200. Geburtstag der MdW: Bestnoten

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Gregor Aufmesser, Kontrabass

Ja, mit Niederflurstraßenbahn sei es schon deutlich leichter. „Ich schaue immer in der App nach, wann eine kommt.“ Für den Kontrabassisten, Jahrgang 1988, sind Gewicht und Maße seines aufsehenerregenden Instruments freilich schon ganz normal. Er schiebt den Kon­tra­bass, „manche ziehen ihren auch“. Eines seiner Studienfächer nennt sich „Physiologie des Musizierens“ – „ein sehr gutes Fach“ – und widmet sich körperlichen Begleiterscheinungen. Typisch für Kontrabassisten, sagt Aufmesser, ist ein Buckel, „vom vielen Runterschauen, und Saxophonisten ziehen gern eine Schulter hoch“. Die Körpergröße sei beim Kontrabass, anders als man glauben könnte, ganz egal, „das richtet sich jeder“. Eine Einschränkung gibt es aber: „Als Linkshänder hätte man in einem guten Orchester keine Chance. Da muss alles gleich ausgerichtet sein.“ „Pro Woche zwei Stunden künstlerisches Hauptfach im Einzelunterricht“ mag wenig klingen, de facto sind es aber 30 bis 40 Stunden, die Aufmesser pro Woche am Instrument sitzt, ob beim Üben oder beim Spielen mit seinen zwei Bands, Znap und Raise Four. Und was sagen seine Wohnungsnachbarn zu dem Ganzen? „Denen ist es zum Glück egal.“

(C) Christine Pichler
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Adela Liculescu, Klavier

Ihre Liebe zur Musik hat die gebürtige Rumänin zufällig per Ausschlussverfahren entdeckt, denn musikalische Wurzeln hat ihre Familie nicht. „Mein Großvater hat mit mir alle möglichen Kurse besucht – von der Malerei über Ballett bis hin zu Schauspielerei – doch nur im Klavierunterricht sprang der Funke über. Schon in der Schule kamen die ersten Wettbewerbserfolge, 2015 gewann sie den Bösendorfer-Klavierwettbewerb und darf seither auch die Instrumente testen. „Vor zwei Wochen habe ich auf dem Imperial-Flügel gespielt. Darauf kann man nicht jeden Tag spielen. Es ist wie ein Rolls-Royce“, erklärt die 23-Jährige. Einen Plan B, sollte es mit der Musik nicht klappen, hatte sie bisher nie: „Daran habe ich nie gedacht. Es war alles so natürlich.“ Ziele gibt es natürlich viele. „Nächstes Jahr spiele ich im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins, aber im Goldenen Saal zu spielen, wäre natürlich top.“ Lampenfieber im positiven Sinne hat sie, auf einen Glücksbringer verzichtet sie aber bewusst: „Ich versuche nicht zu abergläubisch zu sein, damit fängt man am besten gar nicht an.“ Ihre Hände sind ihr Kapital, schon als Kind hat sie gelernt, darauf achtzugeben. „Leider habe ich nie Radfahren gelernt. Das war und ist zu gefährlich.“

(C) Christine Pichler
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Emmanuel Tjeknavorian, Violine

Vater Komponist, Mutter Pianistin. Die klassische Musik war also immer da. „Mein erstes Konzert habe ich im Alter von zehn Tagen besucht“, erzählt der 22-Jährige. Von einer musikalischen Karriere wollten ihn seine Eltern abhalten „weil sie wissen, wie schwer dieses Business ist“. Jedoch erfolglos. Im Alter von fünf Jahren wünschte er sich eine Geige – und legte sie fortan nicht mehr aus der Hand. „Ohne pathetisch oder sentimental zu werden – es ist schon eine besondere Beziehung. Man verbringt die meiste Zeit mit der Geige.“ Mittlerweile ist es sogar eine Stradivari aus dem Jahr 1698, die er spielen darf. „Es ist etwas ganz Besonderes, eigentlich ist es ja ein Museumsstück. Es ist, als ob man aufwacht und vor einem hängt ein Bild von Leonardo da Vinci“, ist Tjeknavorian begeistert. Beruflich ist der 22-Jährige bereits ziemlich erfolgreich: Im Vorjahr absolvierte er mehr als 60 internationale Konzerte. Ein Highlight war auch das Mendelssohn-Konzert am Heldenplatz mit den Wiener Symphonikern, das kürzlich live im Fernsehen übertragen wurde. Ziele und Träume hat der junge Violinist nicht, außer natürlich, weiterhin auf hohem Niveau musizieren zu können. „Es ist wie eine Droge. Ich kann mir mein Leben nicht mehr ohne Musik vorstellen.“

