Römerland Carnuntum-Marchfeld: Genuss nicht nur im Frühling

An Donau und March dreht sich nicht nur beim aktuellen Genuss-Frühling alles um Kulinarik. Innovativ, biologisch und nachhaltig präsentieren sich Bauern und Produzenten.

Römische Antike wird präsent im Archäologischen Park Carnuntum.
Römische Antike wird präsent im Archäologischen Park Carnuntum.
Römische Antike wird präsent im Archäologischen Park Carnuntum. – (c) Christiane Reitshammer

Schafkäse, Speck, Sojabohnen in Schokolade gehüllt, Spargel, Pilzpesto, Erdbeersaft, Lavendelsirup, Chutney, Walnüsse, Dessertwein von der Jostabeere, Rotwein und Gin – die Taschen sind auf der Heimreise prall gefüllt. Zu verlockend sind die Angebote, und die frische Landluft fördert wohl den Übermut beim Einkaufen. Die niederösterreichische Region Römerland Carnuntum-Marchfeld nördlich und südlich der Donau ist nicht nur der „Gemüsegarten Österreichs“. Viele Bauern und Produzenten konzentrieren sich auch auf hochwertige, zum Teil biologische und handgemachte Spezialitäten, die sie ab Hof, auf Märkten und in ausgewählten Geschäften zum Kauf anbieten. Die Nähe zu Wien sowie Bratislava macht sie auch zu einem beliebten Ausflugsziel – in Kombination mit einem Besuch eines der Marchfeldschlösser wie Marchegg, Hof oder Eckartsau oder einer Frühlingswanderung.

 

Gemüse, frisch vom Feld

Im Rahmen der Genuss-Initative Römerland Carnuntum-Marchfeld haben sich 14Genuss-Anbieter mit Unterstützung der Tourismusdestination Donau Niederösterreich zusammengetan, um ihre kulinarischen Produkte und deren Herstellung noch weiter bekannt zu machen. An diesem Wochenende findet daher auch der Genuss-Frühling statt, der Besucher zu kostenlosen Programmen der jeweiligen Produzenten – Führungen, Verkostungen, Traktorfahrten, Melken oder Schaubrennen – einlädt und dabei die Möglichkeit bietet, bei dem Ausflug Frisches, Eingemachtes und Vergorenes einzukaufen.

Leidenschaft, Idealismus, Verbundenheit mit der Region und Wertschätzung der Natur – das vereint viele der Produzenten. Und auch die Energie und Überzeugung, einen anderen Weg als die Vorgänger zu gehen. Die Familie Zoubek in Glinzendorf etwa, die einen konventionellen Bauernhof übernommen und zum Adamah-Bio-Hof ausgebaut hat, der heute unter anderem für die „Gemüsekistln, die bis zur Haustür geliefert werden“, bekannt ist. „Wir brauchen wieder mehr Wertschätzung für Lebensmittel“, sagt Gerhard Zoubek, mit seiner Frau, Sigrid, Begründer des Betriebs. „Wir arbeiten für eine enkelverträgliche Zukunft. Es wäre unverantwortlich, verbrannte Erde zurückzulassen“, ist sein Leitspruch. Die gesamte Familie sowie rund weitere 80 Leute arbeiten in der Landwirtschaft, in der Logistik, im Hofladen und in sämtlichen Bereichen des Biohofs. In den Folienhäusern wachsen bereits frischer Salat, Mangold oder Petersilie, die dem winterlichen Kohlgemüse und der Rauke folgen. Bald kommen Zucchini, Paradeiser, Gurken dazu.

Auf über 100 Hektar Fläche werden rund 50 Kulturen angebaut, die dann in 1000 Gemüse- und Obstkisten pro Tag kundengerecht zusammengepackt werden. Biodiversität, vielfältige Fruchtfolge und gezielte Humuswirtschaft seien dabei sehr wichtig, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, wie die Erzeuger betonen. Beim Genuss-Frühling können sich die Besucher Einblick über die Produktion verschaffen – vom Feld bis zur Verkostung im Bioladen.

 

Landschweine auf Weideflächen

Alles um das Schwein dreht sich auf dem Biohof Hubicek in Breitensee. Mangalitzaschweine und Schwäbisch-Hällische Landschweine ackern seit sechs Jahren fröhlich ihre Weideflächen um, suhlen sich in der Wassergrube und fressen sich bio und genfrei den fetten Ranzen an – sind doch speziell Mangalitza bekannt für ihre dicke Speckschicht. „Die Tiere sind ganzjährig draußen. Sie halten die Kälte aus“, sagt Anton Hubicek, der den Hof 1996 von den Eltern übernommen und später auf Bio umgestellt hat. Die gutmütigen Tiere lassen sich sogar streicheln, freuen sich über Leckerlis wie Karotten oder einfach ein Büschel Gras – davon können sich die Besucher hautnah überzeugen. Im Hofladen stehen Würstel, Grammeln, Speck, Lardo und unterschiedliche Schinken wie auch Frischfleisch zur Auswahl. Das Fleisch sei zwar fetter, aber dafür auch cholesterinärmer und geschmackvoller als Fleisch von Mastschweinen, wie der Profi festhält. Für größere Gruppen bereitet der Grillmeister auch Burger vom Feuerplattengrill oder „Kistensau“ zu, Veranstaltungsort nach Wahl. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel das in der Nähe befindliche Barockschloss Marchegg, das nicht nur passende Räumlichkeiten und Park, sondern auch noch viele nistende Storchenpaare als Attraktion zu bieten hat. Für 2022 ist Schloss Marchegg übrigens Teil der Niederösterreichischen Landesausstellung.

