Auf der Suche nach Simon Dickson

Mit Crime Runners hat ein neuer „Escape the Room“-Anbieter eröffnet. Spieler müssen in einer Stunde einen korrupten Politiker finden.

Steffen Volkmer, Lukas Rauscher und Stefan Tauschhammer von Crime Runners (v. l.)
Steffen Volkmer, Lukas Rauscher und Stefan Tauschhammer von Crime Runners (v. l.)
Steffen Volkmer, Lukas Rauscher und Stefan Tauschhammer von Crime Runners (v. l.) – (c) Stanislav Jenis

Wien. Der Operator hat eine Aufgabe für seine drei Mitarbeiter. Der korrupte Politiker Simon Dickson ist untergetaucht. Die drei Agenten sollen ihn finden – und belastende Beweise gleich dazu, um Dicksons Karriere zu beenden.

Als die drei den Auftrag erhalten, stehen sie im Erdgeschoß eines alten Gründerzeithauses in Wien in der Maria-Theresien-Straße gleich neben der Haupt-Uni. Vor ihnen steht der Fernseher, der das Video mit dem Auftrag des Operators abspielt, neben ihnen diejenigen, die das Spiel erfunden haben: Lukas Rauscher, Steffen Volkmer und Stefan Tauchhammer. Sie sind die Gründer von Crime Runners, einem „Escape the Room“-Game oder „Live Escape Game“, je nachdem, wie man es nennen mag. In einer Stunde müssen die Spieler Rätsel lösen und so Simon Dickson auf die Spur kommen.

Gefragt sind dabei Beobachtungsgabe, Kombinationsgeschick und eine Menge Kreativität. Denn die Spieler werden ohne weitere Hinweise in den speziell präparierten Raum – Dicksons Arbeitszimmer – geschickt.

„Live Escape Games“ werden immer beliebter, seit die Spiele im vergangenen Jahr Wien mit mehreren Anbietern erreicht haben. Ihren Ursprung haben sie in Ungarn oder Japan, ganz genau lässt sich das nicht sagen. Rund um sie hat sich eine eigene Tourismussparte entwickelt, bei der Menschen im Urlaub ins Ausland fahren, um dort diese Spiele zu spielen. Diese funktionieren mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip: ein Raum voller Rätsel, eine Geschichte drumherum und eine Stunde Zeit, die Rätsel zu lösen.

Auch Rauscher und seine Kollegen waren große Fans, als sie beschlossen, sich mit der Idee selbstständig zu machen. Mehr Plot, mehr Special Effects, dafür weniger Eingriffe durch die Spielmoderatoren waren ihre Ziele. „Wir wollten einen fiktiven Charakter, der Anweisungen gibt, sodass man nicht herausgerissen wird“, sagt Rauscher. Denn eigentlich ist es Usus, dass die Moderatoren den Spielern mit Tipps (via Walkie-Talkie) zur Seite stehen, wenn sie nicht weiterwissen. Bei Rauscher erledigt das der Operator.

Und auch sonst gibt es einige Special Effects. Die Videos und Tonschleifen wurden alle von professionellen Schauspielern und Sprechern eingespielt. Unter anderem von Angela Schneider, der Stimme der Wiener Linien. Statt eines Countdowns läuft in Raum zwei (gleich neben dem ersten) im Hintergrund ein Gewitter, das immer lauter wird, je weniger Zeit die Gruppe hat.

Der zweite Raum wurde erst vergangene Woche eröffnet. Für diese Geschichte sind die Spieler Teil der Spurensicherung und müssen einen Mord aufklären. Der dritte Raum ist bereits in Planung. Zuerst wollen sich Rauscher und seine Kollegen aber ein bisschen entspannen – und die beiden Spielräume auf Englisch übersetzen (geplanter Start: 1. November). Denn die Nachfrage sei von Anfang an groß gewesen – auch aus dem Ausland. Gleich am Tag der ersten Raumeröffnung im Juli hat sich eine Gruppe amerikanischer Marines für das Spiel angemeldet. Eine englische Version gab es damals noch nicht. „Also ist einer von uns hineingegangen und hat übersetzt“, erzählt Rauscher stolz.

 

Teambuilding für Businesskunden

Im Präsentieren hat er Übung. Neben Crime Runners besitzt er eine Ein-Personen-PR-Agentur. Sein Kollege Tauchhammer ist Österreichs einziger Gebrauchtsoftware-Händler. Steffen Volkmer wiederum war davor beim Start-up Whatchado, einem Joborientierungsportal tätig. Mit der professionellen Arbeitswelt und Mitarbeiterentwicklung haben die drei auch weiterhin zu tun. Neben den Freizeitspielern haben sich auch längst Firmen bei Crime Runners gemeldet. Die wollen das Rätselraten als Teambuilding-Maßnahme für ihre Mitarbeiter einsetzen.

Auf einen Blick

Games. „Escape the Room“-Spiele funktionieren alle mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip: Die Spieler (meist zwei bis acht) werden in einen Raum gesperrt und haben eine Stunde Zeit, Rätsel zu lösen. Um die Rätsel wird eine Geschichte erzählt. Im Fall von Crime Runners ist es die Suche nach dem korrupten Politiker Simon Dickson im ersten Raum, im zweiten Raum müssen die Spieler einen Mord aufklären (ab 19 Euro pro Person). crimerunners.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2015)

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