Die Ich-Pleite: Frauentragen

Die Finnen sind heuer wieder Weltmeister im Frauentragen geworden.

Gefolgt von den Amerikanern. Die Deutschen landeten auf Platz 20. Österreicher waren keine dabei. Das muss man jetzt auch nicht überinterpretieren und behaupten, österreichische Männer tendieren nicht so dazu, ihre Frauen auf Händen zu tragen. Denn vielleicht sind die Finnen, Amerikaner und Deutschen auch keine Heiligen, sondern wollen nur ihr schlechtes Gewissen beruhigen, indem sie eine Frau (Körpergewicht mindestens 49 Kilo) durch einen Hindernis-Parcours tragen. Allerdings bemüht man sich in den nördlichen Ländern auch in anderen Bereichen, den Frauen das Leben zu erleichtern. In der deutschen Bundeswehr zum Beispiel hat man jetzt Modedesigner beauftragt, eine eigene „Mums“-Uniformlinie zu entwerfen, damit die Rekrutinnen, wenn sie schon schwer an den künftigen Bundesbürgern tragen müssen, wenigstens chic dabei aussehen. Bei uns gibt man einer schwangeren Grundwehrdienerin wahrscheinlich nur die Uniform von einem Kollegen, der in der Kantine bei den Wiener Schnitzeln zu oft „Hier!“ gerufen hat. Und sind die zukünftigen Steuerzahler auf der Welt, sind es immer noch die Frauen, die sich mehr darum kümmern, dass sie ordentlich gekämmt mit veganer Jause in die Schule kommen. Das sage nicht ich, das sagt die Statistik. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit wird von Frauen geleistet. Vier von zehn weiblichen Arbeitsstunden sind gratis. Bei den Männern sind es nur zwei von zehn. Frauen arbeiten täglich eine halbe Stunde mehr. Als Ausgleich gibt’s weniger Lohn. Der Gender Pay Gap ist in Österreich der zweitgrößte in der EU. Reicht das als Motivation, im kommenden Jahr beim Frauen­tragen Weltmeister zu werden?

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