Sextener Dolomiten

Bad Moos: Die steilste Piste Südtirols

Unweit der Osttiroler Grenze, in den Sextener Dolomiten, liegt eine der steilsten Abfahrten der Alpen. Der Rest vom Gelände ist aber ganz geschmeidig zu befahren.

Die aktuelle Schneelage in Südtirol ist gut wie hier im Pustertal.
Die aktuelle Schneelage in Südtirol ist gut wie hier im Pustertal.
Die aktuelle Schneelage in Südtirol ist gut wie hier im Pustertal. – (c) Manuel Kottersteger

Ach was. Die Piste sieht vom Hotelzimmer in Bad Moos aus wie ein kurzes weißes Handtuch, schräg durch den Wald gelegt. Daaas soll die steilste Piste Südtirols sein? Eine der abschüssigsten in den Alpen überhaupt? Derartige Superlative müssen im Überschwang eines frisch beschneiten Skitags überprüft werden. Also steht man ein, zwei Stunden später oben bei der Bergstation der Rotwand, versunken in das Panorama rundherum. Vor den Skifahrern bauen sich die Zacken der Sextener Dolomiten auf, und da weiter hinten das Aushängeschild von ganz Südtirol: die Drei Zinnen, fast 3000 Meter hohe Zähne, die aus Schuttkegeln und Almwiesen wachsen.

Das Frühstück liegt schön warm im Bauch. Nur wenig später wird es sich da drinnen ziemlich flau anfühlen. Aber das weiß man zu diesem ambitionierten Zeitpunkt noch nicht. Die Abfahrt Holzriese beginnt erst einmal mit einer flachen Kurve. Das trügt über den weiteren Verlauf. Die Kante, an der die Kurve endet, verschluckt den Hang komplett. Der Blick schießt weit über in die fantastische Dolomitenlandschaft hinaus, rechtzeitig bremsen die Ski noch ab. Dieses Stehen am Rand des Abgrunds ist für einen Österreicher so etwas wie ein Mausefalle-Moment. Also wie? Zurück hinaufstapfen und die alternative rote Piste nehmen? Das wäre zu weit und mit zu viel Blöße verbunden. Mehr links hinunter, wo der Neigungswinkel weniger abstrus erscheint? Auf die andere Seite, wo ein Hauch mehr Schnee aufgeschoben ist? Reine Psychologie – ins Rutschen kommt man sowieso, weil Südtiroler Pisten hervorragend gepflegt sind (wofür sie auch regelmäßig ausgezeichnet werden). Was bedeutet: Sie sind plan und krümellos, kompakt und hart. Im Schatten eines Nordhangs hält so eine Piste lange, ohne aus der Fassung zu geraten. Dass die bis zu 72 Prozent Gefälle auch so glatt bleiben, dafür sorgen Pistengeräte, die angeseilt arbeiten müssen – und in denen man gegen Entgelt mitfahren kann. So oder so, die „Holzriese“ will man absolviert haben. Ohne diesen Sieg verlässt man Sexten nicht.

Sonnenhang, Märchenwald

Das Skigebiet ist für Südtiroler Durchschnitt ein eher kleines. Aber Sexten hängt mit anderen kleineren zusammen – was eine schöne Runde (den Ciro delle Cime) einerseits durch die Berge des Pustertals, andererseits durch den östlichen Teil der Dolomiten ergibt. Auch für jeden Sonnenstand ergeben sich Möglichkeiten, gemütlich herumzurutschen oder schneller herumzugurken. Und weil sich das Kleinteilige aber in einer großen Landschaft verliert, verteilen sich auch die Skifahrer, selbst an Wochenenden und großen Ferien recht gut.

Eine lange, leichte Abfahrt führt nach Osten zum Kreuzbergpass, was sich höher anhört, als es sich misst. Und dennoch sind bei diesen kleinen Liften Skistars groß geworden, Marc Girardelli etwa hat hier mit seinem Vater trainiert. Hier sollte man noch ein Stück weiter ostwärts fahren, selbst wenn der Schlenker einige Zeit kostet und die Retourfahrt nur mit dem Skibus anzutreten ist: Eine sanfte Skiroute führt durch einen Wintermärchenwald, endet bei einem Miniaturschlepper und geht weiter durch Fichten, Lärchen und Flechten. Da hinten liegt dann Padola, ein kleines Dorf, das bereits zur Provinz Belluno in Venezien gehört. Ebenfalls noch Teil der Dolomiten – und doch ist die Anmutung hier anders. Man muss dazu nur ins Gasthaus am Col d'la Tenda, dem Gipfel, gehen, um zu hören, dass sich das Tiroler Idiom bereits verliert. Für diesen romantischen Abschnitt zwischen Südtirol und seinem Nachbarn ist ein Projekt zum Lückenschluss im Gespräch.

Verbunden ist das Skigebiet 3 Zinnen Dolomites auch in Richtung des Pustertals. Über den Stiergarten über Sexten hangelt sich der Skifahrer nach Helm (Monte Elmo) weiter, über Hänge, die in der Sonne liegen und schön in die Dolomiten schauen, ein Meer aus Überbleibseln von Korallenstöcken, bizarr, überwältigend, Unesco-Weltnaturerbe seit 2009. Unten liegt der Ort Vierschach mit seinem Bahnhof – hier gelang die zahnlose Verknüpfung von Bergbahn und Zug. Und so mancher, der bei Brixen oder Bruneck wohnt, steigt mit seinen Skiern locker aus dem Pustertal-Express, ohne wertvolle Minuten mit der Parkplatzsuche zu verlieren, die er doch auf der Piste oder vor der Hütte verbringen könnte.

Sextener Dolomiten

Sport. Fünf Berge bilden das Skigebiet 3 Zinnen Dolomiten: Helm, Stiergarten, Rotwand, Kreuzbergpass, Col d'la Tenda. Wenig überlaufene Pisten. Tipp: Im Pistenbully auf der Holzriese mitfahren.

Hotel: Bad Moos Dolomites Spa Resort, Vier-Sterne-Superior-Hotel direkt an der Piste, ausgezeichnete Küche, stilvolle Zimmer/Suiten. www.badmoos.it

Initiative: „3 Zinnen Weihnacht“ im ganzen Skigebiet. Überall Weihnachtsdeko, Kekse und Lebkuchen, auf Hütten Weihnachtsmusik, Weihnachtsgerichte, Weihnachtsalm, Riesenadventkranz.

Info: www.suedtirol.info

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