Augsburg: Pracht, Prunk, Prominenz

Einst eine Weltstadt, in der große Politik gemacht wurde. Heute trumpft die zweitälteste urkundlich erwähnte Stadt Deutschlands mit großer Geschichte auf. Manche Tat wirkt bis heute.

Die Maximilianstraße, die viele neuralgische Bauten verbindet.
Die Maximilianstraße, die viele neuralgische Bauten verbindet.
Die Maximilianstraße, die viele neuralgische Bauten verbindet. – Tom Busch

Ihre Reise stand unter keinem guten Stern, als sich die vier Mönche aus Abessinien auf den Weg nach Norden begaben. Es war das Jahr 1495, und der Legende nach ersuchten sie in Augsburg im Gasthaus Minner um Herberge. Sie waren dunkelhäutig, doch wurden sie freundlich aufgenommen wie jeder Reisende, der in die Stadt kam. Ein heftiger, früher Kälteeinbruch scheuchte die vier in der Herberge auf: Sie brachen hastig auf, um dem rasch nahenden Winter noch zuvorzukommen. Doch sie kamen nicht weit, einer der vier Mönche kam in der Kälte ums Leben. So die Legende.

Geprägt von der langen Geschichte als Bischofssitz und als freie Reichsstadt seit 1276, sah sich Augsburg seit jeher als weltoffene, tolerante Stadt. Die Reichstage in Augsburg, allen voran der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 gelten als Meilensteine im religiösen Zusammenleben von Protestanten und Katholiken. Noch heute stehen für das paritätische Kräfteverhältnis der Hohe Dom zu Augsburg als Kathedrale des Bistums, dazwischen das Rathaus und die Basilika St. Ulrich und Afra auf der Hauptachse der Stadt.

1985 hat Augsburg zweitausend Jahre gefeiert. Namensgeber Kaiser Augustus setzte im Jahr 15 vor Christus mit der Order an seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius, an den Flüssen Lech und Wertach ein Lager zu errichten, quasi den ersten Gründungsstein für die spätere Siedlung Augusta Vindelicorum – die damit zweitälteste urkundlich erwähnte Stadt Deutschlands. Die Stadt vor den Alpen entwickelte sich zu einem der wichtigsten Handelszentren in Europa, ja, zu einer Weltstadt. Maßgeblich im 15. und 16. Jahrhundert: Textilhandel, Buchdruck und Silberschmiede machten Augsburg reich. Die Fugger und Welser gründeten hier ihre Finanzimperien. Ihre Gulden finanzierten Kaiser, Könige und den Papst. Die Bankiers der Krone und der katholischen Kirche regierten aus Augsburg in ganz Europa mit.

Martin Luther versus Jakob Fugger

Und Augsburg schrieb einen Teil der Reformationsgeschichte: Denn es war im Hause Jakob Fuggers, in dem Martin Luther im Oktober 1518 drei Tage vom römischen Kardinal Cajetan verhört wurde. Noch heute erinnert eine Inschrift an der Palaismauer daran. Luther wollte seine Thesen partout nicht widerrufen. Im Gegenteil, er klagte die mächtigen Handelshäuser der Preistreiberei an und beschimpfte Fugger als Hecht, der die anderen Fische frisst. Die Bankiers hätten mit ihren Krediten die kleinen Leute in die Verschuldung getrieben. Drei Jahre später ließ Fugger für schuldlos verarmte Augsburger die Fuggerei errichten – die erste Sozialbausiedlung der Welt. Luther flüchtete nach dem Verhör aus der Stadt und kehrte nie wieder zurück – auch nicht, als die Reformationsschrift „Confessio Augustana“ 1530 an Kaiser Karl V. übergeben wurde.

In Augsburgs Goldenem Zeitalter blühte die Stadt auf: Uhren, Silberwaren und wissenschaftliches Gerät gingen von hier in die Welt. Das Rathaus, bis vor hundert Jahren noch das höchste Gebäude Deutschlands, wurde vom Stadtbaumeister Elias-Holl 1620 fertiggestellt. Das heutige Wahrzeichen der Stadt gilt als bedeutendster Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen.

500 Seiten prominenteste Gästeliste

Doch zurückkommend auf die Sage von den abessinischen Mönchen: Sie nahm eine gute Fortsetzung. Denn der Gastwirt, der die überlebenden drei Mönche ins Haus zurückholte, bot ihnen eine dauerhafte Bleibe. Als sie dann nach dem langen Winter aufbrachen, ließ er ein Porträt von ihnen malen und huldigte fortan den „Drei Mohren“ mit ihrem Bildnis als Gasthausschild.

