Meghan und Harry: Eine gute Partie

Wenn Prinz Harry von Wales die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle heiratet, lässt er damit wohl Millionen von Jungmädchen-Träumen zerplatzen.

Fix und fertig. Die Hochzeitseinladungen sind verschickt, die Torten gebacken.
Fix und fertig. Die Hochzeitseinladungen sind verschickt, die Torten gebacken.
Fix und fertig. Die Hochzeitseinladungen sind verschickt, die Torten gebacken. – (c) Carolina Frank

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau“, schrieb Jane Austen vor 120 Jahren. Umso dringender braucht er eine Frau, wenn er Mitglied der königlichen Familie von England, reich, berühmt und gerade im richtigen Heiratsalter ist. Welche Frau im Commonwealth oder jenseits seiner Grenzen hat sich nicht schon einmal in die Rolle einer Prinzessin hineingeträumt? Auf wem der Prinz schlussendlich seine Augen ruhen lassen wird, sind Überlegungen, die schon seit vielen Jahren die Gazetten von London bis Bombay füllen. Nun hat das Rätseln ein Ende: Prinz Harry hat die Dame seines Herzens gefunden.

Eine Liebesheirat

Das ist nicht selbstverständlich für einen Royal. Noch vor 90 Jahren hat die nicht standesgemäße Brautschau Edwards VIII. diesen den Thron gekostet, und wie die Liebeshändel von Prinz Charles und Prinzessin Diana mehrere Familientragödien nach sich zogen, ist uns allen noch gut in Erinnerung. Doch das ist Geschichte. Ein potenzieller König von England darf aus Liebe heiraten. Etwas anderes würden seine Untertanen auch nicht gestatten, von denen immer noch viele an der verstorbenen Prinzenmutter, der „Prinzessin der Herzen“, hängen.

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Und käme die Zukünftige des Prinzen Harry von Wales aus einem der Fürstenhäuser Europas oder auch nur einer Familie des heimischen Hochadels, wer würde dem Eheglück nur die geringste Chance einräumen? Wie die Gattin seines älteren Bruders William darf Prinz Harrys Verlobte unter ihren Vorfahren Lehrer, Bauern, Bergarbeiter oder Filmmenschen haben. Sie darf geschieden und muss auch nicht britisch sein. Vielleicht nicht einmal mehr eine Frau. Die Hauptsache ist: Sie ist hübsch, verkündet frühzeitig, dass sie Kinder liebt, gilt als „Modeikone“, weiß, wie man bei Hof knickst und eine Tasse Tee aus den Händen einer Königin entgegennimmt. Dass man das alles noch im Erwachsenenalter lernen kann, bewies ja schon Herzogin Kate, die Gattin von Prinz William, dem Zweiten in der Thronfolge.

Prinz Harry ist also einer der begehrtesten Junggesellen ganz Englands. Er wird zwar als derzeit Fünfter in der Thronfolge nie die Krone von England tragen, vor allem, weil man hört, dass sein Bruder und die Schwägerin beabsichtigen, noch weitere Thronfolge-Hindernisse in die Welt zu setzen, aber dafür verfügt er über eigene 34 Millionen Euro, hat sich in Afghanistan bewährt und schon bewiesen, dass er kein Langweiler ist (Cannabis-Geständnis, Hakenkreuz-Armbinde). Und dazu ranken sich auch noch interessante Gerüchte um seine Abstammung (ist er wirklich der Sohn von Prinz Charles oder doch eher der Sohn von Prinzessin Dis Reitlehrer?), die zwar von allen Beteiligten heftig dementiert, aber dafür umso genüsslicher in jedem Artikel über den jungen Prinzen wiederholt werden (wir wollen da natürlich keine Ausnahme machen). So etwas verleiht dem Charakter eines jungen Mannes Tiefgang und eine gewisse tragische Aura. Aber doch nicht so viel, dass man befürchten müsste, dass er bald nach den Flitterwochen auf der Couch einer einflussreichen Talkmasterin tränenreich von seinen Depressionen berichten wird. Und schließlich: Ist es überhaupt so erstrebenswert, an der Seite des Sohns des künftigen Königs von England ein Leben lang ausländischen Staatsgästen, von denen man so manchen früher umstandslos in den Tower geworfen hätte, den Tee zu reichen?

