Die teuerste Scheidung aller Zeiten

Jeff Bezos. Der Amazon-Chef – der reichste Mann der Welt – und Ehefrau MacKenzie sind um eine amikale Lösung bemüht. Die neue Frau an seiner Seite indes ist eine Freundin des Paars.

Jeff Bezos und seine Frau seit 25 Jahren, die Schriftstellerin MacKenzie, gehen seit wenigen Monaten getrennte Wege.
Jeff Bezos und seine Frau seit 25 Jahren, die Schriftstellerin MacKenzie, gehen seit wenigen Monaten getrennte Wege.
Jeff Bezos und seine Frau seit 25 Jahren, die Schriftstellerin MacKenzie, gehen seit wenigen Monaten getrennte Wege. – (c) REUTERS (Danny Moloshok)

Das Geheimnis war keines mehr, als Jeff Bezos bei der Golden-Globe-Gala in Los Angeles am Sonntag mit einer Frau turtelte, die seiner Ehefrau, MacKenzie, auf dem ersten Blick ähnlich sah. Der „National Enquirer“, das an den US-Supermarktkassen ausliegende Revolverblatt, drohte, die Affäre des reichsten Mannes der Welt zu enthüllen. Kurz vor Bezos' 55. Geburtstag entschloss sich das Paar, via Twitter in wohlgesetzten Worten die Scheidung nach mehrmonatiger Trennung bekannt zu geben – nicht, ohne die Freundschaft und Geschäftspartnerschaft zu bekunden, was auf eine amikale Lösung hindeutet.

Laut Gesetz des Staates Washington, dem Wohnsitz, würde auf MacKenzie Bezos (48) die Hälfte des Vermögens entfallen, das das Magazin „Forbes“ auf 137 Milliarden Dollar taxiert. Es wäre die teuerste Scheidung bisher, sie würde Bill Gates wieder zum reichsten Mann der Welt machen. MacKenzie Bezos, eine Schriftstellerin, die bei einem Schreibkurs die Wertschätzung der Professorin und Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison errang, will jedoch offenbar den 16-prozentigen Aktienanteil der Familie am Internetriesen Amazon vorerst nicht anrühren.

Hubschrauberpilotin im Zweitjob: L. Sánchez.
Hubschrauberpilotin im Zweitjob: L. Sánchez.
Hubschrauberpilotin im Zweitjob: L. Sánchez. – (c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)

Nicht ohne Pikanterie ist indessen, dass die Familie Bezos mit Jeffs neuer Gefährtin schon seit Jahren befreundet ist. Lauren Sánchez (49) und ihr Mann, der Hollywood-Agent Patrick Whitesell, der Matt Damon, Christian Bale oder Kevin Kostner zu seinen Klienten zählt, lebten in der Nachbarschaft der Bezos' in einem Vorort von Seattle. Das Paar hatte sich im Vorjahr getrennt, Jeff Bezos heuerte Lauren Sánchez in ihrem Zweitjob als Hubschrauberpilotin für sein Luftfahrtunternehmen Blue Origin an. Seither wurden Bezos und Sánchez immer öfter gemeinsam gesehen. Sánchez hatte zuvor das Programm „Good Day L.A.“ auf Fox News präsentiert.

 

Neues Hobby: Medienmogul

Die Scheidung des Fox-Bosses und Medienmoguls Rupert Murdoch, inzwischen mit Mick Jaggers Ex Jerry Hall verheiratet, war vor wenigen Jahren im Übrigen auch im Stillen und im Einvernehmen abgelaufen – im Gegensatz zu Roman Abramowitsch, Mel Gibson, Bernie Ecclestone oder dem Ölmilliardär Harold Hamm, die sich die Scheidung bis zu eine Milliarde Dollar kosten ließen. Auch die Silicon-Valley-Chefs Larry Ellison (Oracle) oder Sergey Brin (Google) mussten wohl ihr Konto plündern, um sich eine neue Freiheit zu erkaufen. Zahlen sind in ihren Scheidungscausen nicht kolportiert.

Bezos und seine Frau MacKenzie – beide Absolventen der Elite-Uni Princeton – hatten einander 1993 im New Yorker Hedgefonds D. E. Shaw kennengelernt, wo sie in benachbarten Büros arbeiteten. Sie heirateten bereits nach einem halben Jahr. „Ich wollte eine Frau, die mich aus einem Dritte-Welt-Gefängnis holen könnte“, so Bezos. Kurz darauf zogen sie nach Seattle, wo sie in einer Garage den Grundstein legten für eine Internetrevolution: den Amazon-Konzern mit heute mehr als einer halben Million Mitarbeitern weltweit.

MacKenzie Bezos war zunächst die engste Mitstreiterin. Je mehr das Unternehmen wuchs, desto stärker widmete sie sich den vier gemeinsamen Kindern – darunter eine adoptierte Tochter aus China. Sie schrieb zudem zwei Romane, „The Testing of Luther Albright“ und „Traps“. Zuletzt gründete sie mit ihrem Mann die mit zwei Milliarden Dollar dotierte Stiftung Day One Fund.

Vor fünf Jahren hatte der Technikfreak und Star-Trek-Fan Jeff Bezos ein neues Hobby entdeckt – wohl auch, um seinen schlechten Ruf als skrupelloser Amazon-Chef zu verbessern. Für 250 Millionen Dollar erwarb er die „Washington Post“, schuf neue Jobs und baute die Berichterstattung sukzessive aus – zum Missfallen Donald Trumps. Die Hauptstadtzeitung gilt als das kritischste Medium neben der „New York Times“.

Im Washingtoner Nobelstadtteil Kalorama, in der Nachbarschaft der Obamas und Ivanka Trumps, kaufte Bezos das teuerste Anwesen der Stadt. Seither liefert er sich immer öfter einen Schlagabtausch mit dem Präsidenten. Während just Trump die „Post“ als „Amazon-Cheflobbyisten“ anprangert, tritt der öffentlichkeitsscheue Bezos als Trump-Kritiker in Erscheinung.

AUF EINEN BLICK

Amazon. In einer Garage in Seattle starteten Jeff Bezos und seine Frau, MacKenzie, 1994 eine Internetrevolution: den Handelskonzern Amazon, der schon über eine halbe Million Mitarbeiter hat. Familie Bezos hält 16 Prozent der Anteile, ihr Gesamtvermögen wird auf 137 Milliarden Dollar taxiert. 2013 kaufte Bezos die „Washington Post“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2019)

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