Diese Legende schrieb Stadtgeschichte: Bevor das Haus an der Via Claudia Augusta den Namen Drei Mohren offiziell trug, wurde es zur führenden Fürstenherberge. Hier kehrte 1730 Friedrich Wilhelm I. von Preußen ein, 1763 Wolfgang Amadeus Mozart, 1790 Johann Wolfgang von Goethe. 1792 logierten Kaiser Franz II. und Erzherzog Joseph im Gasthof. Auch Giacomo Casanova buchte hier ein Schlafgemach. Um 1790 erwarb der Innsbrucker Weinwirt Anton Carl Singer das Anwesen. Doch erst der Hotelier Johann Georg Deuringer machte den Gasthof weltberühmt. In seinem im 20. Jahrhundert auf dem Dachboden gefundenen Gästebuch, 500 Seiten dick, entdeckte man illustre Gäste: Napoleon und Josephine, Erzherzog Ferdinand, Otto von Griechenland, Zar Nikolaus I. und König Ludwig I. Künstler, Adelige und Kaufleute aus aller Welt stiegen in dem Hotel in der Maximilianstraße ab. Zum Tanz ging man gern nebenan: Auf Höhe des Herkulesbrunnens steht das hübsche Stadtschloss des Bankiers Benedikt Adam Freiherr von Liebert, Edler von Liebenhofen. Glanzstück des Palais ist der prunkvolle Rokokosaal mit Gemälden, Spiegeln und Stuckverzierungen. Das barocke Hauptgemälde in der Mitte der Decke, das die vier Weltteile mit Europa und den alles verbindenden Handel zeigt, hat der Italiener Gregorio Guglielmi gemalt, der zehn Jahre zuvor die Deckenfresken der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Großen Galerie im Schloss Schönbrunn schuf.

Zur Eröffnung war Erzherzogin Maria Antonia von Österreich-Lothringen geladen. Die 14-Jährige machte dafür 1770 einen Zwischenstopp auf ihrer Brautfahrt nach Versailles. Doch bevor sie ihre Reise nach Straßburg zur Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI. fortsetzte, zu Marie Antoinette und zur Königin von Frankreich wurde, tanzte sie in Augsburg am Abend des 28. April ein Paar roter Schuhe durch. Wäre Mozart nicht auf Italien-Reise gegangen, hätte er der Eröffnung wohl auch beigewohnt. Denn er war in Augsburg zwischen 1763 und 1790 fünf Mal zu Besuch. Hier steht das Geburtshaus seines Vaters, und mit Cousine Maria Anna Thekla Mozart verband den jungen Mozart zumindest Schwärmerei. Das Palais ging später in den langwährenden Besitz der Bankiersfamilie von Schaezler über, die es 1958 schließlich der Stadt schenkte – verbunden mit der Auflage, es nie zu veräußern und nur für kulturelle Zwecke zu nutzen. So geschah es auch.

Rundgang durch Augsburg

Goldener Saal. Hier gehen alle Blicke nach oben: Die mit Blattgold besetzte, über 500 Quadratmeter große Kassettendecke gibt ein pompöses Zeugnis von Macht und Glanz der Stadt Augsburg in der Spätrenaissance. Im Zentrum die Weisheit, flankiert von den Allegorien von Fleiß, Fruchtbarkeit, Wissen und Frömmigkeit, Heilkunst, Redlichkeit, Gerechtigkeit und Wohlstand. Prunksaal im Rathaus Augsburg, täglich geöffnet.

Drei Mohren. Königlich logieren lässt es sich in dem historischen Haus auf Augsburgs Prachtstraße. Das Hotel ist mit der Teehalle mit spektakulärer Glaskuppel und zwölf Banketträumen bekannt für große Galaveranstaltungen und Hochzeiten. Für anspruchsvolle Gäste steht ein Porsche-Shuttle-Service bereit. 131 elegante Zimmer in den Kategorien Standard, Superior, Executive und Suite plus Allergiker-Zimmer, zwei vorzügliche Restaurants und die Bar 3M als trendiger City-Treff. Day Spa Relax Max mit Aroma-Sole-Dampfbad, Saunen und top ausgestattetem Gym. Maximilianstraße 40, www.augsburg.steigenberger.de

Maximilian's. Champagnerfrühstück, Sonntagsbrunch und elegante Dinner, serviert vor der offenen Küche. Die Sommerterrasse des Maximilian's öffnet dazu den Blick auf das berühmte Schaezler-Palais. Tipp: Es gibt laufend Themenwochen wie etwa Frankreich mit bretonischen Felsenaustern, Bouillabaisse von Edelfischen und Loup de mer in Salzkruste. Maximilianstraße 40, www.steigenberger.com

