Weltraumball für Space-Fans

Palais Niederösterreich.Monika Fischer und Reinhard Tlustos organisieren den ersten Österreichischen Weltraumball: Für Techniker, Nerds und Neugierige.

Monika Fischer und Reinhard Tlustos neben dem Raumanzug des österreichischen Kosmonauten Franz Viehböck im Naturhistorischen Museum.
Monika Fischer und Reinhard Tlustos neben dem Raumanzug des österreichischen Kosmonauten Franz Viehböck im Naturhistorischen Museum.
Monika Fischer und Reinhard Tlustos neben dem Raumanzug des österreichischen Kosmonauten Franz Viehböck im Naturhistorischen Museum. – (c) Stanislav Jenis

Eigentlich, sagt Reinhard Tlustos, soll es ja ein ganz normaler Ball sein. Dass dann doch etwas andere Ballorganisatoren am Werk sind, lässt sich trotzdem nicht abstreiten. Etwa, wenn man sich nach den Ursprüngen der Idee erkundigt. Und Tlustos meint, die Überlegungen zum 20-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Weltraum Forums seien der „aktivierungsenergiegebende Stoß“ gewesen.

So spricht wohl nur ein Astrophysiker, der sonst an Raketen denkt, die Menschen in den Weltraum – und irgendwann auch auf den Mars – bringen sollen. Wie Tlustos, designierter Flight Director der nächsten Simulation des Österreichischen Weltraum Forums im Oman. Wenn im kommenden Februar in der dortigen Wüste eine Gruppe von Simulations-Astronauten so tut, als wäre sie am Mars, sitzt er „auf der Erde“ in Innsbruck, verfolgt jeden Schritt und hat, wenn es – echt oder vorgeblich – brenzlig werden sollte, die Entscheidungsgewalt. Institutionen aus sieben oder acht Nationen sind im Oman vertreten, Menschen aus insgesamt 20 Ländern dabei.

Doch zuvor hat Tlustos, gemeinsam mit Pressesprecherin Monika Fischer, noch einen Ball zu organisieren. Eine Kollegin des Weltraum Forums (ÖWF) hatte die Idee gehabt, die sofort auf Zustimmung stieß. „Nur nicht wieder ein langweiliger Vortrag“, sei der Tenor gewesen, so Fischer, „nichts, wo man ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man nicht zuhört, sondern vor der Tür steht und tratscht.“

 

Gäste wie Viehböck und Imhof

Eine der Funktionen des Weltraum Forums sei es ja, ein Weltraum-Netzwerk zu sein. „Man glaubt gar nicht, wie vielfältig diese Szene ist“, sagt Tlustos. „Und obwohl man sich meistens kennt, gibt es trotzdem viele, die noch nichts voneinander wissen.“ Da seien Wissenschaftler und Firmen, das in Wien angesiedelte UN-Büro Unoosa, Vermittler wie die Wiener Arbeitsgemeinschaft Astronomie (die ebenfalls ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert) und viele, die in ihren eigenen Fachbereichen mit dem All zu tun haben.

Einige von ihnen – allesamt „Polarsternpreisträger“, weil sie andere für den Weltraum begeistern – finden sich auch im Ehrenschutzkomitee des Tanzabends am 13. Jänner. Etwa Österreichs Kosmonaut Franz Viehböck oder Maria Pflug-Hofmayr, die aus schierer Begeisterung die Website Orbit betreibt und täglich den Text zum Astronomy Picture of the Day der Nasa ins Deutsche übersetzt. Barbara Imhof, die als Architektin die eierlegende Wollmilchsau des Wohnraums (klein, leicht, wandelbar, das Klo bitte nicht in der Küche) fürs Weltall entwirft. Oder Otto Koudelka und Christian Brünner, die 2013 den ersten österreichischen Satelliten in die Umlaufbahn gebracht haben, ersterer als Techniker, Brünner als Jurist – bis dahin hatte es in Österreich kein Weltraumgesetz gegeben (vom Satelliten wird auch ein realistisches Modell ausgestellt sein). Solche VIPs der Szene könne man auf dem Ball auch durchaus ansprechen, meint Fischer.

Gerade die Öffentlichkeitsarbeit sei dem ÖWF wichtig: „Nicht nur über das, was wir selbst tun, sondern über alles, was im Weltraum passiert – und warum das wichtig ist und nicht rausgeschmissenes Geld.“ Anwendungen von der Memoryschaum-Matratze bis zum GPS seien da nur die plakativen Exempel. Abgesehen davon soll es ein „ganz normaler Ball“ sein, nicht nur für Techniker und erklärte Weltraum-Nerds, sondern auch alle Neugierigen – und auch für Gäste aus dem Ausland. Als Teenager, erzählt Tlustos, durfte er am Space Camp in Alabama teilnehmen, die Jugendlichen dort waren seine „ersten Freunde aus dem Weltraumsektor“, mit denen er bis heute in Kontakt ist – ein Franzose und ein Engländer kämen nun zum Ball.

Schon deshalb werde es alle traditionellen Elemente geben. Als Mitternachtseinlage wird Werner Gruber vom Planetarium erklären, warum Lichtschwerter nicht funktionieren – um dann von einer Lichtschwert-Show widerlegt zu werden. Immerhin sind, wie viele in der Szene, Fischer und Tlustos selbst erklärte Science Fiction-Fans, und plädieren auf dem Ball gegen eine strikte Trennung der Genres. Immerhin sei vieles, was früher Fiktion war, heute Realität. Und mit ihren gemischten, gleichberechtigten Teams seien Star Trek und Star Wars geradezu visionär gewesen.

Keine Science Fiction erlaubt ist allerdings beim Dresscode, da ist man streng. Vor allem, weil schon einige Cosplayer angefragt hätten – und man sei eben kein Gschnas, sondern ein richtiger Ball. Wobei, ein paar junge Damen hätten schon angekündigt, ihre Haare à la Prinzessin Leia zu tragen. Und das, meint Tlustos, sei ja eine einwandfreie Ballfrisur.

AUF EINEN BLICK

Der erste österreichische Weltraumball findet am 13. Jänner 2018 im Palais Niederösterreich statt. Anlass ist das 20-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Weltraum Forums, eines Netzwerks für Raumfahrtspezialisten in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Industrie und Politik. Eine Wiederholung 2019 ist durchaus möglich. Eröffnung ist um 20 Uhr, um 0.30 Uhr gibt es eine Quadrille. Karten kosten 85 Euro (ermäßigt 40 Euro), wer bis 31. Dezember vier oder mehr Karten bestellt, zahlt den ÖWF-Preis von 60 Euro. oewf.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2017)

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