Live Aid: Der "heilige Bob" ist in Not

Bob Geldof wehrt sich gegen die Vorwürfe, er habe 1985 Teile der Live-Aid-Spenden missbräuchlich an äthiopische Rebellen weitergegeben: "Dafür gibt es nicht einmal den Funken eines Beweises."

Live Heiliger
Live Heiliger
(c) REUTERS (NOOR KHAMIS)

Am Heiligenschein von Bob Geldof wird heftig gekratzt. Zwei ehemalige Vertreter der äthiopischen Rebellen, die 1984/85 in einem blutigen Bürgerkrieg das Regime von Mengistu Haile Mariam in die Knie gezwungen haben, behaupten, Hilfsgelder seien damals für Waffenkäufe abgezweigt worden.

„95 Prozent“ der damals weltweit durch Geldof gesammelten 100 Millionen Dollar seien nicht für die Hungerbekämpfung, sondern die Aufrüstung der Volksbefreiungsfront verwendet worden, sagt Aregawi Berhe, Militärchef der Gruppe in den 1980er-Jahren, in einer BBC-Dokumentation.

Der Vorwurf wurde umgehend zurückgewiesen. „Das ist ein totale Lüge“, sagte der heutige Ministerpräsident und damalige Rebellenführer, Meles Zenawi. Geldof erklärte: „Dafür gibt es nicht einmal den Funken eines Beweises. Wenn es den geringsten Anhaltspunkt gibt, werde ich klagen.“


Zu Hilfe eilten Geldof alle führenden britischen Hilfsorganisationen, die den Vorwurf nicht nur als „völligen Unsinn“ (so etwa die Gruppe Christian Aid) bezeichneten, sondern auch eine Beschwerde gegen die BBC bei der Aufsichtsbehörde vorbereiten. Der Sender erklärt freilich: „Wir halten an dem Beitrag fest. Das sind schwerwiegende Anschuldigungen.“

In der Tat könnte der Nachweis missbräuchlicher Verwendung von Hilfsgelder für das Image von Geldof ein ernstes Problem sein. Der ehemalige Leadsänger der Gruppe Boomtown Rats hat seit Mitte der 1980er- Jahre als Aktivist gegen den Hunger in Afrika seine wahre Lebensaufgabe gefunden und es zu Weltruhm gebracht.

1986 wurde „Saint Bob“, wie er genannt wird, von der Queen zum „Sir“ geadelt, 1999 gemeinsam mit seinem irischen Landsmann und U2-Sänger Bono von Papst Johannes Paul II. empfangen („Wir sind das Duo Laurel und Hardy der Afrika-Hilfe“, sagte Geldof einmal) und 2005 vom Nobelpreiskomitee als „Man of Peace“ ausgezeichnet. In den Staatskanzleien der Welt geht er ein und aus, und mit den Mächtigen ist er auf Du und Du: „Bill Clinton war ein lässiger Kerl, aber hat absolut nichts gemacht.“

Dass er weiß, wie man Armut bekämpft, hat Geldof nicht zuletzt an sich selbst bewiesen. Obwohl er für seine wilde Frisur bekannt ist und meist aussieht, als wäre er gerade in einer Mülltonne erwacht, ist er mehrfacher Millionär: „Sex, Ruhm und Geld“ seien das Einzige gewesen, was ihn schon als Musiker interessiert habe, wirft ihm sein Ex-Bandkollege Gerry Cott vor.

Geldof widerspricht nicht wirklich: „Wenn ich die Wahl zwischen einem Volkswagen und einer Luxuslimousine habe, werde ich die Luxuskarosse nehmen, denn ich kann nie sicher sein, dass ich noch einmal diese Chance bekomme.“ Erst als Musiker, später als Geschäftsmann machte er Millionen, bis heute ist er im Mediengeschäft erfolgreich aktiv.


Von dem Geld wenig bemerkt haben angeblich seine vier Töchter. Die 21-jährige Peaches, die gerade als „Skandalnudel“ den Beweis antritt, dass man auch frei von jeder Begabung Geld machen kann, klagt: „Er ist ein fürchterlicher Geizkragen. Wenn wir ihn um mehr Taschengeld fragten, sagte er nur: ,Verdiene dir selbst etwas dazu.‘“ Peaches wurde mit ihren Schwestern Fifi, Pixie und Tiger Lilly von Geldof nach dem Tod ihrer Mutter Paula Yates, die 2000 an einer Überdosis Heroin starb, allein großgezogen. Vor wenigen Jahren wählten ihn die Briten dafür sogar auf die Liste der „zehn besten Mütter des Landes“.

Zur person

Bob Geldof, geb. 1951, ist irischer Musiker, wurde aber eher durch sein soziales Engagement bekannt. Er organisierte 1985 das weltweite Konzert „Live Aid“, bei dem Geld für Äthiopien gesammelt wurde. Die BBC berichtete nun von Spendenungereimtheiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)

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