 

Schafkäse und Sojasnacks

Zweimal täglich zwei Stunden verbringt Schafbauer Hannes Raser in Pachfurth damit, etwa 70 Schafe zu melken – händisch. Nur von November bis März ist Melkpause. Eine Melkmaschine hat er sich zwar einst zugelegt, aber dann wieder entsorgt. „Handgemolkene Milch hat einfach bessere Keim- und Zellwerte“, sagt er überzeugt. Zudem werden die Tiere geschont. „Wir sind mehr als bio“, sagt Raser, der 1985 seine ersten drei Schafe nach Hause gebracht hat, damals zum Unmut seines Vaters. Heute finden sich im Stall und in den Auslaufbereichen etwa 150 Tiere, davon im Frühling natürlich viele flauschige Lämmer, die hinter ihren Müttern herlaufen, um gesäugt und beschützt zu werden. Dass das Melken gar nicht so einfach ist, wie es aussieht, können die Besucher bei ihren Erstversuchen feststellen, zum Glück sind die Schafe wirklich geduldig und genießen wohl die patscherte Massage. Gemeinsam mit seiner Frau, Elisabeth, und auch unter fleißiger Mithilfe der Kinder und Großeltern, produzieren und verkaufen die Landwirte Frisch- und Schnittkäse, Käse im Kräuteröl und Joghurt. „Ich probiere immer wieder neue Produktionsweisen und Varianten aus“, erklärt Elisabeth Raser, inzwischen Hauptverantwortliche für den Käse. Lammfleisch gibt es ebenso im Verkauf.

Auch die Gründer von Landgarten in Bruck an der Leitha, Herbert Stava und Johannes Strobl, wurden Ende der 1980er-Jahre für ihre Idee, nährstoffreiche Sojabohnen als Alternative zu Erdnüssen als Snack zu verarbeiten, belächelt. Heute kennt jeder, der einen Supermarkt in Österreich aufsucht, zumindest die Produkte wie Sojasnacks, würzige Nüsse und Schokofrüchte, auch wenn sie bei jedem Anbieter in einer anderen Verpackung angeboten werden. 80 verschiedene Varianten, bio, gluten- und gentechnikfrei, sind derzeit im Verkauf – in 50 Ländern weltweit. In der modernen Produktionsstätte wird die spezielle Sojabohnensorte, die es nur hier und für die Bauern gibt, die die Bohnen für den Landgarten anbauen und liefern, eingeweicht, mit heißer Luft geröstet und eventuell mit Geschmack veredelt. Mit Schutzkleidung aus Mantel und Häubchen ausgerüstet dürfen sich die Besucher davon ein Bild machen. Die „Schokolierung“ der Sojabohnen, Nüsse und gefriergetrockneten Früchte mit sage und schreibe 200 feinen Schokoladeschichten findet an der zweiten Produktionsstätte in Bruck/Leitha statt.

Ein würdiger Abschluss einer kulinarischen Reise ist etwa eine Buschenschänke in der Kellergasse von Prellenkirchen. Nach dem Besuch des Weinmuseums – oder auch einer Wanderung auf dem Rundwanderweg Römerland Carnuntum – stehen Verkostungen auf dem Programm: etwa von Weinen des Spitzerberger Blaufränkerlands. Zu Probeschlückchen lädt auch das Weingut Lukas Markotwitsch in Carnuntum oder Winzer Manfred Edelmann. Augenmerk wird in der Region auch auf Rubin Carnuntum der gebietstypischen Sorte Zweigelt gelegt. Aber auch die spritzigen Weißweine finden hier viele Liebhaber.

ZWISCHEN AU UND ANTIKE

Genussfrühling Carnuntum: an diesem
Wochenende an mehreren Orten von Markgraf- neusiedl bis Bruck a.d. Leitha, von Mannsdorf bis Berg. www.genuss-carnuntum-marchfeld.at

Betriebe u.a.: Adamah-Bio-Hof, www.adamah.at, Bio-Landwirtschaft Hubicek, www.biohof-hubicek.at, Schafkäsebetrieb Raser, www.schafkaese-raser.at, Landgarten, www.landgarten.at, Weinbau Gratzer-Sandriester, www.gratzer-sandriester.at

Ausflugsziele: www.donau.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2019)

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