Die Ich-Pleite: Nur nicht aufgeben

Zwei Wochen nach Beginn der Sommerzeit habe ich es endlich geschafft, die Uhr am Herd umzustellen. Im Grunde sind diese Dinge ja nicht so schwer.

Man darf nur nicht aufgeben. Die Herduhr zum Beispiel besitzt nur zwei Tasten. Die eine heißt „OK“ und die andere „Set“. Das Geheimnis des Uhr-Umstellens liegt in der richtigen Kombination. Wenn ich die Gebrauchsanleitung nicht längst weggeworfen hätte, könnte ich natürlich nachschauen. Aber so. Die Logik würde gebieten, dass man zuerst „Set“ drückt und dann so lange auf die Plus- und Minus-Zeichen, bis die Zeit stimmt. Ein kurzes „OK“, und schon tickt die Herduhr richtig. Aber so einfach ist es nicht. Denn so kann man nur die Backzeit einstellen. Anstatt Yoga zu machen oder laufen zu gehen habe ich mich also in den vergangenen zwei Wochen allmorgendlich vor meinen Herd gekniet und Uhr-stellen geübt. Die „Set“- und die „OK“-Taste sind inzwischen gute Freunde von mir geworden.

Gemeinsam haben wir so manchen Morgennachrichten gelauscht und Morgenblues durchgestanden. Sicher, es hat auch Tage gegeben, da habe ich mit dem Gedanken gespielt, ein weiteres Sommerhalbjahr mit Winterzeit auszukommen. Aber meine Therapeutin hat gemeint: „Der Herd ist nicht Ihre dominante Kollegin. An ihm können Sie Selbstbehauptung üben, ohne dass sie Sie mobbt.“ Nach ein paar weiteren fruchtlosen Versuchen habe ich allerdings ans Kündigen gedacht. Sprich: neuer Herd, neue Küche oder überhaupt neue Wohnung. Aber so weit ist es nicht gekommen. Denn rechtzeitig ist mir doch noch eine Lösung eingefallen: den Strom abdrehen. Seither macht die Herduhr genau, was ich will. Bei der Kollegin kann ich das halt nicht machen, hat meine Therapeutin gesagt.

Schaufenster.DiePresse.com/DieIchPleite

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