Madeira: Im Allradantrieb durch die Botanik

Die Insel ist nicht nur Sisi und Ronaldo, der berühmte Süßwein und der Botanische Garten von Funchal. Die wahre Vielfalt der portugiesischen Insel weit draußen im Atlantik zeigt sich erst bei einer Geländewagentour.

Bei Jeeptouren geht's zwischendurch offroad.
Bei Jeeptouren geht's zwischendurch offroad.
Bei Jeeptouren geht's zwischendurch offroad. – (c) Madeira Promotion Bureau

Edi ist bestens gelaunt. Das wirkt ansteckend, selbst auf die hartnäckigsten Morgenmuffel. Es ist Samstag, kurz vor neun Uhr, auf dem Programm steht eine mehrstündige Geländewagentour von Funchal in den Osten Madeiras. Edi ist einer von zwei Fahrern. Nachdem sich auch Kollege Pedro nicht minder gut gelaunt der Gruppe vorgestellt hat, deutet der 28-Jährige stolz auf seinen Wagen. „Lasst uns etwas Spaß haben.“ Die Fahrt ist erst wenige Minuten alt, als der Jeep einem ersten Härtetest unterzogen wird. Die Straßen Funchals sind teilweise nicht nur beängstigend eng, sie können auch unheimlich steil sein. 35 Prozent Steigung lassen kurzfristig das mulmige Gefühl aufkommen, der Wagen könnte nach hinten kippen. Edi lächelt, „kein Problem“. Ist die erste Herausforderung überwunden, bietet sich ein außergewöhnliches Bild: Am Largo do Miranda lässt es sich verweilen – „einen besseren Ausblick auf Funchal gibt es nicht“.

Das nächste Ziel ist der Pico do Arieiro, der mit 1818 Metern dritthöchste Berg der Insel. Anders als die unwesentlich höheren Pico Ruivo (1861 m) und Pico das Torres (1851 m) lässt sich dieser Berg auf Asphalt erklimmen, weshalb er ein besonders beliebtes Touristenziel darstellt. Auf dem Weg gen Gipfel macht sich plötzlich eine dicke Nebelfront breit, und sie verschwindet auch so schnell nicht mehr. Das Wetter in den Bergen, noch dazu auf einer Insel, ist eben unberechenbar. Aber bei besseren Wetterverhältnissen zeigt sich das so reizvolle Panorama der Bergwelt. Auch die etwa 50 Kilometer entfernte Nachbarinsel Porto Santo lässt sich dann am Horizont erspähen. Dieser Stopp ist Edis persönlicher Favorit, „von unseren Bergen werde ich niemals müde“.

An vielen Stellen fällt die Küste steil ab.
An vielen Stellen fällt die Küste steil ab.
An vielen Stellen fällt die Küste steil ab. – (c) Francisco Correia/Greendevil

Das Teilstück vom Landesinneren nach Ribeiro Frio ist ein Erlebnis – führt über Stock und Stein, vorbei an Schluchten, durch Wälder auf so mancher Abkürzung. Ein echter Offroad-Spaß. Tut sich auf dem Weg eine Wasserlacke auf, tritt der Fahrer auf die Bremse, um den Jeep kurz darauf ordentlich zu beschleunigen. Platsch. „Und wer von euch wäscht den Wagen danach?“, fragt er schmunzelnd. Die Umgebung ähnelt nun einem Dschungel, es ist die feucht-kühle und wilde Seite Madeiras. Eukalyptusbäume ragen entlang des Weges auf, der Geruch eines zwischen den Fingern zerriebenen Blatts ist unverwechselbar. Manch leichtgläubiger Tourist soll tatsächlich davon überzeugt worden sein, dass sich hier Koalas herumtreiben.

Wasserläufe und Vulkanismus

In Ribeiro Frio („kalter Fluss“) gehört eine 90-minütige Levada-Wanderung praktisch zum guten Ton. Levadas sind künstliche Wasserläufe, sie bringen Quell- und Regenwasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden und sind so etwas wie das Markenzeichen Madeiras. Die Vegetation hier ist üppig. Dass Madeira seit 1999 auf der Liste des Unesco-Weltnaturerbes steht, hat die Insel in erster Linie ihrem märchenhaften Lorbeerwald zu verdanken, durch den die Wanderung entlang der Levada Serra do Faial führt. Am Aussichtspunkt Balcões, am Ziel, bleibt die Zeit für einen Moment stehen. Nun hat auch der Himmel aufgeklart. Der Blick auf das weitläufige Tal Ribeira da Metade und das Zentralgebirge mit dem Pico do Arieiro vermittelt zwangsläufig das Gefühl von Freiheit.

Uralte Levadas bewässern die Insel.
Uralte Levadas bewässern die Insel.
Uralte Levadas bewässern die Insel. – (c) Tiago Sousa

In Santana kehren die Jeeper in ein traditionelles schilfgedecktes Haus des Hotels Quinta do Furão ein. Ein guter Platz zum Essen (die Kuhwangen sind besonders zu empfehlen) und um über die Wellen des Atlantiks zu blicken. Vor der finalen Fahrt zurück nach Funchal wartet noch ein letztes Highlight: Ponta de São Lourenço. Die östlichste Halbinsel ist spektakulär wie einzigartig, weil sich die karge rotbraune Landschaft mitsamt ihren vulkanischen Gesteinsformationen deutlich von den sonst immergrünen Regionen Madeiras abhebt. Nur an dieser Stelle der Insel sieht man die wilde Nordseite wie auch die ruhige Südseite. „Und das Beste ist: Hier kommen nicht einmal Touristenbusse her“, meint Edi, ehe er die Gruppe zurück in den Jeep bittet und sich ein letztes Lachen nicht verkneifen kann. „Los jetzt, ich muss noch den Wagen waschen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2018)

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