Schaezlerpalais. Mit opulenter Kunst gefüllt ist das Rokoko-Palais der Bankiersfamilie Schaezler: Süddeutsche Malerei im 17. und 18. Jahrhundert in der Deutschen Barockgalerie, Werke von Canaletto und Anthonis van Dyck in der Karl-und-Magdalene-Haberstock-Stiftung sowie Gemälde schwäbischer und süddeutscher Meister des 15. und 16. Jahrhunderts in der Staatsgalerie Altdeutsche Meister im angrenzenden Katharinenkloster. Dort findet sich Hans Holbeins d. Ä. Porträt der Priorin Veronika Welser. Das Highlight der Staatsgalerie Alter ist das Porträt von Jakob Fugger („der Reiche“) durch Albrecht Dürer. Der Maler hat 1518 als Abgesandter der Stadt Nürnberg auf dem 18. Reichstag zu Augsburg geweilt. Auffällig: Nur ein Pelz ziert den damals sechzigjährigen Bankier und Kaufmann. kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Kaiserlicher Hofgang durch die Fugger-Häuser, die Jakob Fugger der Reiche 1515 an der bedeutenden Handelsstraße als Stadtresidenz errichten ließ. Hier hatte das Fugger'sche Firmenimperium seinen Hauptsitz. Dem Volk ist heute das Wandeln auch im Serenaden-, Zofen- und Reiterhof gestattet. Der Damenhof zählt zu den schönsten Innenhöfen des Landes. Zu bestaunen gibt es Arkadengänge und toskanischen Marmor. Das imposante Adlertor öffnet den Zutritt zur Fürst-Fugger-Privatbank.

Moritzkirche. 1000 Jahre Geschichte in neuem Gewand: 1019 durch Bischof Brun, einen Bruder Kaiser Heinrichs II., erbaut, wurde nach ihrer Zerstörung 1944 nun vom Londoner Architekturbüro John Pawson neu gestaltet – in puristischem Weiß mit einem Lichtkonzept, das international für Aufsehen sorgt: Tageslicht flutet den Sakralbau. www.moritzkirche.de

Bertolt Brechts Spuren folgen kann man im Lechviertel, fotogen mit Kanälen durchzogen. Auf dem Rain 7 steht das Geburtshaus von Bertolt Brecht. Zu sehen sind Erstausgaben, ein Bühnenbild, eine Präsenzbibliothek und eine Videoinstallation. Geöffnet Di–So, 10–17 Uhr

Und bei Mozarts einkehren: Augsburg ist stolz auf die starke Verbindung. Im Geburtshaus von Vater Leopold Mozart sind Stiche, handschriftliche Briefe, Noten und Musikinstrumente ausgestellt. Frauentorstraße 30, geöffnet Di– So, 10–17 Uhr

Fuggerei. Der älteste soziale Wohnbau der Welt. Die 67 im Jahr 1521 gestifteten Häuser sind heute noch bewohnt. Die 60 Quadratmeter großen Wohnungen kosten eine sehr wenig Miete, dafür müssen die sozial bedürftigen Bewohner drei Gebete pro Tag verrichten. Das Stiftungsvermögen Jakob Fuggers deckt bis heute die Kosten ab. Interessant für Besucher: Das Fuggereimuseum und der Bunker. www.fugger.de

Best Zeller. Direkt an der Römerstraße, der Via Claudia Augusta, liegt dieses familiengeführte Viersternehaus vor den Toren der Stadt. Das Best Zeller bietet stilvolles Wohnen im Landhausambiente. Für Städteurlauber, die nach dem ereignisreichen City-Tag Ruhe und Entspannung suchen. Tipp: Sightseeing in Augsburg per Fahrrad: In die City in nur 30 Minuten. 71 Zimmer & Suiten ab 59 Euro, Genießer-Frühstücksbuffet, Parkplatz, Internetzugang, Sauna, Königsbrunn, Bgm.-Wohlfarth-Str. 78, www.hotelzeller.de

Holiday Inn Express. Wenige Minuten vom historischen Stadtzentrum und zwei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt liegt das Hotel praktisch für alle Spaziergänge zwischen Augsburger Dom und Rathaus. 136 freundliche Zimmer mit Klimaanlage, gratis Wi-Fi und Kaffee- und Teestation. Frühstücksbuffet ist kostenfrei. Zimmer ab 75 Euro, Nagahama Allee 77, www.holidayinnexpress.com, www.shgr.com

Info. Augsburg Tourismus: www.augsburg-tourismus.de

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2018)

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