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Kein Zurück

Aber diese Überlegungen sind jetzt sowieso Schall und Rauch. Denn Prinz Harry ist fix vergeben und wird am 19. Mai heiraten. Selbst den romantischsten Anbeterinnen des jungen Royals muss klar sein, dass man das jetzt nicht mehr verhindern kann. Denn die Einladungen sind draußen, die 4200 Sicherheitsleute sind angefordert, die Hochzeitstorte bestellt, der Fotograf beauftragt und der Blumenschmuck ausgesucht. So etwas platzen zu lassen, würde höchstens einem Drehbuchautor in Hollywood einfallen.

Apropos Drehbuchautor, apropos Hollywood. Es wird höchste Zeit, dass wir uns der Braut zuwenden. Meghan Markle ist nämlich Schauspielerin. Und damit erfüllt sie die besten Voraussetzungen für ihre zukünftige Rolle. Nicht so sehr wegen der vielen Namen, die man sich als Prinzengattin merken muss, sondern mehr aufgrund der Fähigkeit, so zu tun, als würde man sich dafür interessieren, was deren Träger zu sagen haben.

Leben im Rampenlicht

Meghan Markle ist übrigens nicht irgendeine Schauspielerin, die sich einen Monarchen angelacht hat, wie zum Beispiel das große Rollenvorbild Grace Kelly, sondern sie ist die Idealbesetzung, die kein Hollywood-Producer besser hätte casten können. Meghan Markle ist zwar nicht unbekannt, Serienjunkies haben sie in der Rolle der Anwaltsgehilfin Rachel Elizabeth Zane kennengelernt, aber sie ist keine Hauptdarstellerin. Sie ist es gewohnt, dass ihr jemand auf dem Roten Teppich die Show stiehlt. Das könnte für das zukünftige Schwägerinnenverhältnis von Vorteil sein. Andererseits ist Meghan Markle schon von klein auf an das Leben im Rampenlicht gewöhnt. Denn schon ihr Vater, Thomas Markle sen., war Beleuchter beim Film. Und zwar ausgerechnet bei der beliebten Vorabendserie „Eine schrecklich nette Familie“. Wenn das nicht ein Wink des Schicksals ist! Und wenn wir genauer hinschauen: Hatte nicht der Hauptheld der Serie die Gewohnheit, sich zwischen den Beinen zu kratzen, also an einer Körperstelle, die unsere nördlichen Lieblingsnachbarn gern als „die Kronjuwelen“ bezeichnen?

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So oder so kann die königliche Familie mit den bisherigen Auftritten des künftigen Familienmitgliedes zufrieden sein. Meghan Markle wird von den Society-Beobachterinnen gnädig beurteilt und vom Volk bereits geschätzt. Denn obwohl Meghan Markle gerade erst mit der Schwägerin das Hofknicksen eingeübt hat, soll man schon da und dort vor ihr geknickst haben. Sogar das erste offizielle Geschenk an die Schwiegeroma soll gut angekommen sein. Es ist ein Plüschhamster, der Laute von sich gibt, wenn man ihn quetscht. Oder zwischen die Zähne nimmt, wie das die Hunde Königin Elizabeths mit großer Begeisterung machen sollen. Jemand muss Miss Markle verraten haben, dass man das Herz der Königin von England gewinnt, wenn man das Herz ihrer Hunde gewinnt. Womöglich war der Schwiegerenkelinnen-Plüschhamster eine der letzten Freuden, die Willow, Königin Elizabeths Lieblingshund, vergönnt waren, bevor er Mitte April gestorben ist. Er war übrigens der letzte Corgi aus der königlichen Zucht. Vielleicht wird der nächste vierfüßige Liebling der Königin ein Bürgerlicher sein.

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