Lokalaugenschein: Schnell ermittelt wieder

Zurzeit wird die dritte Staffel der Krimiserie "Schnell ermittelt" gedreht. Mit Katharina Stemberger als "unfreiwillige" Witwe.

(c) ORF (Laurent Trmper)

Die forensische Pathologie ist kein Wohlfühlort. Röntgenbilder von Körperteilen, Spiegelschränke mit großen Reagenzgläsern und irritierendes Neonlicht. Das einzig beruhigende an der Szenerie: Sie ist nicht echt. Und die Leute mit besorgter Miene, die sich um eine Leiche scharen, sind Schauspieler. Hier, in einem weitläufigen Areal im Süden Wiens, wird eine Folge der neuen, dritten Staffel der ORF-Erfolgsserie „Schnell ermittelt“ gedreht.

Während sich in der Drehpause also die Protagonisten mit der „Leiche“ auf der Bahre unterhalten, tragen Mitarbeiter Kabel und Koffer herum. Bis der Regisseur alle auffordert, die Plätze einzunehmen und die Dreharbeiten fortgesetzt werden.

Ursula Strauss, alias Angelika Schnell, ist Leiterin der Mordkommission in Wien. Gemeinsam mit Bezirksinspektor Harald Franitschek (Wolf Bachofner) und Gerichtsmediziner Stefan Schnell (Andreas Lust) klärt sie Mordfälle auf. Letzterer ist ihr Exmann, und die unechte forensische Pathologie mit den Kameras und Statisten ist sein Arbeitsplatz.

Für treue Zuseher der Serie – im Durchschnitt sind es immerhin rund 700.000 pro Folge – stellt sich vor allem eine Frage: Wer oder was wird der rote Faden der neuen Staffel? Denn in den vergangenen Folgen stand die Person Peter Feilers im Mittelpunkt. In der ersten Staffel verliebt sich Schnell in ihn; später stellt sich Feiler als Serienmörder heraus. In der zweiten Staffel wird er gejagt und stirbt schließlich.

„Es wird einen geben“, sagt einer der beiden Regisseure Michi Riebl, „der unserer Heldin sehr böse ist und ihr das Leben schwer macht.“ Böse ist diese Person, weil Feiler den Tod fand. Die Figur des Serienmörders – obwohl tot – wird demnach auch in der dritten Staffel präsent sein.


Riebl teilt sich die Regiearbeit mit seinem Kollegen Andreas Kopriva, der für diese Folge zuständig ist. Er steht in der forensischen Pathologie hinter silber glänzenden Tischen und lässt die Szene noch einmal drehen. Die „Leiche“ stellt sich tot, ein Polizist fotografiert den Körper, die Schauspieler setzen ermüdete Gesichter auf und denken über Personen nach, die für den Mord infrage kommen könnten. Nach dem dritten Mal ist Kopriva zufrieden: allgemeine Erleichterung und Mittagspause.

In einem kahlen Raum mit verfärbten Wänden und Plastikboden steht die Schauspielerin Katharina Stemberger und hält eine Schüssel mit Obst in der Hand. „Es gibt schlimmere Drehorte“, meint sie, während sie sich umsieht. Die Schauspielerin hat in dieser Folge eine Gastrolle – sie spielt die Frau des „unfreiwillig verstorbenen“ Mannes, wie sie sagt.

„Es gibt nur Familiengeschichten und Krimis“, teilt Stemberger das Fernsehprogramm durch zwei. Und wenn sie die Wahl habe, dann entscheide sie sich lieber für Krimis: Wegen der Spannung und „weil Krimigeschichten einfach gut zu erzählen sind“. So sehe sie selbst am liebsten die US-Krimiserie „Monk“.

Stemberger ist nicht die einzige Gastschauspielerin in der dritten Staffel. Auch Robert Palfrader, Dirk Stermann, Christoph Grissemann und Nina Proll übernehmen Rollen. Bis Ende September werden die zehn neuen Folgen gedreht; sie werden voraussichtlich 2011 ausgestrahlt. Auch eine vierte Staffel sei geplant, sagt der Regisseur Michi Riebl.

In den grauen Hallen des Drehortes herrscht hektisches Durcheinander, während Besucher eindringlich ermahnt werden, ruhig zu sein. Nach der Mittagspause wird der Dreh fortgesetzt. Indessen holt Katharina Stemberger das Buch aus ihrer Handtasche hervor, das sie gerade liest: Passend zum Filmdreh einen „grauenhaften, forensischen Thriller“ von Simon Beckett. Immerhin: Echt ist die Geschichte Becketts glücklicherweise auch nicht.

Auf einen Blick

Filmdreh. Zurzeit wird die dritte Staffel der Krimiserie „Schnell ermittelt“ gedreht – die neuen Folgen sind voraussichtlich 2011 zu sehen. Gastrollen haben u.a. Katharina Stemberger, Robert Palfrader und Nina Proll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2010)

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