Kärnten: In der Sonne, über die Grenze

Skigebiet ist das Nassfeld eine Größe, aber ohne Verbindungszwang. Hier bringt das Adriatief den Schnee.

Der Gartnerkofel und seine FIS-Abfahrt sind im Visier.
Der Gartnerkofel und seine FIS-Abfahrt sind im Visier.
Der Gartnerkofel und seine FIS-Abfahrt sind im Visier. – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Österreich versinkt derzeit im Schnee, zumindest die Hälfte davon. Im Süden, an der Grenze zu Italien, ist das anders (der Schneebericht für das Nassfeld kolportiert 60 Zentimeter am Berg). Beziehungsweise immer umgekehrt, denn wenn es an der Alpennordseite wie die Hölle abschneit, bleibt das Nassfeld im Schatten. Wirkt das Adriatief jedoch so richtig tief, verschwindet das Gelände der Karnischen Alpen unter einer dicken Schneedecke. Das Nassfeld am Übergang vom Gail- ins Kanaltal mutiert zum Schneeloch, sozusagen. Der Lage südlich des Alpenhauptkamms ist überdies geschuldet, dass hier statistisch mehr Sonnenstunden verzeichnet werden als bei der nördlichen Konkurrenz.

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Dennoch hat das Skigebiet eine übersichtliche Größe behalten durch seine stille Lage in der südwestlichen Ecke Kärntens. Aber wohl auch, weil die Karnischen Alpen frei von weiteren Skigebieten sind, und vom Drang, Berge und Täler zusammenzuzwingen. 110 Kilometer Abfahrten, 30 Lifte: Da braucht der Skifahrer oder Snowboarder keine Woche, um jeden Meter einmal zu abzutasten. Dafür erlebt er manche Piste mehrfach, intensiver. Die Ambitionen im Skigebiet, sich weiter nach Süden, Richtung Pontebba, auszudehnen, sind nach wie vor eine Idee, für die auf Kärntner Seite mehr Einsatz da ist als von italienischer Bereitschaft. Skipanoramagrafisch sieht das so aus: strichlierte Linien.

Die längere Anreise über die kurvige Straße vom Gailtal hinauf zum damals ersten Lift hat die Skifahrer nie abgehalten: Einst war das Nassfeld für Kärntner ein ambitionierter Tagestrip, für die Urlauber von weiter her ein Wochenziel, an dem man sich gleich (ski-in, ski-out) in den Hotels der Siedlung Sonnenalpe einquartierte. Doch jetzt steigen viele Wintersportler im Tal, in Tröpolach, in den Skibetrieb ab und ein, fahren mit dem langen Millennium-Express (17 Minuten) auf die Madritsche, wo sie dann, Stichwort Sonnenstatistik, erst einmal Worte für das satte Panorama finden müssen: Der Gartnerkofel gegenüber ist ein charakterstarker Berg, auch der Rosskofel (Monte Cavallo) und der Trogkofel (Creta di Aip) stehen dem 2195-Meter-Riesen formal um nichts nach. Sie bilden eine Art Kranz um das Skigebiet und vermitteln eine alternative Optik zu der üblichen Tal-Sackgasse.

Ist irgendwie besonders hier: Sehr wenige Skigebiete in Österreich sind grenzüberschreitend, doch hier carvt man unversehens über die Grenze zischen Käsnudel und Ravioli, Germknödel und Spaghetti allo scoglio. Die gemeinsame Hochebene des Passo di Pramollo füllt ein kleiner See auf, der im Winter Langläufer und Spaziergänger trägt. Am Straßenweg hinunter nach Italien jedoch ist im Winter Vorsicht geboten, zumal dieses Verkehrsbauwerk aus der Zeit des Ersten Weltkriegs viele abenteuerliche Kurven schlägt.

Sportlich auch im Tal

Wegen seiner Verbauung ist der Kernbereich des Nassfelds, wie wohl jede Ski-Expositur außerhalb eines gewachsenen Dorfs, im Winter schöner (verpackt) als im Sommer. Doch wenn man ein paar Meter weiter in den Wald marschiert, zu den Karen hinaufwandert oder die Almen ansteuert, tritt die Besonderheit dieses Platzes zutage: Das Gelände erweist sich als eindrucksvolles Anschauungsmaterial erdgeschichtlicher Ereignisse. Zudem wächst hier mit der Wulfenie eine botanische Rarität. Und, tragische Realität – entlang der Karnischen Alpen verlief die Front eines unerbittlichen Gebirgskriegs.

Tröpolach an der Talstation ist ein nettes Dorf geblieben, erweitert um ein paar gute Hotels. Das junge Franz Ferdinand mutet städtischer an, als in einem Kärntner Skiort erwartet. Die beiden großen miteinander verbundenen Glaskuben (Cube) waren der einst gescheiterte Versuch, mit Low-Budget und auf lässig eine extrajunge Zielgruppe anzusprechen. Nach etwas Leerstand und einem kompletten Umbau und Richtungswechsel im Inneren ließen es die neuen Besitzer als „Mountain Resort“ wiedererstehen und spricht Sportliche, Gruppen, Familien und die Schnittmenge daraus an. Die zentralen Aufgänge (Rampen, nicht Stufen) animieren, die Ski, Schneeschuhe oder Mountainbikes in die neu designten Zimmer mitzunehmen – die man dort in einem Extravorraum deponieren kann. In der atriumartigen Halle gibt es die höchste hotelinterne Kletterwand Österreichs, im Keller einen Saunabereich zum Teil im Retrodisco-Style sowie einen Tante-Emma-Laden mit Kosmetik aus der Saint Charles Apothecary. Und auch Gailtaler Zirbenschnaps, klar.

Rund ums Nassfeld

Skigebiet: Am Nassfeld trainierten un- längst die ÖSV-Damen. Am 18./19. 1. messen sich Amateure bei 10 Jahre „Schlag das ASS“, längstes Skirennen der Welt: 25,6 km/6000 Hm auf einmal. Extras: reservierte Chill-Area, Sonnenaufgangsskifahren, Sektfrühstück im Millennium-Express. www.nassfeld.at

Gastro-Tipp: Im Gailtal und Lesachtal befinden sich mehrere Slowfood-Betriebe, www.slowfood.travel.

Übernachten: Franz Ferdinand Mountain Resort, www.franz-ferdinand.at
 


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2019)

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