(C) Christine Pichler
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Katharina Hörmann, Wiener Oboe

Kein einfaches Instrument, dem die Wiener Neustädterin da schon früh verfallen ist: Trotzdem war es „Liebe auf den ersten Ton“, wie die 22-jährige Musikerin erzählt. „Und der Klang fasziniert mich immer mehr.“ Viel Übung, viel Disziplin und reichlich Luftdruck im „wahnsinnig dünnen Rohr“ braucht es, um der Oboe überhaupt so etwas wie Klang abzuringen. „Durchdringend, aber im positiven Sinne“, so beschreibt Hörmann ihn. Eine kleine Diva sei sie schon, ihre Wiener Oboe. Eine Bauart, die man hauptsächlich im Wiener Raum zum Mund führt. Und ein Instrument, das die Finger fordert, schon lange vor dem Spielen: Schließlich baut sie sich das Doppelrohrblatt für das Mundstück selbst. Manchmal ganz schön nervenaufreibend sei das, erzählt Hörmann. Vor allem, wenn es nach einer Woche Basteln dann doch nicht passt. Und das kommt vor. Hörmann studiert bei Professor Harald Hörth, Solooboist bei den Wiener Philharmonikern. Schon seit sie fünfzehn ist, damals parallel zur Schule, feilt sie an der MdW nicht nur an Stücken, schwierigen Stellen, Technik und Gehör. Sondern auch an dem, was ihrer Meinung nach fast genauso wichtig sei für eine Musikerin: Persönlichkeit. „Ich glaube, dass mich gerade das Studium in meiner Persönlichkeitsentwicklung extrem fördert.“

(C) Christine Pichler
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Georgina Melville, Koloratursopran

Gerade trägt sie besonders oft die Noten der "Fiaker-Mill" aus der Richard Strauss Oper Arabella unter dem Arm, wenn sie quer über den Campus der MdW geht. Auch so eine Rolle, die man als Koloratursopranistin im Repertoire haben sollte, wie Melville sagt. Aus Barbados stammt sie, aufgewachsen ist sie in England, und Wien hat sie sich ausgesucht, um ihre Stimme zu bilden und allmählich zu begreifen, dass aus der Kombination von Talent und Technik auch ein Beruf werden könnte. Seit sie 16 ist, arbeitet sie konsequent an ihrer Stimme. Heute mit ihrer Professorin Edith Lienbacher. „Man muss wissen, welche Lehrerin richtig für einen ist. Für mich war auch entscheidend, dass sie eine liebevolle Person ist.“ Schließlich brauche man auch einen emotionalen Ruhepol in einem Feld, in dem aus Kollegen schnell Konkurrenten werden. Und in dem Kunst nun mal auch Business bedeutet. Manche Sängerinnen singen auch, wenn sie reden. Melville nicht. Ihre Sprechstimme klingt zart. „Ich schreie auch wenig, das ist nicht gut für die Stimme.“ Schonen müsse man sie schon, „aber man muss auch leben. Ich bin keine, die ständig mit einem Halstuch herumrennt“. Jetzt heißt es: singen, singen, singen. Und den richtigen Menschen im Publikum auffallen.

(C) Christine Pichler
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