Salzburger Land

Der Herminator und seine Hausberge

Die Hermann-Maier-Route erkundet an einem Tag den Snow Space Salzburg. Der Namenspatron höchstpersönlich lud zur feierlichen Einweihung – und erzählte von seiner wiederentdeckten Liebe zum Skifahren.

Hermann Maiers skifahrerische Heimat ist der sogenannte Snow Space Salzburg. Seit Kurzem gibt es eine Route nach seinem Namen.
Hermann Maiers skifahrerische Heimat ist der sogenannte Snow Space Salzburg. Seit Kurzem gibt es eine Route nach seinem Namen.
Hermann Maiers skifahrerische Heimat ist der sogenannte Snow Space Salzburg. Seit Kurzem gibt es eine Route nach seinem Namen. – Snow Space Salzburg

Die erste Station, die Hermann Maier auf seinem Hausberg ansteuert, ist zugleich jener Ort, an dem eine der größten Karrieren der Skigeschichte ihren Anfang genommen hat. Am 6. Jänner 1996 fuhr der damals 24-jährige Maurer beim Weltcup-Riesentorlauf von Flachau die zwölftschnellste Zeit – als Vorläufer. Was auf diese Talentprobe folgte, ist längst österreichische Sportgeschichte: zweimal Olympiagold, drei WM-Titel, vier Gesamtweltcupsiege. Inklusive eines Unfalldramas und märchenhaften Comebacks.

So verbissen Maier damals im Starthaus gestanden ist, so selbstgefällig er manches Interview gegeben hat, so locker gibt er sich heute, zehn Jahre nach seinem Karriereende, als er im heimatlichen Snow Space Salzburg die Hermann-Maier-Route einweiht. Das sind 6700 Höhenmeter, 35 Pistenkilometer und 20 Seilbahnfahrten zwischen Flachau, Wagrain und St. Johann, wo der Namensgeber nicht mit Anekdoten aus seiner Zeit als Profisportler spart oder einfach nur über die Powidlmarmelade im Germknödel sinniert.

Dass es sich beim 46-Jährigen aber um einen der besten Skifahrer der Geschichte handelt, ist bei jedem Schwung erkennbar, den Maier auf seinen Head World Cup Rebels (1,85 m, 18,9 m Radius) in die Piste carvt. Die Freude an den zwei Brettln, Maier hat sie nach seiner Profikarriere neu entdeckt. Im Oktober 2009 hatte er noch eine tränenreiche Pressekonferenz im Dachfoyer der Wiener Hofburg gegeben und seinen Abschied vom alpinen Rennlauf erklärt („Pfiat enk“). Heute erinnert er sich: „Gleich am nächsten Tag ist der Schnee gefallen. Da habe ich überall hinfahren können, wohin ich wollte, weil auf einmal die Zeit vorhanden war. Oder den ganzen Tag nützen, um eine Skitour zu gehen. Wenn man das einmal erlebt hat, weiß man, wie schön es ist, die Natur zu nützen. Ich habe genau zum richtigen Zeitpunkt aufgehört.“

Snow Space Salzburg

Riesiger Zusammenschluss

Dieser Tage sei er „immer wieder“ auf Skiern unterwegs, erzählt Maier auf dem Sessellift hinauf zum Grießenkareck. „Quer gestreut, Langlaufen, Telemark, Tourengehen, ganz spontan, ich mache mir keinen Plan.“ Gern auch Ausgefalleneres, wenn sich die Gelegenheit ergibt, wie zuletzt beim Retroskifahren am Saisonende. „Monoski in der Buckelpiste, das ist die Königsdisziplin“, scherzt er. Und da man mit den alten Skianzügen auch nicht mehr so aufpassen müsse, dass man sich ja nicht anpatzt, sei danach schon gemütlich beisammengesessen worden.

Mit dem G-Link geht es hinüber auf den Wagrainer Grafenberg. 232 Meter über dem Talboden eröffnet die Pendelbahn den Blick hinein in das Kleinarltal. Geht es nach den heimischen Seilbahnern soll zum Start der Skisaison 2020/21 eine Zehnergondelbahn von Wagrain aus auch nach Kleinarl führen. Zusammenschlüsse großer Skigebiete sind bekanntlich der letzte Schrei im alpenländischen Wintertourismus, mit der Verbindung nach Kleinarl und damit auch nach Flachauwinkl wäre der Snow Space jedenfalls das größte Skigebiet der Sportwelt Amadé. Und hinüber nach Zauchensee fehlen dann auch nur noch jene 500 Meter, die derzeit noch mit dem Skibus zu bewerkstelligen sind. In Flachauwinkl treibt sich auch Maier gern herum. Er verzichtet dort aber weitestgehend auf Aufstiegshilfen und frönt einer seiner großen Leidenschaften: dem Skitourengehen. Die Gegend sei „kein Geheimtipp mehr“, sagt er. „Aber dort gibt es relativ sichere Touren und auch große Herausforderungen. Das ganze Gebiet ist sehr vielfältig. Mir ist immer wichtig, alles zu nützen, was mehr oder weniger vor der Haustür liegt und nicht weit herumzufahren.“

In seiner Pongauer Heimat kennt er sich schließlich aus, hier weiß er über Lawinensituation und Gelände Bescheid, hier beobachtet er Wetterlage und Wind, hat Triebschnee und Schneeschichten im Auge. „Das sind die Dinge, die du vor Ort gut beobachten kannst. Das ist das Um und Auf.“ In dieser Deutlichkeit sagt der erfahrene Alpinist das zwar nicht, aber dem Skitourenboom scheint auch Maier kritisch gegenüberzustehen. „Es tummeln sich ja mittlerweile viele im Skitourengebiet herum, die nicht wissen, wie sie da wieder herunterkommen. Erfahrung und Weiterbildung sind irrsinnig wichtig bei diesem Hobby.“

Snow Space Salzburg

Die Sportlegende als Zugpferd

Zurück im gesicherten Skigebiet führt die Hermann-Maier-Route weiter in Richtung St. Johann, die neu eröffnete Sonntagskogelbahn, ein Achtersessellift, der alle Stückeln spielt und mit Rückenheizung (!) aufwartet, hat das letzte Nadelöhr zwischen Wagrain und Alpendorf beseitigt. So ist die Runde auch an einem Tag zu schaffen. „Vor allem die Abfahrten, auf denen es dann ein bisserl steiler wird, sind meine Lieblingsplatzerln“, so Maier.

