingsitze, Decke, feste Kleidung und Thermoskanne sowieso. Die Leiser Berge im westlichen Weinviertel oder die steirische Pretulalpe sind solche Orte. Ein schöner Platz, auch in Hinblick auf die Wandermöglichkeiten untertags, ist die Emberger Alm im Oberen Drautal – beim Gasthaus Sattlegger existiert seit 1990 eine Sternwarte, wo regelmäßig das Internationale Teleskoptreffen (ITT) stattfindet. Und ein Wien-Tipp: die Kuffner- und Urania-Sternwarte.

Kosmische Ereignisse

Ringförmige Sonnenfinsternis.
Ringförmige Sonnenfinsternis.
Ringförmige Sonnenfinsternis. – (c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
Galaktische, extraterrestrische Vorgänge stehen nicht selten hinter großen historischen Ereignissen: Kometen, die alle paar Jahrhunderte einmal an der Erde vorbeizischen, Blutmonde, Sternschnuppenregen, ringförmige Sonnenfinsternisse. Oder eben die komplette Verdeckung der Sonne durch den Mond von der Erde aus. Die jüngste Gelegenheit, eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, bot sich am 2. Juli über dem südlichen Pazifik.

Schade nur, dass sich der Höhepunkt – die Verschattung auf der Zentrallinie von erwarteten vier Minuten und 33 Sekunden – über dem Wasser und nicht bewohntem Gebiet abspielte. Doch es gibt immer wieder ein Motiv für die wachsende Gruppe astronomisch interessierter Reisender. Die nämlich scheut sich nicht, für ein solches Ereignis auch den beschwerlichen Weg in die Gobi, in die Namib oder die Südsee auf sich zu nehmen.

Alltourismus

(c) APA/AFP/SPACEX (HO)

Die Idee, in den Weltraum zu reisen, ist nicht viel jünger als die Raumfahrt selbst. Fraglos ein Luxus für Milliardäre, fragwürdig vermutlich in Bezug auf den rein wissenschaftlichen Wert. Der Raumfahrttourismus aus Freizeitinteresse nahm seinen Anfang 2001 mit einem Trip zur ISS. In den 2000ern war schließlich auch eine Handvoll weiterer Alltouristen unterwegs, meist mit Space Adventures, dem führenden Anbieter. Richard Bransons Unternehmen Virgin Galactic konnte nach langen Visionen und Entwicklungen 2018 SpaceShipTwo erstmals in den Weltraum schicken.

Elon Musk will mit SpaceX gleich bemannt zum Mars. Ein lukrativer Erwerbszweig ist die Raumfahrt ohnedies nicht. Und aufwendig in der Vorbereitung. Es braucht die rechtlichen Grundlagen. ­Kandidaten mit geeigneter Verfassung dazu. Aber es gibt Näherungswerte: ­Parabolflüge etwa, bei denen sich Schwerelosigkeit einstellt. Oder man belässt es beim Besuch des größten Raketenstartplatzes der Welt im kasachischen Baikonur. Das Weltraumhotel kann warten.

Cape Canaveral

(c) REUTERS (JOE SKIPPER)

Hinter die Kulissen der Raumfahrt zu blicken ist vielleicht der spannendste Teil einer Florida-Reise. In Cape Canaveral wurde Geschichte geschrieben, von hier aus startete die Mond-Mission. Apollo 11, mit der die USA den Wettlauf um den ersten Menschen auf dem Mond gegen die UdSSR gewannen, startete hingegen ein Stück weiter – im Kennedy Space Center, dem Weltraumbahnhof. Mehr darüber erfährt man im Besucherzentrum. Auch über das Match mit den Russen und ihr „Luna"-Programm.

Das Zeitfenster der bemannten Mondmissionen war jedoch ­vergleichsweise kurz, dauerte von 1969 bis 1972, schließlich ist der Weltraum gegen unendlich. Material vom Mond wurde weiterhin gesammelt, sei es in Sachen seltene Erden, sei es für den Nachweis früheren Wassers. Mittlerweile sind China, Indien, Japan und Europa (ESA) in der Raumfahrt unterwegs. Und unser Trabant ist ­wieder im Fokus: Eine bemannte „Rückkehr zum Mond" plant die USA 2028, wenn nicht 2024. Und geht’s nach den Russen, wird 2030 wieder jemand einen Fuß auf den Mond setzen.

Hinter dem Mond

(c) APA/AFP/NASA/Goddard/University (HO)

Himmelskörper heizen seit jeher die Fantasie der Menschen an. Je tiefer es gelingt, in unser Sonnensystem und darüber hinauszublicken, umso origineller ergänzt sich das Bild: Monde, die wie Erdäpfel um Planeten herumeiern. Ringe aus lauter Stein-Staub-Konzentrationen, doppelte Sonnen, farbige Nebel, wilde Spiralen, dunkle Stellen, blinkende Haufen. Besonderes Interesse galt dermaleinst der Rückseite des Monds.

Was da Rätselhaftes sein würde? Erst die russische Raumsonde Lunik 3 lieferte 1959 erste Bilder. Heuer, am 3. Jänner, landete erstmals eine chinesische Raumsonde, Chang’e -4. Auf der für uns sichtbaren Seite erkennen wir Mare (Tiefebenen) und Krater durch Meteoriteneinschläge, Berge, gerade und mäandrierende Rillen. Und über allem liegt eine Schicht aus Sand, Mondregolith. Ein erster Mondatlas entstand 1837, die Beobachtungen aus dem 19. Jahrhundert haben Gültigkeit bewahrt. Heute gibt es detailliertes Material von unserem Nachbarn, der für einen Mond groß ist. Schon gar gemessen an einem Erdapfel. 

Odyssee

(c) Gilberto Parada/Unsplash

Die Bezeichnung „Mondlandschaft" ist gleich einmal zur Hand, wenn es um die Beschreibung von wüstenhaftem Terrain geht. Manchmal fast zu inflationär. Vollinhaltlich trifft das Mondartige allerdings auf Orte wie Zabriskie Point zu, einen berühmten Aussichtsplatz auf dem Weg durch den Death-Valley-Nationalpark in Kalifornien: Große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, vegetationslos, eindrucksvoll geformt. Schwer vorstellbar, dass sich hier ein großes Gewässer ausgestreckt haben soll, ein prähistorischer See.

Erosion tat hier ihre volle Wirkung, hinterließ Gips und Staub, ein durchfurchtes Gelände in leuchtenden Gesteinsschichten je nach Sonnenstand. Eine künstlerische Inspiration ist das Setting auf jeden Fall. Der bekannteste Beleg für die Wirkungsmacht dieser Mondlandschaft ist vermutlich Michelangelo Antonionis Film „Zabriskie Point" aus dem Jahr 1970. Aber es ist dort weitaus heißer als in echten Raumfahrt-Filmen wie Damien Chazelles „Aufbruch zum Mond" (2018) oder Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum" (1968 bzw. 2001).

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