Die besten Jahre des Niki Lauda: Erinnerungen zum 65er

Am Samstag wird der dreifache Formel-1-Weltmeister 65. Er selbst sieht die letzten fünf Jahre als seine interessantesten, ein neues Buch zeigt anderes.

Die letzten fünf Jahre waren vielleicht die interessantesten überhaupt“, sprach Niki Lauda. Doch der Befund, den er wenige Tage vor seinem Geburtstag – er wird am Samstag 65 Jahre alt – tätigte, deckt sich nur bedingt mit dem öffentlichen Interesse am dreimaligen Formel-1-Weltmeister. Denn so schön und spannend es für Lauda zuletzt auch gewesen sein mag – von der Geburt seiner Zwillinge Max und Mia bis zum Ausstieg aus dem Airline-Business und dem neuen Job beim Formel-1-Team von Mercedes: Derzeit ist vor allem seine Vergangenheit als Rennfahrer omnipräsent.

Was sicher auch an „Rush“ liegt, dem Film von Ron Howard, in dem das Duell zwischen Lauda und James Hunt in der Saison 1976 aufbereitet wurde – inklusive Laudas Feuerunfall auf dem Nürburgring. Und der sich nicht nur wegen der filmischen Dramatisierung wohltuend von der klinischen Langeweile der jüngeren Formel-1-Geschichte abhebt. „Allein schon gemessen an Niki Laudas Saison 1976 strahlt eine moderne Rennfahrerbiografie den begrenzten Charme einer Gebrauchsanleitung aus, fad, glatt, normiert, irgendwie schrecklich berechenbar“, schreibt auch Hartmut Lehbrink in einer kürzlich erschienenen Lauda-Biografie.

Und der deutsche Motorsportjournalist greift auch hier vor allem auf jene Episoden zurück, die sich während Laudas Rennfahrerkarriere abgespielt haben – oder vielmehr, er lässt zurückgreifen. Denn in seinem Buch versammelt er Erinnerungen und Aufzeichnungen von Weggefährten, die zum Großteil selbst im Rennsportzirkus unterwegs sind und waren. Da wird etwa Laudas Verhältnis zu Enzo Ferrari aus Aufzeichnungen des Commendatore nachgezeichnet – inklusive seinem verbitterten Sager einige Jahre nach Laudas Abgang: „Wäre Niki Lauda bei Ferrari geblieben, er hätte gewiss Juan Manuel Fangios Rekord von fünf Championaten eingestellt.“

Auch an den Aufzeichnungen von Luca di Montezemolo, dem früheren Rennsportleiter und späteren Vorstandsvorsitzenden von Ferrari, bedient sich der Autor. Und schildert die ersten geheimen Begegnungen der beiden – und wie wenig Lauda daran gelegen war, besonders sympathisch aufzutreten. Was Max Mosley, Ex-Präsident des Automobilverbands FIA und Anfang der Siebziger Formel-2-Teamchef bei March, wiederum ganz anders schildert: „Was für ein wohlerzogener und intelligenter Bursche saß da mit uns zusammen“, erinnert er sich an einen der ersten Abende, die er und seine Frau mit Lauda verbrachten.

Neben Fitness-Guru Willi Dungl, Journalisten wie Helmut Zwickl oder Herbert Völker zeichnen auch Motorsportlegenden von Clay Regazzoni, Alain Prost und Hans-Joachim Stuck bis zu Gerhard Berger und Alexander Wurz ihr Bild von Lauda – bzw. wird auf frühere Aufzeichnungen zurückgegriffen. Sogar die Erinnerungen des Konkurrenten von 1976, James Hunt, an die Zeit nach Laudas Feuerunfall findet man: „Ich funkte ihm irgendetwas Provokantes hinüber, was ihn ärgern und seinen Lebenswillen stärken sollte. Wenn er wütend war und kämpfte, würde er durchkommen.“

Angereichert mit raren Bildern ergibt sich so ein ganzes Puzzle, das die Figur Niki Lauda vielleicht nicht neu definiert, aber zumindest einiges an Nostalgie und kleinen Aha-Erlebnissen über eine spannende Karriere und einen großen Sportler vermittelt. Die letzten fünf – laut Lauda ja seine interessantesten – Jahre sucht man in dem Buch vergeblich. Obwohl, eigentlich sucht man gar nicht wirklich danach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2014)

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