Die Route ist nur das jüngste Kapitel der Flachauer Vermarktungsstrategie mit dem Nationalhelden als Zugpferd. Hermann-Maier-Statue, Hermann-Maier-Straße und Hermann-Maier-Bankerl erinnern im 2800-Einwohner-Ort bereits an den berühmtesten Sohn der Gegend. Die Hermann-Maier-Skischule führt Bruder Alexander Maier, ein ehemaliger Snowboardprofi. Nicht fehlen darf das Hermann-Maier-Museum, Highlight zwischen den unzähligen Kristallkugeln und Medaillen ist der 37 Zentimeter lange Titannagel, der Maiers Unterschenkel nach seinem Motorradunfall 2001 zusammengehalten hat.

Ein anderer, nicht minder bekannter Salzburger Landsmann dient als Namenspatron für den Flying Mozart. Der Neubau dieser Wagrainer Kabinenbahn ist der nächste große Investitionsbrocken im Snow Space, 25 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Ganz in der Nähe kehrt Maier mit seinem Gefolge auch ein. In der Kogelalm erinnert er bei Apfelsaft und Seidel Bier daran, wie es früher, in seiner Zeit als Flachauer Skilehrer, in den Skihütten gerochen hat, nämlich „nach Spaghetti und stinkendem Parmesan“. Heutzutage aber säumen Gourmettempel den Pistenrand, in Flachau werden auf knapp 1900 Metern Seehöhe Surf and Turf und asiatische Fusionsküche in erstaunlicher Qualität geboten. Einzig das Hermann-Maier-Menü fehlt noch im Angebot.

Dafür gibt es freilich eine Hermann-Maier-Weltcupstrecke. Sie führt bis an den Ortsrand von Flachau, 13.400 Skifans fanden sich vor wenigen Wochen zum traditionellen Nachtslalom ein und bejubelten Mikaela Shiffrin und Co. Es ist zugleich das höchstdotierte Damenrennen im Skiweltcup, die Siegerin von Flachau erhält 78.432 Schweizer Franken (68.778 Euro) und damit weit mehr als die andernorts üblichen 45.000 Franken (39.461 Euro) Siegprämie.

Snow Space Salzburg

54, nein 55 Weltcupsiege

Bei einem zweiten Einkehrschwung in der Lisa Alm erinnert sich Maier, wie ihm vor 23 Jahren auf dieser Piste der wohl berühmteste Vorlauf der Weltcupgeschichte gelungen ist. „Es war schon ausgemacht, dass ich zwei Europacup-Rennen fahren darf. Das Vorläuferrennen hat dann noch einmal dafür gesprochen. Es war die Versicherung für den ÖSV-Stab, dass sie jemanden fahren lassen, der die Berechtigung hat.“
Drei Tage später gewann der Sensationsmann sein erstes Europacuprennen, noch im selben Winter (1995/1996) auch die Gesamtwertung, gleichbedeutend mit einem fixen Startplatz für die kommende Weltcupsaison. Über 20 Jahre und 54 Weltcupsiege später (in Maiers Rechnung sind es 55, für ihn zählt auch der Riesentorlauf-Sieg von Val d'Isère 1997, der ihm aberkannt wurde, weil er im Ziel den Ski zu früh abgeschnallt hat) hat der dreifache Familienvater und Hotelier den Trubel, den Skizirkus und die Hundertsteljagd weit hinter sich gelassen.

In Flachau aber macht er an diesem Tag eine Ausnahme: Bei der Riesentorlauf-Zeitmessstrecke, die auf der Hermann-Maier-Tour natürlich nicht fehlen darf, lauert er plötzlich in den Startlöchern. Passend dazu ragt hinter ihm die Ennskraxn (2436 m) auf, dort hat sich Maier lang vor seinem Durchbruch bei abendlichen Mountainbiketouren seine damals im Skirennlauf unerreichte körperliche Fitness angeeignet. Allzu viel sei davon nicht mehr übrig, sagt der 46-Jährige und betreibt dabei gnadenloses Understatement. Wer sich also am Grafenberg mit dem Herminator messen möchte: 23,71 Sekunden lautet die Vorgabe.

Hermann-Maier-Tour

Die Hermann-Maier-Tour führt über 6700 Höhenmeter auf 35 Pistenkilometern und mittels 20 Seilbahnen durch das Skigebiet Snow Space Salzburg alias Flachau, Wagrain und St. Johann. Einsteigen kann man in allen drei Orten, die Pisten sind unterschiedlich schwierig und führen an speziellen Plätzen und Aussichtspunkten im Skigebiet vorbei. Die Route lässt sich in einem Tag befahren, sie bindet dabei viele Pisten im Skigebiet in die Strecke ein.

Skigebiet: Die Snow Space Salzburg ist Teil von Ski Amadé, snow-space.com

Hoteltipp: Biohotel Flachauerhof, hotelflachau.at

Compliance-Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung der Alpendorf Bergbahnen AG.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.2.2019)

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