Manuela Mandl: „Snowboarden ist wie fliegen“

Auf dem Snowboard, im Tiefschnee und auf Steilhängen ist Manuela Mandl Weltspitze. Mit ihren Kolleginnen ist sie beim Freeride Film Festival dabei.

Manuela Mandl, die amtierende Snowboard-Weltmeisterin der Freeride World Tour, stammt aus Wien. Am Donnerstag trifft man sie im Wiener Gartenbaukino.
Manuela Mandl, die amtierende Snowboard-Weltmeisterin der Freeride World Tour, stammt aus Wien. Am Donnerstag trifft man sie im Wiener Gartenbaukino.
Manuela Mandl, die amtierende Snowboard-Weltmeisterin der Freeride World Tour, stammt aus Wien. Am Donnerstag trifft man sie im Wiener Gartenbaukino. – (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Ort)

In der vergangenen Saison hatte Manuela Mandl einen Lauf: Die Snowboarderin schnitt bei den Bewerben der Freeride World Tour so gut ab, dass sie den letzten nur noch ins Ziel bringen musste. „Diese Herausforderung war für mich ärger, als den Run wirklich gewinnen zu müssen“, erklärt die nunmehrig amtierende Snowboard-Weltmeisterin der Freeride World Tour, die nicht erwartungsgemäß aus den Bergen kommt, sondern mitten aus Wien.

„Ich bin im achten Bezirk aufgewachsen“, erzählt die 30-Jährige im Gespräch mit der „Presse“. Jetzt wohnt sie im 17. – und winters in Innsbruck. Wie sie sich im Tiefschnee sozialisiert hat, wird sie vielleicht auf der Bühne beim „Freeride Film Festival“ erzählen, am Donnerstag im Wiener Gartenbaukino. Dort zeigt Mandl – im Zuge eines stark besetzten Schwerpunkts von Filmen führender Athletinnen – eine kurze Produktion über die erfolgreiche Saison, „mit ironischer Note“, so die Spitzenathletin.

 

Steile Hänge, ganz locker

In den Schladminger Tauern und am Dachstein machte sie ihre ersten wilden Meter. Höhenangstbefreit war sie schon immer: „Beim Berggehen macht es mir Spaß, auf dem Grat unterwegs zu sein.“ Und auf dem Board sieht es auch entspannt aus, wenn sie exponiert am Einstieg einer steilen Rinne steht und dann in das felsdurchsetzte, schneegefüllte Gelände in lockeren Turns (Kurven) ihre ganz eigene Line (Spur) einschreibt. Darauf kommt es schließlich an: Anders als im Alpinen Skiweltcup geht es bei den Bewerben darum, „einen Berg so flüssig, spektakulär und ästhetisch wie möglich hinunterzufahren“, erklärt Mandl. „Und dass man dabei möglichst viele Obstacles überwindet“, sprich Felscouloirs, Grate, Gruben, Rinnen. „Es ist ein Gefühl wie Fliegen“, sagt sie über die Sprünge, die sie in den Lauf einbaut. Wobei da jede ihrer Konkurrentinnen eine andere Körpersprache entwickelt: Sie gehöre zu den Zurückhaltenden, auch bei hoher Schnelligkeit wirke sie ruhig. Obwohl es nicht immer feinster Powder unter den Füßen ist, sondern schwierigeres Material: „Unser Job ist, auch mittelmäßige Schneebedingungen gut aussehen zu lassen.“

Das Hinunterfahren und „Hupfen“ sei auch nur der sichtbare Teil. Der größere die Vorbereitung: Die Hänge müssen genau studiert, die schwachen, lawinengefährlichen Stellen gecheckt werden. Die Absturzstellen. Und der Weg einkalkuliert, auf dem der Schnee unter dem Board wegrieselt, sogenanntes Sluffmanagement. Vor allem aber gilt es, die flächige Frontalansicht vom Gegenüberhang dann in eine dreidimensionale Tiefenschau beim Fahren zu übersetzen: „Ich versuche es mit Triangulieren“, erklärt Mandl, die an der Akademie der bildenden Künste Architektur studiert und nun ihre Masterarbeit über „Infrastruktur im alpinen Raum“ schreibt. Auch diesbezüglich hat sie in den vergangenen Jahren viel gesehen. Die Freeride Word Tour und die Qualifier-Bewerbe machen nicht nur an wechselnden Orten wie Verbier und Chamonix, Fieberbrunn und Obergurgl-Hochgurgl, sondern auch in Kanada, Japan, Andorra oder Neuseeland Station. Kommt hinzu, dass sie selbst viel unterwegs ist – filmend, wie jüngst im Norden Norwegens („Through Darkness“ ist gerade in Arbeit).

Allzu viel digitale Technik wie etwa Drohnenbilder braucht sie nicht, denn es liege ja die Fähigkeit eines Sportlers darin, eigene Skills zu entwickeln und einen Berg wirklich lesen zu können. Eine gewisse Alpinkompetenz, die man durch Aktivitäten im Flachen verstärkt: So sieht man Mandl auch auf dem Wakeboard auf der Donau, auf dem Trampolin oder bei Klimmzügen in einem Park in Hernals.

FestivalSaison

Freeride Film Festival: „Frauen-Power im Freeride-Powder“ lautet ein Schwerpunkt der neunten Auflage des Festivals, das durch Deutschland, die Schweiz und Österreich tourt. Darunter Filme von/mit sechs Weltmeisterinnen (etwa Eva Walkner, Nadine Wallner, Aline Bock, Arianna Tricomi, Manuela Mandl) und einer Vizeweltmeisterin der Freeride World Tour. Am Donnerstag, Gartenbaukino, www.freeride-filmfestival.com.

Weitere Bergfilmevents: Bis 17. November läuft noch das Mountain Film Festival in Graz, www.mountainfilm.com.

Das Bergfilmfestival Salzburg zeigt vom 14. bis 25. November Hohes und Extremes.
25-Jahre-Jubiläum. www.daskino.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2018)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Manuela Mandl: „Snowboarden ist wie fliegen“

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.