Wie Feng-Shui mich entdeckte

Die asiatische Lehre von Feng-Shui lehrt, wie Energie richtig zirkulieren und fließen kann. Vieles davon kann sich als sehr nützlich für jede Lebenssituation erweisen. Es geht dabei aber nicht um ein sklavisches Befolgen von Vorschriften.

Thomas Brezina
Thomas Brezina
(c) ORF

Als ich das erste Mal mit Feng-Shui in Kontakt kam, hatte ich keine Ahnung, was Feng-Shui überhaupt ist. Man kann sagen, ich war dem Einfluss von Feng-Shui längere Zeit ausgesetzt, bis ich zum ersten Mal etwas darüber erfahren habe. Daher bin ich auch von der Wirkung sehr überzeugt. Vor rund 25 Jahren habe ich ein Haus in Wien gekauft. Es war knapp ein Jahr alt. Der Bauherr stammte aus China. Da er beruflich versetzt wurde, musste er das Haus schweren Herzens verkaufen.

Als ich damals Häuser besichtigte, war meine tibetische Tempelhündin Putzi immer dabei. Ihr war das Ganze ziemlich langweilig. Erst als wir „mein“ Haus betraten, wurde sie munter und lief überall herum. Sie wedelte mit dem Schwanz, bellte und schien sichtbar begeistert. Später wurde mir erklärt, dass Hunde dieser Rasse gute Energie stark wahrnehmen können.


Das Haus gab mir Kraft. Aber auch mir fiel sofort auf, wie wohl ich mich in diesem Haus fühlte. Die Zimmer sind auf verschiedene Art miteinander verbunden. Das Haus ist durch zahlreiche Fenster, Terrassen und Balkone luftig und hell. Es gibt viel offenes Holz und runde Säulen. In der Mitte befindet sich ein Kaminzimmer. Knapp davor erhebt sich ein Lichthof bis zum Dach. Vom Erdgeschoß ist es also möglich, bis zum Himmel zu blicken.

Kurz nach meinem Einzug schrieb ich mein erstes Buch. Viele weitere folgten. Meine Kreativität und mein Wohlbefinden wuchsen in der neuen Umgebung immens. Das Haus – so kam es mir vor – gab mir Kraft. Überhaupt veränderte sich mein Leben in dieser Zeit stark. Altes ging, weil es einfach nicht mehr stimmig war. Sehr harmonisch und fließend kam Neues in allen Bereichen.

So lebte ich lange in meinem Haus und fühlte mich wohl, ohne über den Grund nachzudenken. Anlässlich eines Interviews, das in meinem Wohnzimmer stattfand, sprach mich eine Journalistin auf Feng-Shui an und schickte mich so auf eine aufregende Reise. Sie hatte selbst erst vor Kurzem darüber recherchiert und einen Bericht geschrieben. Ich begann mich zu interessieren und war so in der Lage, viel Neues zu entdecken. Das Haus ist durch die offene Bauweise, Lichthof und runde Säulen, nach Feng-Shui ein Ort, in dem Energie fließen und zirkulieren kann. Auch meine Lebenselemente nach dem chinesischen Sternzeichen und der Kamin im Zentrum stimmen überein. Dies gilt als besonders vorteilhaft.

Als ich später einen Feng-Shui- Meister über das Haus befragte, meinte er, es wäre absolut kein Zufall gewesen, dass das Haus und ich uns gefunden hätten. Er gab mir einige Tipps, wie ich das Haus noch verbessern könnte und wusste sofort, wo sich Schwachstellen befanden, die aber auch ich instinktiv immer wahrgenommen hatte.

Ist das Haus also nach den Regeln von Feng-Shui gebaut worden? Nein. Die Architekten haben sich allerdings viel mit asiatischer Bauweise beschäftigt, denn der Bauherr hat großen Wert auf vieles gelegt, was er aus China gewohnt war. Die Regeln und Ideen von Feng-Shui sind also sehr harmonisch und selbstverständlich in das Haus eingeflossen. Darin sehe ich eine besondere Kraft.

Mittlerweile habe ich verschiedene Bücher über Feng-Shui gelesen. Einer der wichtigsten Tipps für mich als Autor ist, niemals mit einer Tür im Rücken zu sitzen. Wird der Schreibtisch so gestellt, dass die Tür im Auge ist und der Rücken durch eine Wand geschützt wird, so steigen Produktivität und Wohlbefinden sofort.

Experte für Feng-Shui bin ich aber natürlich keiner. Es ist meine Überzeugung, dass alles, was ich wissen muss, auf mich zukommt. So entdecke ich auch immer wieder neue Feng-Shui- Regeln, die sich als nützlich in meiner derzeitigen Lebenssituation erweisen können. Von einem sklavischen Befolgen von Vorschriften halte ich nichts.

In unseren Breiten werden viele Dinge schnell als Hokuspokus abgetan. Daher spreche ich eher selten über meine Erfahrungen mit Feng-Shui. Ich würde aber auch gar nicht versuchen wollen, jemanden davon zu überzeugen, jeder sollte diese Erfahrungen selbst machen. Wer aber im Leben einen Fluss sieht, wer offen ist, Energie zu fühlen, zu versuchen, sie richtig zu kanalisieren und zu leiten, der wird an Feng-Shui interessiert sein. Ich persönlich bin der Meinung, dass es auch bei uns früher ein großes Wissen über den richtigen Umgang mit Energie gegeben hat. Dieses Wissen war eher im ländlichen Raum vorhanden, doch auch dort geht es mehr und mehr verloren.


Es funktioniert für mich. Lebenskultur ist für mich die Offenheit für bewährte Lehren und Erkenntnisse. Das Maß aller Dinge ist dabei, was beim Einzelnen funktioniert und wirkt. Wer alles erklären möchte, zu viel denkt und sich gegen Unsichtbares wehrt, der wird kaum Zugang zu diesen Regeln finden. Meine Lebenserfahrung lautet: Es wirkt und funktioniert, für mich.

Zur Person

Thomas Brezinaschreibt Drehbücher für TV und Filme, Theaterstücke, Musicals, Songtexte und Bücher. Zuletzt erschienen: „Tom Turbo – Fang den Fußballfresser“

Fernsehen: Für den ORF kreierte er unter anderem die Kinderkrimiserie „Tom Turbo“. Seit 2008 ist er verantwortlich für das ORF-Kinderprogramm „Okidoki“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2014)

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