Rugby, Cricket, Tennis, Reiten: Wenn die Royals Sport machen

Sport hat im britischen Königshaus Tradition, auch einige Spitzensportler – in nobel angesehenen Disziplinen – hat die Riege hervorgebracht.

Zara Phillips
Zara Phillips
(c) EPA (JIM HOLLANDER)

Über den „royal Olympics spirit“, den königlich olympischen Geist, freuen sich derzeit die Briten. Nicht nur wurde Königin Elizabeth II. in einem Film bei der Eröffnungsfeier am Freitag von James Bond gerettet. Einige Momente später erklärte sie die Spiele, dank Bonds Geschick, von der Loge aus für eröffnet. Das Londoner Olympiastadion jubelte. Dass die königliche Familie so eng mit den Spielen verbunden ist, finden viele Briten dieser Tage, sei eine tolle Sache. Sie ist sogar mittendrin: mit der Reiterin Zara Phillips, der Tochter von Prinzessin Anne und Enkelin der Queen, nimmt die 14. Thronfolgerin als Athletin teil.

Aber richtig neu ist das alles nicht. Sport, und manchmal sogar Spitzensport, ist in der Tradition der britischen Königsfamilie verwurzelt. Nicht nur die Queen ist als Pferdebesitzerin und Züchterin bekannt, deren Pferde mehrmals beim Royal Ascot gewonnen haben. Das Rennen im südenglischen Ascot wurde schon 1711 von Königin Anne ins Leben gerufen, seither sind die Staatsoberhäupter immer dabei. Bei den Olympischen Spielen werden nun auch andere Sportarten geschaut. Die Prinzen William und Harry wollen „an fast jedem Tag“, wie der „Daily Telegraph“ berichtete, olympische Wettkämpfe ansehen.

Dabei fällt auf, dass das Königshaus mit Vorliebe jene Sportarten betreibt und verfolgt, die historisch mit dem Adel verbunden sind. Arbeitersport hat dagegen keine Tradition im Hause Windsor. Zara Phillips' Vater Mark, der 1973 die königliche Anne heiratete, gewann 1972 in München Gold und 1988 in Seoul Silber im Vielseitigkeitsreiten.

Anne, die Tochter der Queen, ritt 1976 in Montreal bei Olympia mit, gewann aber keine Medaille. Heute ist sie Vorsitzende des Britischen Olympischen Komitees. Prinz Philip, der Ehemann der Queen, nahm bei Weltmeisterschaften der Vierspänner teil und spielte im jüngeren Alter begeistert Cricket und Polo, zwei weitere Sportarten, die eher den sozial gehobenen Klassen zugerechnet werden.

Ein weiterer royaler Sportler war der spätere König George VI, der Vater von Elizabeth II. 1926 spielte er, damals noch als Duke of York, im Doppel in Wimbledon mit. Das Turnier war damals erst 50 Jahre alt und weitgehend der britischen Oberklasse vorbehalten. Die königliche Familie ist seither regelmäßig in der Loge zu sehen, aber George VI ist bis heute der einzige, der es in Wimbledon auf den Rasen schaffte.

Sportlichkeit, die sich auf die als edel angesehenen Disziplinen konzentriert, ist auch heute aktuell. Prinz William ist zwar „honorary president“ des englischen Fußballverbands „Football Association“, spielte aber selbst, wie auch sein Bruder Harry, lieber Rugby, ein Sport, der vor allem in britischen Internaten betrieben wird.

Rugby is a game for barbarians played by gentlemen. Football is a game for gentlemen played by barbarians“, beschrieb der irische Schriftsteller Oscar Wilde einmal den feinen Unterschied zwischen den beiden Sportarten, die zur gleichen Zeit entstanden.

Auch bei anderen der Nobilität eher fernen Disziplinen, zum Beispiel dem Boxen, ist die königliche Familie seltener zu sehen. Einen erfolgreichen Boxer hat die Familie auch noch nicht hervorgebracht. Gegenüber jenen, die den Windsors Böses unterstellen, liefert bei Olympia der Turnierplan eine Erklärung. Denn viele der Veranstaltungen im Boxen überschneiden sich einfach mit dem Reiten – und da ist mit Zara Phillips schließlich jemand aus der eigenen Familie mit dabei.

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