Auch Babys sind ein Publikum

Cornelia Böhnisch will die Konturen des Toihaus-Theaters schärfen. Dessen Bim-Bam-Festival richtet sich erstmals schon an sechs Monate alte Kinder.

Cornelia Böhnisch (Bild) leitet mit Katharina Schrott das Theater mit 50 Sitzplätzen.
Cornelia Böhnisch (Bild) leitet mit Katharina Schrott das Theater mit 50 Sitzplätzen.
Cornelia Böhnisch (Bild) leitet mit Katharina Schrott das Theater mit 50 Sitzplätzen. – (c) MARTIN HOLTKAMP

Eigentlich schien für Cornelia Böhnisch eine Karriere als Musikerin vorgezeichnet. Als Kind hat die aus Tübingen stammende Künstlerin mit ihrer Geige regelmäßig Preise bei Jugend musiziert gewonnen. Doch als es nach der Matura darum ging, sich für ein Studium zu entscheiden, kehrte sie dem Instrument den Rücken. „Ich habe alle Erwartungen enttäuscht“, erzählt die 41-Jährige und lacht im Rückblick: „Mir war die klassische Geige ein zu starres Ausdrucksmittel, ich fühlte mich eingezwängt.“

Sie ging nach Österreich und suchte nach neuen Möglichkeiten, ihre Kreativität auszuleben. Sie probierte es mit Schauspiel und landete schließlich beim zeitgenössischen Tanz. „Da habe ich mich endlich verstanden gefühlt von der Kunst, die klassische Musik hat mich nicht verstanden“, resümiert die Theaterleiterin. Am damaligen Brucknerkonservatorium in Linz absolvierte sie ein Tanz- und Choreografiestudium und dockte danach 2004 beim Toihaus-Theater Salzburg an. Eine Liebe, die sie seither nicht mehr losgelassen hat.

 

„Salzburg braucht Avantgarde“

Seit 15 Jahren ist sie dem Haus eng verbunden, hat Stücke wie „1000 weiße Pferde – tanz die Riefenstahl“ oder „Landschaft mit Katastrophe“ produziert oder die Projektreihe „Tanzwut“ geleitet. Seit dem vergangenen Sommer führt Böhnisch gemeinsam mit Katharina Schrott das kleine Theater mit 50 Sitzplätzen in der Franz-Josef-Straße. Ihre Mentorin, die langjährige Theaterleiterin Myrto Dimitriadou, hat das Haus an die nächste Generation übergeben.

Apropos nächste Generation: Mit Bim Bam, dem 7. Internationalen Theaterfestival für Kleinstkinder, steht jetzt eines der Leuchtturmprojekte des Hauses auf dem Programm. Bim Bam wird von Schrott kuratiert und startet morgen, am 9. März. Das Festival wendet sich mit professionellem Theater an ein Publikum, das gerade einmal laufen gelernt hat.

Das Toihaus war vor mehr als einem Jahrzehnt Vorreiter mit einem Festival für so junges Publikum. Mittlerweile ist Bim Bam auch international ein viel beachtetes Projekt, die Produktionen kommen aus ganz Europa, aus Mexiko und Japan. Erstmals wird heuer bei Bim Bam auch ein Stück aus Polen gezeigt, das speziell für Babys zwischen sechs und 15 Monaten gemacht ist. Bisher lag die Einstiegsgrenze für die kleinen Theaterbesucher bei rund eineinhalb Jahren.

Das Kindertheater ist nur ein Standbein des Toihaus-Theaters. „In der Öffentlichkeit ist nicht immer klar, dass wir auch Produktionen für Erwachsene machen“, sieht Böhnisch noch Aufholbedarf. Deshalb will sie als Theaterleiterin gemeinsam mit ihrer Kollegin Schrott die Konturen schärfen und mutiger im Auftritt werden: „Wir sind ein freies experimentelles Theater, in dem man schräge, ungewöhnliche Sachen sehen kann.“ Dabei gehe es aber immer um einen hohen künstlerischen Anspruch und um das Herantasten an Grenzen. Für das Salzburger Publikum sei diese Arbeit ein wichtiger Gegenpol zum bestehenden Kunstangebot, ist die Choreografin überzeugt: „Salzburg braucht auch die Avantgarde in der Stadt.“

Pro Jahr bringt das Toihaus-Theater fünf bis sechs Eigenproduktionen für Kinder und Erwachsene auf die Bühne. Derzeit arbeiten Böhnisch und Schrott gerade an der Vorbereitung des Programms für die kommende Saison. Sie soll unter dem Thema Nachhaltigkeit und Ökologie stehen. „In unserer Gesellschaft ist die Wildnis verloren gegangen, alles ist strukturiert und geregelt“, meint Böhnisch und will mit ihren Produktionen Denkanstöße geben, das Publikum zu den Wurzeln zurückführen.

Auch die Theatermacherin ist – zumindest privat – wieder zu ihren künstlerischen Wurzeln zurückgekehrt. „Ich habe wieder zum Musikmachen gefunden“, erzählt sie. Auch wenn dafür neben Familie und Toihaus nicht sehr viel Zeit bleibt. Auf Bim Bam freut sie sich besonders, auch, weil sie die Vorstellungen zusammen mit ihrer vier Jahre alten Tochter besuchen wird: „Es ist so schön zu sehen, wie ein Kind ganz im Kosmos des Stücks aufgeht.“

AUF EINEN BLICK

Das Toihaus-Theater bietet pro Jahr fünf bis sechs Eigenproduktionen für Kinder und Erwachsene. Aktuell: Bim Bam, das 7. Internationale Theaterfestival für Klein(st)kinder, 9. bis 31. März.

Web: www.toihaus.at/bim-bam

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2019)

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