„Freischütz“: Eine andere Jagd

Christian Räth inszeniert den neuen „Freischütz“ an der Wiener Staatsoper. Er will dabei die Abgründe der Seele ausloten.

Christian Räth. Der deutsche Wald darf in seiner Lesart nicht fehlen.
Christian Räth. Der deutsche Wald darf in seiner Lesart nicht fehlen.
Christian Räth. Der deutsche Wald darf in seiner Lesart nicht fehlen. – (c) die Presse (Carolina Frank)

Gewehrschüsse, die über die Ehetauglichkeit entscheiden, mitternächtliche Geisterchöre in der Wolfsschlucht und das Geheimnis der Freikugeln – der Plot von Carl Maria von Webers „Freischütz“ ist heute nicht so einfach nachzuvollziehen. „Eine ganz naturalistische Herangehensweise verbaut eher den Zugang“, ist Christian Räth überzeugt. Der deutsche Regisseur, der 2015 mit „Macbeth“ an der Wiener Staatsoper debütierte, wagte sich jetzt an die romantische Geisteroper.

„Natürlich fragt man sich, ob das Stück noch seine Berechtigung hat. Die Antwort ist ja. Der Freischütz ist musikhistorisch sehr bedeutsam, Wagner hat sich davon in­spirieren lassen. Und die Musik ist großartig. Vor allem die Passagen, die mit dem Bösen verbunden sind. Sie klingen heute noch aufregend, modern“, sagt Räth. Aber auch für die Handlung hat er eine Lesart gefunden, die zeitgenössischen Zuhörern einleuchten soll. „Das Stück ist auf den Jägerburschen Max zugeschnitten. Durch seine Augen betrachtet man die Handlung. Und die Jagd ist bei mir keine wirkliche Jagd, sondern die Jagd nach Inspiration, Erfolg und Anerkennung.“ Agathe und Caspar seien die zwei Seiten von Max’ Inspiration. „Agathe verkörpert den hellen, zärtlichen Part, Caspar die gewalttätige schöpferische Kraft. In der ersten Arie schwankt Max zwischen der Zuneigung zu Agathe und der Angst vor dunklen Mächten.“

Trotz psychologischer Herangehensweise wird nicht auf leerer Bühne gespielt. „Es gibt einen deutschen Wald“, beruhigt Räth. Das Bühnenbild hat Gary McCann gestaltet, mit ihm hat der Regisseur schon „Macbeth“ gemacht. „Die Idee war, realistische Elemente zu benutzen, aber diese in einer Weise darzustellen, dass sie theatralische Elemente sind.“ In der Wolfsschlucht-Szene wird Max mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert. „Es war uns wichtig, ein Universum zu schaffen, das nicht realistischen Gesetzen folgt, sondern traum- bzw. albtraumhaften Visionen.“ Neben den psychologischen Aspekten spielen auch unterhaltsame, komische oder absurde Elemente eine Rolle. „Ein wesentlicher Teil der Gattung ist Ironie“, meint Räth.

Tipp

„Der Freischütz“. Premiere am 11. Juni, ­Wiener Staatsoper. Dirigent: Tomáš Netopil, Regie: Christian Räth. Mit Camilla Nylund, ­Andreas Schager, Alan Held.

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