Die Ich-Pleite: Sympathie

Zu Beginn gleich eine gute Nachricht: Liebe auf den ersten Blick gibt es auch bei Chefs.

Also vielleicht nicht gerade „Liebe“, aber zumindest Sympathie. Oder wenigstens nicht Antipathie. Oder sagen wir so: Ein freundliches Händeschütteln bei der Begrüßung kann Wunder wirken. Sicher, der günstige Eindruck wird dann beim ersten Meeting etwas getrübt, wenn der neue Chef eine halbe Stunde zu spät kommt und als Erstes fragt: „Das ist alles, was euch dazu eingefallen ist?“ und „Dafür hab ich keine Zeit!“ sagt, wenn man etwas erwidern will. Dafür darf man ihm drei Stunden beim Brainstorming mit sich selbst Gesellschaft leisten und zum Schluss zu seinen super Ideen applaudieren. Wenn sich das zwei-, dreimal oder meinetwegen 30-mal wiederholt, kommt es natürlich vor, dass die Sympathie eher verschwunden ist. Aber dann, sagen Psychologen, muss einem der Chef zum Schluss nur mit einem freundlichen Händedruck „Alles Gute!“ wünschen, und schon bleibt er einem halbwegs menschlich in Erinnerung. Denn der erste und der letzte Eindruck zählen, dazwischen kann der Chef tun, was er will. Zum Beispiel gähnen und die Fingernägel säubern, während man redet. Umgekehrt wird einem ein Chef, der seinen Auftritt verpatzt, nie richtig sympathisch, auch wenn er einen dauernd ausreden lässt und sich schon beim dritten Mal Vorbuchstabieren den Namen merken kann. Aber selbst er kann es sich noch ein bisschen verbessern! Zum Beispiel, indem er einem ständig auf dem Schoß sitzt. Denn die „Kontakthypothese“ besagt, dass die Meinung, die man von jemandem hat, umso positiver wird, je mehr man mit demjenigen persönlich zu tun hat. Für Chefs, die nur twittern, wäre das natürlich eine schlechte Nachricht.

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