Arnold Schwarzenegger: „Ein Mann ist nicht Amerika“

Arnold Schwarzenegger lud in Wien zum „Austrian World Summit“. Donald Trump werde den Fortschritt in Klimafragen nicht aufhalten können.

Aufmarsch in der Hofburg:  Arnold Schwarzenegger mit seiner Freundin Heather Milligan (l.), Doris Schmidauer, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Kern (v. l.).
Aufmarsch in der Hofburg:  Arnold Schwarzenegger mit seiner Freundin Heather Milligan (l.), Doris Schmidauer, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Kern (v. l.).
Aufmarsch in der Hofburg: Arnold Schwarzenegger mit seiner Freundin Heather Milligan (l.), Doris Schmidauer, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Kern (v. l.). – (c) APA/BKA/ANDY WENZEL

Zerstörte Landstriche, tote Korallenriffe, afrikanische Elefanten, die in zehn bis 15 Jahren ausgestorben sein könnten. Gisele Bündchen, der angesichts des Zustands des Regenwalds die Kinnlade herunterfällt und Joshua Jackson, der fragt, ob man überhaupt noch Kinder bekommen soll, all das schnell geschnitten, mit dramatischem Sound unterlegt wie der Trailer für den nächsten Kinoblockbuster – nur, dass die drohende Katastrophe echt ist.

„Years of living dangerously“ heißt die Doku-Serie, in der Hollywoodstars als „Korrespondenten“ den Zustand des Planeten erkunden, die zweite Staffel wird im Herbst fertig – und die Vorschau lieferte den stilgerechten Auftakt für den jüngsten Auftritt Arnold Schwarzeneggers in der Wiener Hofburg. Mit seiner Organisation R20 hatte er hierher geladen, zum ersten „Austrian World Summit“. Die Idee: Eine globale Plattform für Best-Practice-Beispiele zu sein, die zeigen, wie man die Pariser Klimaziele und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreichen kann. Die erzielten Fortschritte sollen in Zukunft jährlich bei weiteren Gipfeln vorgestellt werden.

So düster die Einleitung, so optimistisch gab sich Schwarzenegger – selbst angesichts des jüngsten Ausstiegs der USA aus dem Abkommen von Paris. „Ich bin deshalb optimistisch, weil Amerika nicht Washington ist“, meinte der ehemalige Gouverneur von Kalifornien. „Und es ist nicht ein einzelner Mann. Und während ein Mann Paris und dem Fortschritt in Umweltfragen den Rücken gekehrt haben mag, haben unsere Bundesstaaten und Städte das nicht getan.“

 

„Neues Momentum“

Tatsächlich stützt Trumps Abkehr von Paris nur die These, die Schwarzenegger seit jeher vertritt: Dass man es sich nicht leisten könne, auf internationale politische Entscheidungen zu warten, dass der Wandel in Umweltfragen vielmehr von Städten und Regionen ausgehen würde und müsse – er selbst habe es mit Kalifornien vorgezeigt.

Viele Gouverneure, hunderte Bürgermeister, tausende Unternehmen und eine Mehrheit des amerikanischen Volks würden weiter hinter den Klimazielen stehen, ja er habe sogar das Gefühl, „dass wir fast da sind. Ich kann die Energie und das Momentum spüren.“ Auf lokaler und regionaler Ebene würden sich, so Schwarzenegger, die Dinge schneller entwickeln denn je – Wind- und Solarkraft würden installiert, alternative Fahrzeuge verkauft, täglich gebe es Innovationen.

Schlüssel dafür sei freilich ein überparteilicher Schulterschluss, verwies Schwarzenegger auf die versammelten Politiker als Vorbilder. Er selbst Republikaner, Bundeskanzler Christian Kern, in der Hofburg zu seiner Linken, als Sozialdemokrat, Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Grüner. Lob gab es auch für VP-Umweltminister Andrä Rupprechter, er stehe „wie ein Fels“ hinter den Umweltanliegen, und ohne Monika Langthaler „gäbe es diese Konferenz nicht“.

Und natürlich ließ Schwarzenegger vor den Vertretern aus privatem und öffentlichem Sektor, Politik und NGOs aus 50 Ländern auch diesmal seine Verbundenheit mit der Heimat nicht unerwähnt. „Was die meisten nicht wissen, ist, dass meine Liebe zur Umwelt hier in Österreich begonnen hat“, schilderte er nicht ohne Pathos. In den Hügeln rund um Graz sei die Natur sein Spielplatz gewesen. „Wir hatten kein fließendes Wasser, es lag in der Verantwortung von meinem Bruder und mir, es in Kübeln von einer Quelle zu holen.“ Nie habe er sich über die Qualität von Wasser, Luft oder den Karotten und Kartoffeln, die seine Mutter aus der Erde zog, Gedanken machen müssen, „weil Österreich sauber, unberührt und wunderschön war“. Nun gehe es darum, die Umwelt „für unsere Kinder und Enkelkinder zu erhalten.“ Und, ganz kinomäßig: „Ein einzelner Mann wird uns dabei nicht aufhalten.“

AUF EINEN BLICK

Arnold Schwarzenegger engagiert sich seit seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien vehement in Klimafragen. Der R20 Austria World Summit hat das Ziel, eine globale, interaktive Plattform für internationale Best-Practice-Beispiele zur Erreichung der Pariser Klimaziele und der Nachhaltigkeits-Ziele der UN zu werden. Beim gestrigen Auftakt waren u. a. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kanzler Christian Kern, aber auch Laurent Fabius, der ehemalige Vorsitzende und „Architekt“ der Pariser Klimakonferenz 2015. www.austrianworldsummit.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2017)

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