Die Ich-Pleite: Partnerschaft

Das Schöne am Internet ist, dass man viel klüger wirkt, als man ist.

Man wirkt auch schöner, jünger und erfolgreicher, als man ist. Und mit weniger Morgengrant, weniger Bestellzicken, weniger Schwiegermüttern und weniger Kindern, für die man Alimente zahlen muss. Im Internet hat man viel seltener Probleme mit dem Gewicht, mit dem Finanzamt, mit der Exfrau oder im Bett. Deshalb ist es ja so schön, im Internet nach einem Partner zu suchen. Auf Parship zum Beispiel verliebt sich angeblich alle elf Minuten ein Nutzer in einen anderen. Sicher, es muss einen nicht selbst treffen. Aber es ist doch ein beruhigendes Gefühl, falls sich das derzeitige Zahnpastatuben-Problem nicht bald löst. Okay, man weiß nicht, was „verlieben“ genau heißt. Da sind die Ansprüche ja verschieden. Manche finden einen schon toll, wenn man zwei Arme, zwei Beine, einen Kopf und jedes Wochenende Zeit hat. Andere suchen die große Liebe.

Manche wollen nur eine Beziehung für eine Nacht, andere zusammen alt werden. Gut, das sind meistens die, bei denen es nicht mehr so weit hin ist. Aber eines muss man schon sagen: Wenn man die Chance hat, sich schon in elf Minuten in einen anderen zu verlieben, hilft einem das nicht gerade beim Großzügig-über-die-nassen-Handtücher-auf dem-Badezimmerboden-Hinwegschauen. Manche behaupten, ein Joghurt sei haltbarer als eine moderne Partnerschaft. Aber ich glaube das nicht. Parship selbst ist ein gutes Gegenbeispiel: Es hält zu dir, selbst wenn du eigentlich schon weg willst. Die Arbeiterkammer hat das kritisiert. Online könne man nicht kündigen, die Kosten bei Widerruf wären zu hoch, und das Jahresabo verlängere sich automatisch. Ganz ohne Tricks hat doch noch nie jemand jemanden gehalten.

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