Die Ich-Pleite: Anhalteakzeptanz

Statistisch gesehen werden täglich drei Fußgänger auf Zebrastreifen angefahren.

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Also angefahren werden wahrscheinlich mehr – im Sinn von „Heast Schasaugerter, kannst ned aufpassen, wo’st hinsteigst!?“ –, aber verletzt werden nur drei. Dabei bemüht sich die Verkehrssicherung schon seit Jahren um eine Senkung der Unfallzahlen. Es gibt eine Reihe von Versuchen von quer gestreiften Zebrastreifen über Knisterbelag bis zu Zebrastreifen, die sich zu 3-D-ähnlichen Lichtbalken aufplustern. Das Patent kommt aus Island, dem Land des Nebels. Aber egal, was man macht, in Österreich ist offenbar die „Anhalteakzeptanz“ nicht und nicht steigerbar. Die Straßenverkehrsordnung ist an sich eindeutig: Wenn sich ein Fußgänger dem Fußgängerübergang nähert, muss der Autofahrer stehen bleiben. Statistisch stabile 15 Prozent der Autofahrer tun das aber nicht. Experten vermuten, dass dahinter ein massives Kommunikationsproblem steht. Die Frage ist nämlich: Was heißt Annäherung? Da ist der Autofahrer natürlich auch nur ein Mensch, und naturgemäß liegen bei der Interpretation von Annäherung die Meinungen oft sehr weit auseinander. Die einen sagen, es ist Annäherung, wenn man sich beim Reden in die Augen schaut. Die anderen halten es für Annäherung, wenn man sich beim Reden in den Ausschnitt schaut. Mancher Fußgänger findet, es ist schon Annäherung, wenn er 100 Meter vor dem Zebrastreifen daran denkt, die Straße zu überqueren, während er noch schnell ein paar SMS checkt. Blöd, wenn er einem Autofahrer begegnet, der nur auf schriftlichen Antrag hin am Zebrastreifen stehen bleibt. So oder so ist es bei der Annäherung besser, auf gegenseitiges Einverständnis zu warten. Im anderen Fall muss man mindestens mit einer Ohrfeige rechnen.

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