Bilbao: Eine Verwandlung

breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

"Ich hatte das Gefühl, auf einen kostbaren Schatz gestoßen zu sein": 1988 war Roger Wehrli gerade mit der Fotografenausbildung fertig geworden, die Sinnsuche trieb ihn um. Das Reisebudget war klein, und so landete Wehrli zum ersten Mal in Bilbao - damals nicht die Stadt mit dem Guggenheim-Museum, sondern geprägt von langsam sterbender Industrie und baskischem Nationalismus. Wehrli fand in diesem Spannungsrahmen seine Spielwiese.

Foto aus dem Jahr 1994: Arbeit in einem Stahlwerk.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Seine ersten Spaziergänge durch die Stadt 1988 empfand der junge Fotograf Wehrli als "zutiefst verstörend" und hält die Hochöfen mit der Kamera fest, die Frachtschiffe, heruntergekommene Mietskasernen. Bilbao galt als hässliche Stadt.

Foto aus dem Jahr 1988: Die Bahnlinie verbindet die Industriestätten mit der Stadt. Nach dem Bau des Guggenheim-Museums ersetzt eine U-Bahn die Vorortzüge.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

In den folgenden Jahren versuchte Wehrli, die Stadt kennenzulernen. Er habe damals keine Ahnung davon gehabt, wie schnell sich die Stadt innerhalb kürzester Zeit verändern würde, meint der Fotograf heute.

Foto aus dem Jahr 1990: Sonnenbad im Industrieviertel Sestao.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

In den 1990er-Jahren entstand auf einem brachliegenden Werftgrundstück immerhin das Guggenheim-Museum - jenes Projekt, das der Stadt internationales Ansehen bescheren sollte und zum übermäßigen Wachstumsbeschleuniger Bilbaos wurde. Die Bevölkerung, erinnert sich Wehrli, habe sich mit dem Museum arrangiert - betrachte es aber nach wie vor als Teilstück einer neoliberalen Stadtentwicklungspolitik.

Foto aus dem Jahr 1999: Roger Wehrli fotografierte auch die Baustelle des Guggenheim-Museums.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Wehrlis Fotos zeichnen ein vergessenes, ja unbekanntes Bild einer Stadt, die heute für Kunst und Lebensart steht. Sie dokumentieren eine Zeitenwende: Wandel, geprägt von Protesten, Spannungen, Radikalität in der Stadtplanung und in der Meinung.

Foto aus dem Jahr 2002: Straßenschlacht vor einem Fußballspiel - die Nationalisten nutzen die Gewaltbereitschaft mancher Fußballfans für ihre Zwecke.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Wehrlis Fotos zeichnen ein vergessenes, ja unbekanntes Bild einer Stadt, die heute für Kunst und Lebensart steht. Sie dokumentieren eine Zeitenwende: Wandel, geprägt von Protesten, Spannungen, Radikalität in der Stadtplanung und in der Meinung.

Foto aus dem Jahr 1993: Angeln ist in Bilbaos Ría beliebt - auch, wenn das Wasser hochkontaminiert war, wie in den 1990er-Jahren.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Den Erfolg spricht Wehrli den Stadtplanern dabei gar nicht ab. Allerdings bemerkt er, wie für ihn Bilbao immer mehr zu einer "beliebigen europäischen Stadt" wurde. Zum letzten Mal besuchte der Fotograf die Stadt 2014 - und wurde geplagt von Melancholie.

Foto aus dem Jahr 1993: Vergnügte Kinder in einem Arbeiterviertel.

© 2017 Roger Wehrli
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Roger Wehrlis Fotos sind in dem gerade erschienenen Bildband "Bilbao. Fotografien seit 1988 - Vom Indurstriemoloch zur Kulturhauptstadt - die Geschichte eines urbanen Wandels" zusammengefasst. Verlag: Scheidegger & Spiess. Ca. 40 Euro. www.scheidegger-spiess.ch

© 2017 Scheidegger & Spiess
Kommentar zu Artikel:

Bilbao, eine Verwandlung

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.